Französische Gesundheitsbehörden bezweifeln die Wirkung der Homöopathie

Homopathische Kügelchen liegen auf dem Boden.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen ansehen

Frankreich will Homöopathika nicht mehr unterstützen

In Frankreich stand kürzlich die Homöopathie auf dem Prüfstand der französischen Gesundheitsbehörde Haute Autorité de santé (HAS). In einer neunmonatigen Untersuchung überprüfte eine Kommission rund 1200 homöopathische Arzneimittel auf ihre Wirksamkeit. Die Untersuchung soll grundlegend klären, ob es aus Sicht des HAS Sinn macht, Homöopathika über die gesetzlichen Krankenkassen zu finanzieren. Die Kommission kam zu dem Ergebnis, dass es aus medizinischer Sicht keine ausreichenden Beweise für die Wirksamkeit von Homöopathie gibt, um eine weitere Finanzierung über die Krankenkassen zu rechtfertigen.


Im Auftrag des französischen Ministeriums für Solidarität und Gesundheit (ministère des Solidarités et de la Santé) untersuchte die französische Gesundheitsbehörde (Autorité de santé) die Wirksamkeit von homöopathischen Arzneimittel, um die Aufrechterhaltung der Finanzierung über die gesetzlichen Krankenkassen beurteilen zu können. Die Kommission analysierte in neun Monaten über 1000 wissenschaftliche Publikationen über Homöopathika, konnte aber keine ausreichenden Beweise für deren Wirksamkeit finden. In einem ausführlichen Bericht empfiehlt die HAS, die Finanzierung von homöopathischen Mittel nicht fortzusetzen.

Homopathische Kügelchen liegen auf dem Boden.
Nach einer großen Untersuchung zur Wirksamkeit der Homöopathie spricht sich die französische Gesundheitsbehörde gegen die Kostenübernahme von homöopathischen Mittel durch die Krankenkassen aus. (Bild: Klaus Eppele/fotolia.com)

Unzureichende Wirksamkeit für eine Kostenerstattung

Ein harter Schlag für französische Anwenderinnen und Anwender der Homöopathie: Nach einem Bericht der französischen Gesundheitsbehörde werden die Kosten von homöopathischen Arzneimitteln in Frankreich zukünftig wohl nicht mehr erstattet. Die endgültige Entscheidung darüber steht jedoch noch aus.

Gesundheitsbehörde spricht sich gegen Homöopathie aus

Eine Kommission der HAS schloss kürzlich die erste französische wissenschaftliche Bewertung über homöopathische Arzneimittel ab. Dabei standen fast 1200 homöopathische Arzneimittel auf dem Prüfstand. Die Anwendungsgebiete der getesteten Homöopathika reichten von Angststörungen, über Fußwarzen und akute Atemwegsinfektionen bis hin zur Unterstützung einer Krebstherapie. Insgesamt wurde zu 24 Erkrankungen und Symptomen ermittelt. Über 1000 wissenschaftliche Studien, Publikationen und Dossiers, die sich mit der Wirksamkeit von Homöopathika auseinandersetzen, wurden nach wissenschaftlich haltbaren Beweisen durchsucht – ohne Erfolg.

Endgültige Entscheidung steht noch aus

In einem ausführlichen Bericht empfiehlt die Behörde, die Erstattung von homöopathischen Arzneimitteln über die Krankenversicherung aufgrund von mangelnden wissenschaftlichen Belegen nicht fortzusetzen. Am 26. Juni 2019 wurde der Bericht auf einer Plenartagung mehrheitlich angenommen und wird nun dem französischen Ministerium für Solidarität und Gesundheit vorgelegt, das endgültig über die Weiterfinanzierung entscheiden wird.

Gründe für die Empfehlung

Als Hauptgründe für die Empfehlung zur Einstellung der Kostenübernahme nennt die HAS folgende Faktoren:

  • Fehlender Wirksamkeitsnachweis: In klinischen Daten konnte keine ausreichende Wirksamkeit festgestellt werden.
  • Mangelnde Notwendigkeit: Bei vielen Einsatzgebieten von Homöopathika seien keine Medikamente notwendig (auch keine konventionellen).
  • Fehlen von Studien: Es existieren keine soliden Studien zur Beurteilung der Auswirkungen homöopathischer Arzneimittel auf die Lebensqualität der Patienten.
  • Fehlende Auswirkungen: Die Kommission fand keine Hinweise darauf, dass sich die Einnahme von homöopathischen Mitteln auf den Konsum anderer Arzneimittel, die Verringerung des Arzneimittel-Missbrauchs, die Zahl der Krankenhauseinweisungen oder die Verkürzung von Krankheitsprozessen auswirkt.

Statement der HAS

Statt auf homöopathische Mittel zu vertrauen, empfiehlt die HAS auf nachweislich wirksame präventive oder therapeutische nichtmedikamentöse Ansätze zu setzen. Dazu zähle beispielsweise eine gesunde Ernährung oder eine ausreichende Bewegung. Darüber hinaus dürfe man nicht unterstützen, dass durch die Homöopathie schwere und fortschreitende Krankheiten zu spät behandelt werden, da die Betroffenen zu lange auf die homöopathischen Mittel vertrauen.

Auswirkungen auf Deutschland?

In Frankreich sind homöopathische Mittel sehr beliebt und viele Anwenderinnen und Anwender vertrauen auf die Homöopathie. Auch in Deutschland erfreut sich die Homöopathie großer Beliebtheit. Sollte sich die französische Regierung gegen die Finanzierung entscheiden (was nach dem Bericht nahe liegt), könnte dies auch eine weitläufige Debatte in Deutschland lostreten. (vb)

Autor:
Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek
Quellen:
  • Haute Autorité de santé (HAS): Médicaments homéopathiques : une efficacité insuffisante pour être proposés au remboursement (Abruf: 28.06.2019), has-sante.fr
  • Haute Autorité de santé (HAS): Première évaluation scientifique des médicaments homéopathiques en France (Abruf: 28.06.2019), Dossier de presse