Wie stark Kopfbälle auch im Amateurfußball die Gesundheit des Gehirns gefährden können, zeigt eine aktuelle Studie. Direkt nach einem Spiel mit mindestens einem Kopfball ist ein signifikanter Anstieg von Blutbiomarkern für neuronale Schäden zu verzeichnen.
Inwiefern Kopfbälle im Amateurfußball die neuronale Integrität und die Gesundheit des Gehirns gefährden, hat ein niederländisches Forschungsteam untersucht. Die durchaus besorgniserregenden Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „JAMA Neurology“ veröffentlicht.
Mehr neurodegenerative Erkrankungen bei Profifußballern
Dass ehemalige Profifußballspieler ein erhöhtes Risiko für neurodegenerative Erkrankungen aufweisen, ist aus früheren Studien bereits bekannt und dabei wird die wiederholte Exposition gegenüber Kopfbällen als mögliche Ursache betrachtet, erklären die Forschenden.
Die akuten Auswirkungen des Kopfballspiels auf die neuronale Integrität blieben jedoch unklar, weshalb die Fachleute nun anhandvon 302 Amateurfußballern untersuchten, ob Kopfbälle neuronale Schäden verursachen.
Biomarker für neuronale Schäden untersucht
Bei den Teilnehmenden wurden vor dem Spiel sowie unmittelbar im Anschluss und nach 24 bis 48 Stunden Blutproben auf Blutbiomarker für neuronale Schäden untersucht, darunter unter anderem phosphoryliertes Tau 217, hirnstämmiges Tau und die neuronenspezifische Enolase, erläutert das Team.
Die Exposition gegenüber Kopfbällen wurde mittels Videoanalyse der Spiele quantifiziert, wobei nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die Intensität Berücksichtigung fand, so die Forschenden weiter.
Von den 302 Spielern, die an einem der elf Spiele teilnahmen, waren 216 (72 %) Kopfbällen ausgesetzt, und die durchschnittliche Expositionsrate lag bei zwei Kopfbällen pro Spieler und Spiel, berichten die Fachleute. Fast jeder zweite Spieler habe mindestens einen Kopfball mit hoher Aufprallwucht absolviert.
Hinweis auf neuronale Schäden
Bei der Datenauswertung zeigte sich, dass Kopfbälle mit einem akuten Anstieg von Blutbiomarkern für neuronale Schäden verbunden waren, berichtet das Team.
Zudem habe eine höhere Anzahl an Kopfbällen im Spiel zu einem stärkeren Anstieg der Biomarker geführt und auch nach Kopfbällen mit hoher Aufprallintensität seien die Biomarker stärker gestiegen. Dies lasse auf eine Dosis-Wirkungs-Beziehung schließen.
Die beobachtete Erhöhung der Biomarker sei allerdings innerhalb von 24 bis 48 Stunden auf die Normalwerte zurückgegangen.
Neuronale Integrität akut beeinträchtigt
Dennoch legen die Ergebnisse insgesamt den Schluss nahe, dass das Kopfballspiel auch im Amateurfußball die neuronale Integrität akut beeinträchtigen kann, wobei das Risiko offenbar mit der Anzahl der Kopfbälle und mit zunehmender Aufprallwucht steigt.
Zwar bleibt unklar, inwiefern sich hieraus eine erhöhtes Risiko für neurodegenerative Erkrankungen ableiten lässt, doch sollte auch Hobby-Fußballerinnen und -Fußballern bewusst sein, dass Kopfbälle akute neuronale Schäden verursachen können. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Marloes I. Hoppen, Marsh Königs, Charlotte E. Teunissen, Inge M. W. Verberk, Jos Twisk, Jaap Oosterlaan, Everard G. B. Vijverberg: Amateur Soccer Heading and Acute Elevations in Blood-Based p-Tau217 and S100B; in: JAMA Neurology (veröffentlicht 18.05.2026), jamanetwork.com
- JAMA Network: Amateur soccer heading and acute elevations in blood-based p-Tau217 and S100B (veröffentlicht 19.05.2026), eurekalert.org
Wichtiger Hinweis:
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