Gefahr durch Zikavirus – auch für Deutsche

Mehrere Fälle von Zikavirus-Infektionen in Deutschland gemeldet

Das Zikavirus wird von vielen Menschen nur mit Brasilien in Verbindung gebracht. Doch der gefährliche Erreger ist auch in anderen Teilen der Welt verbreitet. Daher sollten Fernreisende die Gefahren durch das Virus nicht unterschätzen. Auch hierzulande sind in diesem Jahr Infektionsfälle gemeldet worden.


Zikavirus kann zu Schädelfehlbildungen bei Babys führen

Gesundheitsexperten zufolge ist das Zikavirus zwar nicht tödlich, doch es kann Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen auslösen. Bei der sogenannten „Mikrozephalie“ werden Kinder mit einem ungewöhnlich kleinen Kopf geboren, was zu Hirnfehlbildungen führen kann. Da das Virus in vielen Regionen der Welt vorkommt, sollten Fernreisende die Gefahren durch den Erreger nicht unterschätzen. Vor allem Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch sollten Empfehlungen von Experten beachten und genau abwägen, in welche Länder sie reisen können.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml hat mit Blick auf die anstehenden Weihnachtsferien Fernreisende davor gewarnt, die Gefahr durch das Zikavirus zu unterschätzen. Der gefährliche Erreger kommt weltweit in über 80 Ländern vor. (Bild: Zerbor/fotolia.com)

Gefahr durch das Virus sollte nicht unterschätzt werden

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml hat mit Blick auf die anstehenden Weihnachtsferien Fernreisende davor gewarnt, die Gefahr durch das gefährliche Zikavirus zu unterschätzen.

„Auch nach dem Abflauen der Zikavirus-Epidemie in Süd- und Mittelamerika gibt es keinen Grund zur Entwarnung. Weltweit kommen Zikavirus-Infektionen in mehr als 80 Ländern vor – insbesondere in den Tropen und Subtropen“, erklärte die Ministerin in einer Mitteilung.

„Dort besteht nach wie vor die Gefahr, sich bei Reisen mit dem Zikavirus zu infizieren. Gerade Schwangere und Frauen, die schwanger werden wollen, sollten deshalb auf Empfehlung des Auswärtigen Amtes keine Reisen in Zikavirus-Ausbruchsgebiete unternehmen.“

Schwangere sollten von Reisen in Risikogebiete besser absehen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die vom Zika-Virus betroffenen Staaten – je nach Risiko einer möglichen Übertragung – in verschiedene Kategorien eingeteilt.

Das Auswärtige Amt (AA) hat sich dieser Bewertung angeschlossen und empfiehlt „Schwangeren und Frauen, die schwanger werden wollen, von vermeidbaren Reisen“ in Regionen der WHO-Kategorie 1 oder 2 abzusehen, „da ein Risiko frühkindlicher Fehlbildungen bei einer Infektion der Frau gegeben ist“.

„Das Übertragungsrisiko kann dabei sowohl regional als auch saisonal erheblich variieren“, schreibt das AA beispielsweise bei den Hinweisen zu Thailand.

„Bei unvermeidbaren Reisen muß auf eine ganztägige konsequente Anwendung persönlicher Schutzmaßnahmen zur Vermeidung von Mückenstichen geachtet werden“, schrieb das Amt in einer älteren Mitteilung.

Virus kann sich auf das Ungeborene übertragen

„Bei Schwangeren ist eine Infektion besonders gefährlich, weil sich das Virus auf das ungeborene Kind übertragen kann. Studien weisen darauf hin, dass eine Infektion mit dem Zikavirus in der Schwangerschaft beim Fötus zu Fehlbildungen des Gehirns führen kann“, erläuterte Huml, die approbierte Ärztin ist.

„Außerdem werden weitere neurologische Auffälligkeiten und Fehlbildungen wie Plazentainsuffizienz bis hin zum Tod des Fötus mit der Infektion in Verbindung gebracht“, so die Ministerin.

Den Angaben zufolge wurden in Bayern in diesem Jahr bis zum 3. Dezember 2018 zwei Zikavirus-Infektionen an das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) übermittelt.

In beiden Fällen handelte es sich um Personen, die sich in einem Risikogebiet im Ausland – auf Kuba und den Philippinen – aufgehalten hatten. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 15 bestätigte Fälle.

Weil ein Großteil der Infektionen aber symptomlos oder nur mit milden Symptomen verläuft, ist die Dunkelziffer nicht gemeldeter Zika-Infektionen vermutlich hoch.

Erkrankte waren zuvor in einem Risikogebiet

Zikaviren werden in erster Linie durch den Stich infizierter Mücken übertragen. Das sind zum Beispiel die in den Tropen und Teilen der Subtropen weit verbreiteten Gelbfiebermücken. Eine sexuelle Übertragung ist ebenfalls möglich.

„Alle in den letzten drei Jahren an Zikavirus Erkrankten aus Bayern waren zuvor in ein Risikogebiet wie zum Beispiel Mittelamerika, Südostasien oder die karibischen Inseln gereist“, so Huml.

„Bisher ist keine Übertragung innerhalb Bayerns bekannt – weder durch Mückenstiche noch durch sexuelle Kontakte. Urlauber sollten nach der Rückkehr aus Risikogebieten auf mögliche Symptome einer Zikavirus-Infektion achten“, mahnte die Ministerin.

„Dazu gehören Hautausschlag sowie Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen. Wer diese Symptome an sich bemerkt, sollte zum Arzt gehen.“

Schutzmaßnamen zur Vermeidung von Mückenstichen

Huml fügte hinzu: „Reisende in tropische Länder sollten sich über den aktuellen Stand der Zikavirus-Infektionen in der jeweiligen Region informieren und von einem Tropen- oder Reisemediziner beraten lassen. Bei unvermeidbaren Reisen in Risikoländer sollten konsequent Schutzmaßnamen zur Vermeidung von Mückenstichen getroffen werden.“

Die WHO empfiehlt Schwangeren, deren Partner aus einem Risikogebiet zurückkehrt, bis zum Ende der Schwangerschaft „Safer Sex“ zu praktizieren.

Paare, die eine Schwangerschaft planen, sollten damit nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet mindestens sechs Monate warten.

Unabhängig davon sollten alle Reisenden nach Rückkehr aus den Zikavirus-Ausbruchsgebieten ihre Sexualpartner für die Dauer von mindestens sechs Monaten durch Kondomgebrauch schützen. (ad)