Gehirn-Studie: Rätsel um die menschliche Intelligenz gelöst

Für die Intelligenz verantwortliche Gene wurden identifiziert

„Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe“, erkannte der französische Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler René Descartes. Aus genetischer Sicht scheint die Verteilung nicht ganz so gerecht zu sein. Aus einer aktuellen Studie geht hervor, dass die Gehirnleistung von Menschen genetisch festgelegt ist. Die Forschenden konnten eine Gruppe von Genen identifizieren, welche die kognitiven Fähigkeiten regelt.


Lässt sich durch Beeinflussung der Gene ein superintelliegenter Mensch hervorbringen? Die Grundlage hierfür schaffte kürzlich ein österreichisches Forschungsteam der Medizinischen Universität Innsbruck. Die Forschenden fanden heraus, warum manche Menschen intelligenter als andere sind. Der Grund liegt in den Genen. Erstmalig wurden die Gene identifiziert, die für die menschliche Intelligenz verantwortlich sind. Die Forschungsergebnisse wurden kürzlich in dem renommierten Fachjournal „Plos genetics“ veröffentlicht.

Österreichische Forschende entschlüsselten die Gene, die beim Menschen für die Intelligenz verantwortlich sind. (Bild: vegefox.com/fotolia.com)

Es gibt kein einzelnes Intelligenz-Gen

„Wir wissen, dass es nicht ein sogenanntes Intelligenzgen gibt, sondern dass viele Gene jeweils kleine Beiträge leisten“, berichtet der Direktor der Gemeinsamen Einrichtung für Neurowissenschaften Georg Dechant in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen. Diese Forschung leiste einen großen Beitrag zum Grundverständnis der Intelligenz, über deren genetische Grundlage zuvor nur wenig bekannt war.

Eine Gruppe von Proteinen regelt die Gehirnleistung

Wie die Studie zeigt, regelt eine Gruppe von Proteinen im Zellkern die kognitiven Fähigkeiten. Eine Schlüsselrolle spiele dabei ein Protein namens SATB2. Dieses Protein binde sich an die Erbsubstanz DNA und bestimme so die Auffaltung. Dies erkläre auch, warum Menschen mit einer Mutation in diesem Gen geistige Beeinträchtigungen und Lernbehinderungen entwickeln. „Mit modernen biochemischen Methoden haben wir nun eine Gruppe von Proteinen bestimmen können, die mit SATB2 in Nervenzellen des Großhirns zusammenarbeiten“, ergänzt Studienautorin Galina Apostolova.

Kommt nun eine neue Generation von Hyper-Intelligenten?

In den Forschungen stellte das Studienteam eindeutig fest, dass bestimmte Varianten der identifizierten Gene mit Unterschieden in der menschlichen Intelligenz gekoppelt sind. Diese grundlegende Forschungsarbeit trage dazu bei, die höheren Gehirnfunktionen besser zu verstehen. Ein übermäßig intelligenter Design-Mensch ist aber in nächster Zeit nicht zu erwarten, denn nach heutigem Stand der Wissenschaft sind diese Gene nur bedingt beeinflussbar. „Da so viele Gene involviert sind, erscheint es unmöglich, Intelligenz auf molekularer Ebene zu manipulieren“, betont Georg Dechant.

Neue Behandlungen für psychiatrische und neurologische Erkrankungen

„Unsere Erkenntnisse sind jedenfalls wichtig, für die Entwicklung von neuen Therapien für psychiatrische oder neurologische Erkrankungen“, so Dechant. Bei solchen Krankheiten komme es häufig zu einer Beeinträchtigung der kognitiven Leistungsfähigkeit. Die Studienergebnisse seien somit insbesondere für den Bereich der sogenannten molekularen Psychiatrie von Bedeutung. (vb)