Gemüse als Dopingmittel: Spinat steigert die Leistung beim Sport

Ein Teller voller Spinat

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Studie: Extrakt aus Spinat kann zu Leistungssteigerungen im Sport führen

Einer neuen Studie zufolge kann ein Extrakt aus Spinat zu Leistungssteigerungen im Sport führen. Der Hauptinhaltsstoff dieses Extrakts ist Ecdysteron. Dieser Stoff soll laut einer an der Untersuchung beteiligten Wissenschaftlerin auf die Dopingliste gesetzt werden.


Gesundes Gemüse

Spinat ist gesund. Das Gemüse steckt voller Vitamine und Mineralstoffe, die unter anderem für die Muskeln wichtig sind. Dies ist auch wissenschaftlich bewiesen. So stellten schwedische Forscher vom Karolinska-Institut in Stockholm schon vor Jahren in einer Untersuchung an Mäusen, fest, dass Spinat den Muskelaufbau fördert. Jahre zuvor berichteten Wissenschaftler über eine Studie mit Menschen, die gezeigt hat, dass Spinat die Muskeln stärkt. Und ein internationales Forscherteam hat nun herausgefunden, dass ein Extrakt aus dem Gemüse die Muskelmasse anwachsen lässt und zu Leistungssteigerungen im Sport führen kann.

Ein Teller voller Spinat
In einer neuen Studie hat sich gezeigt, dass ein Extrakt aus Spinat zu Leistungssteigerungen beim Sport führen kann. Der Hauptinhaltsstoff soll daher auf die Dopingliste. (Bild: SirChopin/fotolia.com)

Starke Effekte auf Muskelzellen

Laut einer internationalen Studie unter Beteiligung der Freien Universität (FU) Berlin kann ein Extrakt aus Spinat zu Leistungssteigerungen im Spitzensport führen.

Wie die Krafttrainingsuntersuchung ergab, hat die Substanz Ecdysteron – ein sogenanntes Phytosteroid – nach Einschätzung der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler starke Effekte auf Muskelzellen.

Phytosteroide sind Substanzen aus der chemischen Klasse von Sterolen, die natürlich in Pflanzen vorkommen. Chemisch leiten sich diese Substanzen von Cholesterol ab.

Die von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) in Auftrag gegebene Studie wurde im Fachjournal „Archives of Toxicology“ veröffentlicht.

Beteiligt daran waren neben der FU, die Deutsche Sporthochschule Köln, das Anti-Doping-Labor Rom und das Anti-Doping-Labor Sydney.

Signifikant höherer Anstieg der Muskelmasse

Wie die FU in einer Mitteilung erklärt, erhielten die Probandinnen und Probanden in der sogenannten doppelblinden Studie vom Forscherteam zehn Wochen lang kontrolliert Spinatextrakt oder eine Placebo-Substanz, ohne zu wissen, welcher Gruppe sie angehörten.

Nach Abschluss der Studie hatten die Studienteilnehmer, die Ecdysteron (verum) erhalten haben, einen signifikant stärkeren Zuwachs an Maximalkraft erreicht.

„Bei denjenigen Teilnehmern, denen Ecdysteron verabreicht wurde, wurde ein signifikant höherer Anstieg der Muskelmasse beobachtet“, formulieren dies die Studienautoren.

Inhaltsstoff soll auf die Dopingliste

Ecdysteron ist der Hauptinhaltsstoff in Spinatextrakt. Nach Erkenntnissen des Forschungsteams wird seine Wirkung über den Estrogen-Rezeptor beta vermittelt. Es gibt zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel, die diesen Spinatextrakt enthalten.

„Schon vor einigen Jahren wurde Ecdysteron als ‚the Russian Secret‘ für Leistungssteigerung im Sport bezeichnet“, erläutert Maria Parr, Professorin für Pharmazeutische Chemie mit Schwerpunkt Analytik – Metabolismus von der Freien Universität Berlin.

Es habe in vitro und in Tierversuchen stärkere Effekte auf Muskelzellen als anabol androgene Steroide, etwa die im Sport verbotene Substanz Metandienon.

„Die geringere Dosis in unserem Versuch, also zwei Kapseln pro Tag, entsprechen je nach Sorte etwa 250 Gramm bis vier Kilogramm Blattspinat pro Tag“, erläutert die Wissenschaftlerin.

„Diese Menge müsste man zehn Wochen lang jeden Tag essen, um dieselbe Menge aufzunehmen wie einige Probanden in unserer Studie. Um die Wirkung der höheren verabreichten Dosis zu erreichen, müssten sogar ein bis 16 Kilo Spinat verzehrt werden“, so Parr.

Die Forscherinnen und Forscher schlugen der WADA vor, die Aufnahme der Substanz in die Liste der verbotenen Substanzen zu prüfen.

Parr ging bereits einen Schritt weiter: In einem Interview mit der ARD habe sie der WADA empfohlen, Ecdysteron auf die Dopingliste zu setzen. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen:
  • Freie Universität Berlin: Studie: Spinat-Extrakt führt zu Leistungssteigerungen im Sport, (Abruf: 26.06.2019), Freie Universität Berlin
  • Fachmagazin "Archives of Toxicology": Ecdysteroids as non-conventional anabolic agent: performance enhancement by ecdysterone supplementation in humans, (Abruf: 26.06.2019), Fachmagazin "Archives of Toxicology"