Herzinfarkt & Schlaganfall: Kombiniertes Arzneimittel könnte viele Herzkrankheit verhindern

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Polypille verhindert Herzinfarkte und Schlaganfälle

Eine täglich zu eingenommene Pille, welche aus vier verschiedenen Medikamenten besteht, könnte in Zukunft die Anzahl der Herzinfarkte und Schlaganfälle weltweit um ein Drittel senken. Das behaupten zumindest die Autorinnen und Autoren einer aktuellen Studie, die die kombinierte Wirkung verschiedener Arzneimittel getestet haben.


Bei der aktuellen Untersuchung der Tehran University of Medical Sciences wurde festgestellt, dass eine Kombination aus verschiedenen Medikamenten in einer täglich eingenommenen Pille die Anzahl der Herzinfarkte und Schlaganfälle erheblich reduzieren kann. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem englischsprachigen Fachblatt „The Lancet“ publiziert.

Jedes Jahr sterben viele Menschen an den Folgen eines Herzinfarkts. (Bild: Romario Ien/fotolia.com)

Woraus ist die Pille zusammengesetzt?

Die sogenannte Polypille enthält blutverdünnendes Aspirin, ein Cholesterin senkendes Statin und zwei Medikamente zur Blutdrucksenkung, berichten die Forschenden. Die Pille hat einen großen Einfluss auf die Gesundheit, kostete aber nur einige Cents pro Tag. Koronare Herzkrankheiten und Schlaganfälle sind die beiden häufigsten Todesursachen weltweit, an denen jährlich mehr als 15 Millionen Menschen sterben. Dies zeigt, wie wichtig es ist, effektive Medikamente zur Prävention der Erkrankungen zu entwickeln. Rauchen, Übergewicht und wenig Bewegung erhöhen das Risiko für eine Herzerkrankung.

Fast 6.800 Menschen nahmen an der Studie teil

Für die Studie wurden knapp 6.800 Menschen untersucht. Die Hälfte der Teilnehmenden erhielt die Polypille und Ratschläge zur Verbesserung ihres Lebensstils, während die andere Hälfte nur Ratschläge erhielt. Nach fünf Jahren der Untersuchung konnten 202 kardiovaskuläre Hauptereignisse bei den 3421 Patienten festgestellt werden, welche die Polypille einnahmen. Dagegen gab es 301 Fälle bei den 3.417 Teilnehmenden, welche ausschließlich Ratschläge erhalten hatten.

Pille senkte ungesunde Cholesterin

Die Polypille führte zu einer starken Senkung des ungesunden Cholesterins, hatte jedoch nur einen geringen Einfluss auf den Blutdruck, erläutern die Forschenden. Das Medikament wurde an Personen im Alter über 50 Jahren verabreicht, unabhängig davon, ob sie zuvor ein Herzproblem hatten oder nicht. Angesichts der Erschwinglichkeit der Polypille besteht ein erhebliches Potenzial zur Verbesserung der kardiovaskulären Gesundheit und zur Verhinderung einer der weltweit häufigsten Todesursache, so das Fazit der Forschenden.

Weitere Forschung ist nötig

In Großbritannien und anderen wohlhabenden Ländern biete das Gesundheitssystem die Option, die Bedürfnisse einzelner Patienten zu beurteilen und eine große Auswahl an verschiedenen Medikamenten wie Statinen auszuwählen, in ärmeren Ländern sei dies häufig nicht der Fall, berichtet das Forschungsteam weiter. In vielen Ländern der westlichen Welt wären die Vorteile durch die Polypille demnach eher marginal, doch insbesondere die Bevölkerung in Staaten mit schlechtem Gesundheitssystem könnte profitieren. Weitere Untersuchungen sollten nun die Vorteile der Polypille – auch gegenüber den üblicherweise verwendeten Medikamenten – untersuchen. (as)

Autor:
Alexander Stindt
Quellen:
  • Gholamreza Roshandel, Masoud Khoshnia, Hossein Poustchi, Karla Hemming, Farin Kamangar et al.: Effectiveness of polypill for primary and secondary prevention of cardiovascular diseases (PolyIran): a pragmatic, cluster-randomised trial, in The Lancet (Abfrage: 23.08.2019), The Lancet

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.