Höhere Wahrscheinlichkeit für Übergewicht und Krebs bei Schnäppchenjägern

Käufer von Lebensmitteln aus Werbeaktionen neigen stärker zu Übergewicht

Laut einer aktuellen Studie haben Verbraucher, die verstärkt Lebensmittel und Getränke aus Werbeaktionen kaufen, eher Adipositas als diejenigen, die auf solche Schnäppchen verzichten. Durch das starke Übergewicht steigt das Risiko für Krebserkrankungen.


Erhöhtes Krebsrisiko

Verbraucher, die im Supermarkt ihren Einkaufswagen vor allem mit Speisen und Getränken füllen, die als Schnäppchen angeboten werden, sind öfter adipös, als diejenigen, die auf Sonderangebote eher verzichten. Diesen Zusammenhang zeigt eine Studie der britischen Stiftung Cancer Research UK. Durch das starke Übergewicht steigt laut den Studienautoren auch das Risiko für mindestens 13 verschiedene Krebsarten, darunter Brust- und Darmkrebs. Die Fachleute sprechen sich dafür aus, die verführerischen Sonderangebote gesetzlich zu reglementieren.

In einer Studie hat sich gezeigt, dass Menschen, die beim Kauf von Lebensmitteln stark auf Schnäppchen setzen, meist dicker sind, als diejenigen, die Sonderangebote eher meiden. Durch das Übergewicht steigt auch das Risiko für Krebserkrankungen. (Bild: Eisenhans/fotolia.com)

Schnäppchen-Käufer greifen weniger zu Obst und Gemüse

Laut einer Mitteilung ergab die Studie, die sich mit den Gewohnheiten von mehr als 16.000 britischen Haushalten befasste, dass Personen, deren Einkaufskörbe etwa 40-80 Prozent Sonderangebote enthielten, eine größere Wahrscheinlichkeit für Übergewicht hatten.

Die Auswertung zeigte auch, dass fast die Hälfte der gekauften Schokolade, Chips, Popcorn und herzhaften Snacks aus speziellen Werbeaktionen stammten.

Schnäppchenliebende Verbraucher kauften auch 30 Prozent weniger Obst und fast 25 Prozent weniger Gemüse. Dies entspricht fast sechs Kilogramm weniger Obst und Gemüse pro Monat als bei Käufern, die eher dazu neigen, die Sonderangebote zu meiden.

Lebensmittel mit hohem Fett-, Salz- oder Zuckergehalt

Laut den Autoren sind rund drei von zehn gekauften Lebensmitteln und Getränken in Großbritannien Sonderangebote.

Die Personen, die die meisten Schnäppchen kauften, kauften 25 Prozent mehr Nahrungsmittel und Getränke mit hohem Fett-, Salz- oder Zuckergehalt, was etwa elf zusätzlichen ungesunden Produkten pro Monat entspricht.

Für Fettleibigkeit (Adipositas) war die Wahrscheinlichkeit bei Personen aus Haushalten, die das meiste Essen und Trinken aus Sonderaktionen gekauft hatten, im Vergleich zu denen, die am wenigsten gekauft hatten, um fast 30 Prozent höher.

Adipositas ist eine nationale Epidemie und nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für vermeidbare Krebserkrankungen in Großbritannien, berichten die Experten.

Zusammenhang schon länger bekannt

Der Ernährungspsychologe Joachim Westenhöfer von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg zeigte sich über die Studienergebnisse nicht besonders überrascht.

Laut einer Mitteilung der Nachrichtenagentur dpa weist der Experte in einer unabhängigen Einordnung des Reports darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen einer hohen Energiedichte von Lebensmitteln bei relativ niedrigem Preis bereits länger bekannt sei.

„Lebensmittel sind heute so billig wie nie zuvor“, sagte Westenhöfer laut der Agentur. „Die Folge ist ein ungesunder Überkonsum.“

Zwar gebe es hierzulande keine vergleichbaren Untersuchungen, doch dem Wissenschaftler zufolge wären ähnliche Ergebnisse wahrscheinlich: „Gerade bei Lebensmitteln gilt hierzulande eine „Geiz ist geil“-Mentalität.“

Verführerische, aber ungesunde Lebensmittel

„Sonderangebote bieten den Menschen beim wöchentlichen Einkauf eine Fülle an verführerischen, aber ungesunden Speisen und Getränken“, sagte Professorin Linda Bauld, Präventionsexpertin von Cancer Research UK.

„Bei Sonderangeboten für Schokolade, Kekse, Kuchen und Limonaden ist es keine Überraschung, dass Menschen, die mehr Angebote kaufen, eine größere Wahrscheinlichkeit haben, fettleibig zu sein“, erläuterte die Wissenschaftlerin.

„Da junge Kinder häufig unter den Auswirkungen dieser Käufe leiden, ist die Einführung von Einschränkungen für ihre zukünftige Gesundheit wichtig“, so Bauld.

„Wir wissen, dass mehr als jeder Fünfte, der in die Grundschule kommt, übergewichtig oder fettleibig ist und sich die Zahl bis zum Verlassen der Schule auf etwa einen von drei verschlechtert.“

Ähnlich sieht es auch in Deutschland aus. So zeigte sich in der KiGGS-Studie, dass hierzulande jedes siebte Kind zu dick ist: Über 15,4 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren sind demnach übergewichtig, rund 5,9 Prozent sogar adipös.

Gesetzliche Reglementierungen

Alison Cox, Direktorin für Krebsprävention bei Cancer Research UK, erklärte, zur Bekämpfung der Fettleibigkeit bei Kindern seien Einschränkungen bei der Preisförderung für ungesunde Lebensmittel und Getränke nötig.

Zudem sollten solche Produkte nicht mehr an den strategisch platzierten Plätzen vor den Kassen zu sehen sein. „Dies hilft Familien, gesündere Entscheidungen zu treffen“, so die Expertin.

„Es gibt nicht die eine Lösung für das Problem, aber das Entfernen dieser Anreize, ungesunde Lebensmittel zu kaufen, ist der Schlüssel zum Ändern.“

Auch in Deutschland wird über gesetzliche Reglementierungen nachgedacht. So fordern manche Experten schon seit Jahren höhere Steuern auf ungesunde Lebensmittel.

Andere sprechen sich für die Abschaffung der Mehrwertsteuer für Obst und Gemüse aus.

Wie sinnvoll die finanzielle Unterstützung für gesunde Lebensmittel sein könnte, konnte auch eine US-amerikanische Studie zeigen.

Laut den Wissenschaftlern könnte eine solche Maßnahme genauso oder wirksamer sein als andere gebräuchliche Interventionen, wie vorbeugende medikamentöse Behandlungen bei Bluthochdruck oder hohem Cholesterinspiegel. So könnten auch unzählige Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindert werden. (ad)