Impfstoff gegen Chlamydien könnte bald verfügbar sein

Erschöpfte Frau mit Kopfschmerz

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Schutz vor Chlamydien durch effektiven Impfstoff

Ein Impfstoff gegen eine der häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen könnte innerhalb der nächsten zehn Jahre verfügbar sein, nachdem jetzt eine klinische Studie vielversprechende Ergebnisse gezeigt hat.


Bei der aktuellen Untersuchung des Imperial College London wurde festgestellt, dass ein neuer Impfstoff gegen Chlamydien in Zukunft effektiv vor der Krankheit schützen könnte. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem englischsprachigen Fachblatt „The Lancet Infectious Diseases“ veröffentlicht.

Erschöpfte Frau mit Kopfschmerz
Chlamydien können zu Entzündungen, Unfruchtbarkeit und chronischen Schmerzen führen. Ein neuer Impfstoff könnte hier effektiven Schutz bieten. (Bild: fizkes/fotolia.com)

Jährlich gibt es 131 Millionen Fälle von Chlamydien weltweit

Chlamydien sind ein großes globales Gesundheitsproblem. Jährlich gibt es weltweit 131 Millionen Fälle der Erkrankung. Da jedoch drei von vier Menschen, die von der Krankheit betroffen sind, keine Symptome aufweisen, wird die wahre Anzahl der Erkrankungen wahrscheinlich massiv unterschätzt. Die Infektion tritt besonders häufig bei jungen Frauen und Jugendlichen auf und kann zu entzündlichen Erkrankungen des Beckens führen, die wiederum Unfruchtbarkeit und chronische Schmerzen im Beckenbereich verursachen.

Zwei Formulierungen des Impfstoffs wurden getestet

Für die Studie wurden zwei verschiedene Formulierungen des Impfstoffs an 35 gesunden Probanden getestet. 15 Frauen erhielten eine Version des Impfstoffs mit zusätzlichen Liposomen. 15 weitere Frauen erhielten einen Impfstoff mit Aluminiumhydroxid. Fünf der Frauen erhielten eine Schein- oder Placebobehandlung. Beide Formulierungen des Impfstoffs lösten eine Immunantwort aus, aber der Impfstoff mit zugesetzten Liposomen zeigte eine bessere Leistung und produzierte mehr Antikörper. Das Vorhandensein einer Immunantwort bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Impfstoff die Krankheit zuverlässig verhindert. Weitere Studien sind jetzt erforderlich, berichten die Forschenden.

Impfstoff bereits in fünf Jahren verfügbar?

Untersuchungen von Antikörpern bei Mäusen haben ergeben, dass die Antikörper in der Vagina die erste Verteidigungslinie gegen Chlamydien-Infektionen sind, was darauf hindeutet, dass sie den Schlüssel dazu darstellen, wie effektiv der neue Impfstoff wirkt. Wenn der Impfstoff in der nächsten Testphase positive Ergebnisse erzielt, könnte er in nur fünf Jahren verfügbar sein, erläutert das Studienteam. Wenn ein Impfstoff funktioniert, sollte er eine Infektion vollständig verhindern und eine Immunität für einen längeren Zeitraum gewährleisten. Idealerweise sollte der Impfstoff gleichzeitig mit dem Impfstoff gegen das humane Papillomavirus an Mädchen im Teenageralter verabreicht werden, raten die Forschenden. Der Impfstoff sollte am Ende jedoch auch Jungen gegeben werden. Eine Abgabe an beide Geschlechter könnte die Menge der zirkulierenden Chlamydien stark reduzieren. (as)

Autor:
Alexander Stindt
Quellen:
  • Taylor B Poston, Toni Darville: First genital chlamydia vaccine enters in-human clinical trial, in The Lancet Infectious Diseases (Abfrage: 15.08.2019), The Lancet Infectious Diseases