Instagram Igel Mr. Pokee starb an Infektion – Tierschutzbund sieht exotische Heimtiere kritisch

Igel Mr. Pokee wurde auf Instagram vermutlich der berühmteste Igel der Welt, mit 1,3 Millionen Followern. 2016 hatte seine Besitzerin Talitha Girnus das erste Mal Fotos des Weißbauchigels aus Afrika auf Instagram gestellt – jetzt starb er an einer bakteriellen Infektion.


Infektion nach Zahn-OP

Das Tier hatte eine Zahnoperation hinter sich und sich während oder nach der OP an der Wunde infiziert. Antibiotika schlugen nicht an, dem Igel ging es immer schlechter, so Talitha Girnus. Ein Tierarzt stellte eine Blutinfektion fest.

Weißbauchigel wie Mr. Pokee und auch unser heimischer Igel sind in der freien Natur Träger diverser Krankheitserreger. Unter tierärztlicher Betreuung in menschlicher Obhut ist die Infektionsgefahr von Menschen zwar gering, doch sollten sich Halter exotischer Heimtiere generell informieren, an welchen Krankheiten ihre Schützlinge leiden und welche sie übertragen können. (Bild: thanisnan/fotolia.com)

Trauer auf Instagram

Girnus schreibt auf Instagram: „Wir alle haben unsere Kraft und Liebe vereint, um Pokee beim Kampf bis zum Ende zu unterstützen. Wir gaben ihm die Kraft, das Beste für ihn zu tun und diese Entscheidung zu treffen. (…) Er ist eingeschlafen und sah heute Morgen so friedlich und dankbar aus.“

Kleiner süßer Engel

Talitha schreibt: „Mein lieber Pokee, ich liebe dich von ganzem Herzen – immer und bedingungslos. Du bist für immer in meinem Herzen, ich werde dich als den kleinen, süßen Engel, der du bist, in Erinnerung behalten. (…) Ein Teil von mir ist mit dir gestorben, der andere Teil wird dich für immer in meinem Herzen behalten.“

Krankheiten von exotischen Heimtieren

Der Deutsche Tierschutzbund sieht die Geschichte weniger pathetisch, sondern steht der Haltung exotischer Wildtiere wie der des afrikanischen Weißbauchigels Mr. Pokee kritisch gegenüber. Es könne, so der Tierschutzbund, schnell Probleme geben, da solche Tiere nicht wie Hunde über viele Generationen an Menschen gewöhnt seien.

Igel sind häufig krank

Ein Tierarzt bezeichnet (heimische) Igel als „Parasitenmutterschiff“. Das Borstenkleid bietet Lebensraum für diverse Plagegeister. Wild lebende Igel stecken oft voll mit Läusen, Flöhen, Milben, Zecken und anderen Parasiten. Bei einem Weißbauchigel in menschlicher Obhut ist diese Gefahr geringer, da er sich nicht in der freien Natur aufhält, wo sich die Mitesser tummeln.

Salmonellen und Tuberkulose

Wir kennen 16 Krankheiten, die europäische Igel auf Menschen übertragen können. Darunter befinden sich sogar alte Seuchen wie die Tuberkulose, aber auch Salmonellose und Leptospirose.

Zoophile Dermatomykose

Besonders häufig erkranken Igel an der zoophilen Dermatomykose, einer Pilzerkrankung – und diese können sie sowohl auf Menschen als auch auf Haustiere übertragen. Die Haut juckt dann, rötet sich, es bilden sich Schuppen und Pusteln. Typisch sind randbetonte Plaques mit hoher Entzündlichkeit. Igel können diese Krankheit auch indirekt übertragen, wenn sie Stacheln und Hautschuppen verlieren. Die Krankheit lässt sich mit antimykotischen Mitteln zwar gut behandeln, doch sollten sie wilde Igel vor einer Untersuchung nur mit Schutzhandschuhen anfassen.

Übertragung auf den Menschen

Exotische Heimtiere können Krankheiten auf Menschen übertragen, und die tiermedizinischen Laien, die diese Tiere halten, kennen das Risiko in der Regel kaum. So zeigten Untersuchungen, dass circa 30 Prozent aller in Privathaushalten lebenden Schildkröten von Listerien befallen waren, und auch 21 Prozent der Echsen. Diese Bakterien können auf den Menschen übergehen. 2003 erkrankten Menschen in den USA an Affenpocken, Überträger waren afrikanische Hamsterratten, die den Erreger mit sich schleppten. (Dr. Utz Anhalt)