Insulinkapsel statt Spritze bei Diabetes?

Frau spritzt sich Insulin.

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Insulinkapseln könnten Injektionen bei Typ-1-Diabetes ersetzen

Eine Insulinpille könnte Millionen Menschen mit Typ-1-Diabetes in Zukunft die täglich nötigen Injektionen ersparen.


Bei der aktuellen Untersuchung des Massachusetts Institute of Technology wurde eine Kapsel entwickelt, welche in der Lage ist, den Magen zu passieren, um mit der Hilfe von Mikronadeln das benötigte Medikament erst im Dünndarm in den Blutkreislauf abzugeben. Die Ergebnisse der Studie wurden in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Nature Medicine“ publiziert.

Diabetiker spritzt sich Insulin in den Bauch
Menschen mit Typ-1-Diabetes müssen sich Insulin spritzen. Dies könnte sich bereits in naher Zukunft ändern, da eine Kapsel entwickelt wurde, welche oral eingenommen wird, um Insulin an den Körper abzugeben. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Kapsel löst sich im Dünndarm auf und setzt dort Mikronadeln frei

Die neu entwickelte Kapsel ist in der Lage den Dünndarm zu erreichen, wo sie sich auflöst und sogenannte Mikronadeln freisetzt. Diese haften sich an die Darmwand und geben dort ein Medikament ab, welches in den Blutkreislauf gelangt. Frühere Versuche, Patienten Insulin in Pillenform zu verabreichen, sind gescheitert, weil die Pillen nicht der Magensäure standhalten konnten und so das Hormon zu früh freigesetzt wurde.

Tests an Schweinen waren bereits erfolgreich

In Tests an Schweinen konnte die 30 Millimeter große Kapsel, die mit der gleichen Menge an Insulin wie eine Injektion ausgestattet ist, genauso schnell Insulin an die Blutbahn abgeben wie eine Injektion. Die Kapsel ist in der Lage, die Insulin-Mikronadeln zur Dünndarmwand zu transportieren. Trotzdem löst sie sich innerhalb von nur wenigen Stunden auf, um eine Verstopfung des Magen-Darm-Traktes zu verhindern. Die Kapsel ist mit einem Polymer beschichtet, welches die stark saure Umgebung des Magens überstehen kann, bevor sie den Dünndarm erreicht.

Wie ist die neue Kapsel aufgebaut?

Die Schutzschicht um die Kapsel soll sich bei einem pH-Wert von mehr als 5,5 auflösen, um sich dann in ein Dreieck mit drei Armen zu entfalten. Jeder Arm ist mit mehreren ein Millimeter langen Nadeln beschichtet, welche das Medikament nach dem Einrasten an der Darmwand direkt in den Blutkreislauf pumpen und so den Prozess der Blutzuckersenkung einleiten.

Orale Verabreichung von Medikamenten wird vorgezogen

Ein Großteil dieser Forschungsarbeit ist von der Erkenntnis motiviert, dass sowohl Patienten als auch Leistungserbringer den oralen Weg der Verabreichung dem injizierbaren Weg vorziehen, berichten die Forschenden. Die neue Kapsel könnte ein wichtiger Schritt zur oralen Verabreichung von Proteinwirkstoffen sein, was seit Jahrzehnten als eine große Herausforderung gilt.

Unterschied zwischen Typ-1 und Typ-2-Diabetes?

Menschen mit Typ-1-Diabetes können nicht genügend Insulin produzieren. Insulin ist aber nötig, um den Blutzuckerspiegel zu steuern. Dadurch steigt der Glukosespiegel zu hoch an, was dazu führt, dass die betroffenen Personen täglich Insulin injizieren müssen, um den Blutzuckerspiegel unter Kontrolle zu halten. (as)

Autor:
Alexander Stindt
Quellen:
  • Mark R. Prausnitz, Yasmine Gomaa, Wei Li: Microneedle patch drug delivery in the gut, in Nature Medicine (Abfrage: 11.20.2019), Nature Medicine

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.