Kalzium-Präparate erhöhen das Darmkrebs-Risiko

Präparate mit Kalzium können die Gefahr für Darmpolypen erhöhen

Darmkrebs entsteht meist durch Darmpolypen, also gutartigen Wucherungen. In einer Studie hat sich nun gezeigt, dass Nahrungsergänzungsmittel mit Kalzium das Risiko für solche Polypen offenbar erhöhen können.


Früherkennung kann Leben retten

Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Jedes Jahr sterben hierzulande rund 26.000 Menschen daran. Die Heilungschancen hängen stark davon ab, wie früh der Krebs und seine Vorstufen entdeckt werden. Darmpolypen gelten als Krebsvorstufe. Forscher aus den USA haben nun herausgefunden, dass Nahrungsergänzungsmittel mit Kalzium das Risiko für solche Polypen erhöhen können.

Eine Studie US-amerikanischer Forscher lieferte Hinweise darauf, dass Kalzium-Präparate die Gefahr für Darmpolypen erhöhen. Aus diesen Wucherungen kann sich Darmkrebs entwickeln.
(Bild: Alex/fotolia.com)

Darmkrebs kann durch Darmpolypen entstehen

Eine Darmspiegelung (Koloskopie) bietet die Möglichkeit, Darmkrebs und seine Vorstufen frühzeitig zu erkennen.

„Darmkrebs entsteht meist durch Darmpolypen, also gutartigen Wucherungen. Die Vorsorge-Darmspiegelung ermöglicht, solche Polypen zu erkennen und zu entfernen, damit sie sich nicht zu einem bösartigen Tumor entwickeln“, erklärte die Internistin und Gastroenterologin Dr. med. Anette Othmer in einem Gespräch mit „Heilpraxisnet“.

Gesundheitsexperten zufolge können Darmpolypen bei bestimmten Krankheiten, aber auch ohne erkennbare Ursache entstehen.

In einer aktuellen Studie von Forschern der University of North Carolina (USA) hat sich nun jedoch gezeigt, dass auch „Kalziumpräparate, die mit oder ohne Vitamin D eingenommen werden, das Risiko für kleine Polypen im Darm erhöhen können“, heißt es in einer Mitteilung der „University of North Carolina School of Medicine“.

Die Studienergebnisse wurden vor kurzem im Fachmagazin „Gut“ veröffentlicht.

Gezackte Darmpolypen sind gefährlicher

Polypen kommen in verschiedenen Formen und Größen vor, wobei gezackte Polypen eher zu Krebs werden als herkömmliche Polypen. In früheren Studien gab es Hinweise darauf, dass Kalzium und Vitamin D gegen gezackte Polypen schützen können, aber die Ergebnisse waren uneinheitlich.

Mediziner um Seth D. Crockett von der University of North Carolina in Chapel Hill wollten nun herausfinden, ob die tägliche Einnahme von Kalzium und Vitamin D das Risiko von gezackten Polypen verringert.

Sie analysierten Ergebnisse einer großen US-Studie mit über 2.000 Patienten im Alter zwischen 45 und 75 Jahren, bei denen mindestens ein gezackter Polyp entdeckt und entfernt worden war – und die innerhalb von drei bis fünf Jahren einen Nachfolgetest (Koloskopie) hatten.

Personen, in deren Familien es bereits zu Darmkrebs, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder anderen schwerwiegenden Gesundheitszuständen gekommen war, wurden von der Studie ausgeschlossen.

Die verbleibenden Probanden wurden nach dem Zufallsprinzip in Gruppen aufgeteilt, die bis zu ihrer Koloskopie in drei bis fünf Jahren entweder täglich Kalzium-Nahrungsergänzung, Vitamin D-Ergänzungsmittel, beides oder nichts einnahmen.

Wirkung zeigte sich erst nach Jahren

Während der Behandlungsphase stellten die Wissenschaftler keine Wirkung von Kalzium oder Vitamin D auf gezackte Polypen fest.

In der späteren Beobachtungsphase (sechs bis zehn Jahre nach Beginn der Behandlung) stellten die Forscher jedoch ein erhöhtes Risiko für gezackte Polypen bei Patienten fest, die nur Kalzium und bei denjenigen, die eine Kombination aus Kalzium und Vitamin D einnahmen.

Den Angaben zufolge hatten Frauen und Raucher ein höheres Risiko, wenn sie Kalziumpräparate nahmen. Es wurde jedoch kein Zusammenhang zwischen Vitamin D allein und dem Risiko von gezackten Polypen gefunden.

Die Ergebnisse weisen auf eine Assoziation nur mit Kalzium-Supplementen hin, nicht auf Kalzium aus der Nahrung.

Bestimmte Personen sollten besser auf Nahrungsergänzung verzichten

„Die Ergebnisse dieser Studie waren etwas unerwartet“, sagte Crockett. Aber: „Es ist wichtig, diese Ergebnisse in die richtige Perspektive zu stellen und keinen Alarm zu schlagen“, so der Studienautor.

„Kalzium- und Vitamin-D-Supplementierung wird von vielen Menschen eingenommen und hat einige positive Auswirkungen auf die Knochengesundheit“, erläuterte der Wissenschaftler.

„Viele Menschen nehmen über Multivitamintabletten niedrige Dosen an Kalzium ein, (niedrigere Dosen als in unserer Studie verwendet wurden) die wahrscheinlich nicht schädlich sind“, so Crockett.

Der nun entdeckte mögliche Zusammenhang zwischen der Einnahme von Kalziumpräparaten und der Entstehung von Darmpolypen negiert nicht notwendigerweise die anderen Vorteile dieser Nahrungsergänzung.

Die Studienautoren empfehlen weitere Studien, um ihre Ergebnisse zu bestätigen. In der Zwischenzeit raten sie Patienten, bei denen schon mal gezackte Polypen aufgetreten sind, insbesondere Frauen und Rauchern, die Kalzium-Nahrungsergänzung eher zu vermeiden. (ad)