Krebs: Studie identifiziert 600 neue Angriffspunkte für Medikamente

Verbesserte Behandlung von Krebs in naher Zukunft?

Bei der Behandlung von Krebs wurden in den letzten Jahrzehnten viele Fortschritte gemacht. Forschende haben jetzt Krebszellen in kleinste Stücke zerlegt, um die Schwächen der Krankheit besser aufzudecken. Dadurch sind einige neue Ideen und Strategien zur Behandlung von Krebs entstanden.


Bei einer aktuellen Untersuchung des Wellcome-Sanger-Instituts konnten neue Ansatzpunkte zur Behandlung von Krebs identifiziert werden. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem englischsprachigen Fachblatt „Nature“ veröffentlicht.

Forschende entdecken bei ihrer aktuellen Studie 600 potenzielle neue Angriffspunkte für Medikamente zur Behandlung von Krebs. (Bild: psdesign1/fotolia.com)

Derzeitige Behandlungen sind nicht auf Krebszellen ausgerichtet

Die Studie umfasste 30 verschiedene Arten von Krebs. Bei der Untersuchung wurden ungefähr 600 neue Schwachstellen der Krebszellen offengelegt, von denen jede das Ziel eines Medikaments sein könnte. Ein verbesserte Behandlung von Krebs ist dringend notwendig, weil derzeitige Behandlungsmethoden wie eine Chemotherapie dem Körper stark schaden und nur begrenzt Erfolg versprechen. Bei dieser Therapie ist zudem der gesamte Körper betroffen und die Behandlungen sind nicht direkt auf die Krebszellen ausgerichtet, sagen die Forschenden.

Krebs behandeln ohne gesundes Gewebe zu schädigen

Die Informationen, die in dieser Studie aufgedeckt wurden, haben wichtige Schwachstellen der Krebszellen identifiziert und werden es ermöglichen, Arzneimittel zu entwickeln, die auf den Krebs abzielen und das gesunde Gewebe unbeschädigt lassen. Krebs wird durch Mutationen in unseren körpereigenen Zellen verursacht, welche die in unserer DNA festgeschriebenen Anweisungen verändern. Mutationen lassen die Zellen unkontrolliert wachsen, so dass diese sich im Körper ausbreiten, was schließlich zum Tode der Betroffenen führt.

Forschende verwendeten umstrittene CRISPR-Technologie

Bei der Studie wurde jede genetische Anweisung (Gene) innerhalb von Krebserkrankungen deaktiviert. So sollte festgestellt werden, welche Anweisungen für das Überleben eine entscheidende Bedeutung haben. Bei über 300 im Labor gezüchteten Tumoren aus 30 verschiedenen Krebsarten zerlegten die Forschenden fast 20.000 Gene. Dafür verwendeten sie eine Technologie mit der Bezeichnung CRISPR. Mit dieser Gentechnologie wurden im vergangenen Jahr zwei Babys in China genetisch konstruiert, was große internationale Diskussionen hervorrief. Es handelt sich dabei um ein relativ neues, einfaches und billiges Instrument zur Manipulation von DNA. Vor einem Jahrzehnt wäre ein solche Studie daher noch völlig undenkbar gewesen.

600 neue Angriffspunkte für Medikamente

Die neuen Ergebnisse enthüllen 600 wichtige Gene, die mindestens eine Krebsart zum Überleben benötigt. Einige davon waren allerdings für die Entwicklung von Krebsmedikamenten ungeeignet, da sie auch für gesunde Zellen unerlässlich sind. Andere sind bereits das Ziel von Präzisionsmedikamenten wie Herceptin bei Brustkrebs. Aber viele Gene wurden noch nicht bei der Herstellung von geeigneten Medikamenten berücksichtigt. Daher haben die Forscher eine engere Auswahl von 600 potenziellen neuen Angriffspunkten für Medikamente festgelegt.

Was ist WRN?

Ein potenzielles Ziel ist die Werner-Syndrom-RecQ-Helikase, auch einfacher als WRN bekannt. Es ist unerlässlich, um einige der genetisch instabilsten Krebsarten am Leben zu erhalten. WRN spielt eine wichtige Rolle bei etwa 15 Prozent der Dickdarmkrebsarten und 28 Prozent der Krebserkrankungen des Magens, es gibt jedoch keine Medikamente, die darauf abzielen.

Forschende planen Cancer Dependency Map zu entwickeln

Das letztendliche Ziel der Forschung besteht darin, eine sogenannte Cancer Dependency Map für jede Schwachstelle bei jeder Art von Krebs zu entwickeln. Dann könnten Ärzte den Tumor eines Patienten testen und ihm einen Cocktail aus Präzisionsarzneimitteln geben, um die Krebszellen abzutöten. So könnten Krebszellen gezielt bekämpft werden, ohne dem ganzen Körper zu schaden, wie es bei einer Chemotherapie der Fall ist. Diese Forschungsarbeit bietet einige hervorragende Ansatzpunkte, und der nächste Schritt wird eine gründliche Analyse der Gene sein, die in dieser Studie als Schwachstellen identifiziert wurden, um so festzustellen, ob sie eines Tages zur Entwicklung neuer Behandlungsmethoden für Patienten führen können. (as)