Kreidezähne bei Kindern: Schädliche Chemikalie in Plastik könnte die Ursache sein

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Bisphenol A in Plastik könnte die Ursache für überempfindliche Kreidezähne sein

Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden unter überempfindlichen Kreidezähnen. Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass die wesentliche Ursache für die neue Volkskrankheit der weit verbreitete Einsatz von Bisphenol A (BPA) in Plastik ist. Verbraucherschützer fordern nun ein Verbot der schädlichen Chemikalie in Verpackungen und Geschirr.


Wenn das Zähneputzen schmerzt

Gesundheitsexperten weisen immer wieder darauf hin, wie wichtig regelmäßiges Zähneputzen ist. Denn durch richtige Mundhygiene kann man nicht nur Zahnfleischentzündungen, Zahnschmerzen und unangenehmem Mundgeruch, sondern natürlich auch Karies effizient vorbeugen. Für Menschen, die an sogenannten „Kreidezähnen“ leiden, ist das Zähneputzen allerdings meist schmerzhaft, da ihre Zähne überempfindlich sind. Wissenschaftler sind sich nicht einig, warum sich die Zahnkrankheit immer schneller ausbreitet.

Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden an Kreidezähnen. Es wird vermutet, dass der weit verbreitete Einsatz von Bisphenol A (BPA) in Plastik eine wesentliche Ursache für die neue Volkskrankheit ist. (Bild: SergeyCash/fotolia.com)

Überempfindliche Zähne

Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden unter Kreidezähnen, unter den 12jährigen sind es mehr als 30 Prozent, berichtet die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein in einer Mitteilung.

Diese Entwicklungsstörung geht mit enormen Gefahren für die Zahngesundheit einher.

Sie macht den Zahnschmelz porös, so dass die Zähne überempfindlich und anfällig für Karies werden.

Betroffene haben Schmerzen beim Essen und verlieren im schlimmsten Fall ihre Zähne.

Manche Wissenschaftler vermuten die wesentliche Ursache für die neue Volkskrankheit im weit verbreiteten Einsatz von Bisphenol A (BPA) in Plastik, andere bezweifeln dies.

Gesunde Entwicklung des Zahnschmelzes wird gestört

Die Entwicklung des Zahnschmelzes beginnt bereits bei ungeborenen Kindern und dauert etwa bis zum fünften Lebensjahr.

Wissenschaftler aus den USA berichteten in einer Studie, dass sie Hinweise darauf gefunden haben, dass BPA im Kleinkindalter die gesunde Entwicklung des Zahnschmelzes stört und an der Entstehung von Kreidezähnen beteiligt ist.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat diese Studie bewertet und bezweifelt den Zusammenhang.

In der Überschrift der Mitteilung dazu schreibt das BfR:

„Zusammenhang zwischen „Kreidezähnen“ bei Kindern (Molar-IncisorHypomineralisation, MIH) und der Aufnahme von Bisphenol A ist nach derzeitigem Stand des Wissens unwahrscheinlich“.

Verbraucherschützer fordern BPA-Verbot

Der endgültige wissenschaftliche Beweis für einen Zusammenhang von BPA und Kreidezähnen steht also noch aus.

Dennoch hält die Verbraucherzentrale aus Gründen der Vorsorge ein Verbot von BPA für nötig. Die Chemikalie beeinflusst den Hormonhaushalt und steht im Verdacht, der Gesundheit zu schaden.

„Dieser Stoff kann in Verpackungen, Geschirr oder von innen beschichteten Konservendosen enthalten sein“, erklärt Gudrun Köster, Expertin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale.

„So kann BPA in Lebensmittel und damit in den Körper übergehen.“

Schädliche Chemikalie meiden

Bisher ist BPA in Europa nur in Babyflaschen verboten, ab 2020 soll es auch für die Beschichtung von Thermopapieren verboten werden.

Als Innenbeschichtung in Konserven- oder Getränkedosen wird die Chemikalie weiterhin oft verwendet, auch in Mikrowellengeschirr aus Kunststoff kann sie vorkommen.

Wie die Verbraucherzentrale erklärt, können der Recyclingcode 7 und das Kürzel PC (Polycarbonat) auf BPA hindeuten, eine Kennzeichnungspflicht gibt es nicht.

Wer BPA vermeiden will, greift besser zu Konserven im Glas und nutzt Geschirr aus Porzellan oder anderer Keramik.

Den Experten zufolge sind Alternativen zu BPA ebenfalls nicht harmlos, aber weniger gut untersucht.

Die Verbraucherzentrale fordert deshalb, dass Chemikalien nur dann in Lebensmittelverpackungen und Geschirr verwendet werden dürfen, wenn toxikologische Studien diese als unbedenklich einstufen. (ad)