Gefahren für die Zahngesundheit: Kreidezähne ein stärkeres Problem als bislang gedacht

Molare-Inzisive-Hypomineralisation überholt Karies

Bereits 30 Prozent der 12 Jährigen sind von der sogenannten Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) betroffen. Bei Kindern und Jugendlichen hat in Sachen Häufigkeit diese Zahn-Erkrankung bereits Karies überholt und ist somit als Volkskrankheit anzusehen. Trotz massiver Verbreitung herrschen viele Unklarheiten über dieses Krankheitsbild, von dem angenommen wird, dass mit der Nahrung aufgenommene Weichmacher aus Kunststoffen die Ursache sein könnten. Mit der richtigen Prophylaxe können auch MIH betroffene Zähne ein Leben lang erhalten bleiben.


In einer Pressekonferenz der Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) stellte Prof. Dr. Norbert Krämer kürzlich die neusten Verbreitungszahlen und Behandlungsmöglichkeiten in Bezug auf MIH vor. Krämer warnt, dass MIH eine rasante Entwicklung durchlaufen hat. Seit dem erstmaligen Auftreten 1987 habe sich die Zahnerkrankung bis heute zu einer regelrechten Volkskrankheit entwickelt. Im Durchschnitt leiden zehn bis 15 Prozent der Kinder an der Zahnkrankheit. Laut der Deutschen Mundgesundheitsstudie DMS V sind bei den Zwölfjährigen sogar ganze 30 Prozent betroffen.

Weiß-gelbliche oder gelb-braune Flecken oder Bereiche auf den Zähnen können auf MIH hinweisen. Oft klagen betroffene über Schmerzen beim Trinken, Essen oder Zähneputzen. (Bild: Subbotina Anna/fotolia.com)

Kreidezähne – Was ist MIH?

Verfärbte und bröckelnde Kinderzähne müssen kein Karies sein. MIH ist eine Systemerkrankung, die die Struktur des Zahnschmelzes betrifft. Eine Störung der Mineralisation bedingt die Strukturanomalie. Dabei sind häufig die bleibenden Backenzähne, die sogenannten Molaren, betroffen. Die erkranten Zähne werden dann im Volksmund als „Kreidezähne“ bezeichnet, was auf die erhöhte Schmerzempfindlichkeit und verringerte Festigkeit zurückzuführen ist. Außerdem reagieren solche Zähne sehr sensibel auf Hitze, Kälte und äußere Einwirkungen wie Zähneputzen.

Weichmacher stehen als Ursache unter Verdacht

Weichmacher aus Kunststoffen wie Bisphenol A stehen im Verdacht, diese Erkrankung auszulösen. Sie sind in zahlreichen Nahrungsmitteln vorhanden. In Tierversuchen ließ sich der Zusammenhang bereits nachweisen. Weitere potenzielle Ursachen für MIH sind laut Krämer Schwangerschaften, Infektionskrankheiten, die Einnahme von Antibiotika, Windpocken, Einflüsse durch Dioxine sowie Erkrankungen der oberen Atemwege. Die genauen Ursachen gelten jedoch zur Zeit noch als nicht ausreichend wissenschaftlich verstanden.

Die richtige Prophylaxe kann schützen

MIH betroffene Zähne können leichter durch Karies befallen werden. Mit der richtigen Prophylaxe kann der Erhalt solcher Zähne dennoch gesichert werden. Auf der Pressekonferenz berichtete Prof. Dr. Stefan Zimmer, Präsident der Deutsche Gesellschaft für Präventivzahnmedizin, dass MIH-Zähne eine rauere Oberfläche sowie eine schlechtere Qualität der Substanz aufweisen. Daraus resultiere eine besondere Anfälligkeit für Karies. Deshalb müsse über das Zähneputzen hinaus eine besonders intensive Prophylaxe betrieben werden, um die Zähne vor Karies zu schützen, damit ein strahlendes Lächeln durch die richtige Zahnpflege erhalten bleiben kann.

Fluoridierungsmaßnahmen

Professor Zimmer empfiehlt insbesondere Fluoridierungsmaßnahmen, die sowohl beim Zahnarzt als auch zu Hause durchgeführt werden sollten, als geeignete Prophylaxe. Regelmäßige Untersuchungen beim Zahnarzt, die Behandlung mit Fluoridlack und der Aufbau der Zähne mit verschiedenen Techniken können laut Zimmer dazu beitragen, auch von MIH befallene Zähne bei guter Pflege ein Leben lang zu erhalten.

Unterschiedliche Ausprägung

Klinisch fällt die unterschiedliche Ausprägung auf MIH erkrankten Zähnen auf. Während bei manchen Patienten nur einzelne Höcker der Zähne betroffen sind, zieht sich die Mineralisationsstörung bei anderen über die gesamte Zahnoberfläche. In der milden Form zeigen sich häufig weiß-gelbliche oder gelb-braune Bereiche bis hin zu braunen Flecken auf den Zähnen. In der schweren Form zeigen sich auch abgesplitterter oder fehlender Zahnschmelz oder gar ein abgebrochener Zahn.

Erste Anzeichen beachten

Betroffene Patienten klagen häufig über Schmerzen beim Trinken, Essen und Zähneputzen. Insbesondere für junge Patienten wird dies schnell zur Tortur. Die Experten raten in solch einem Fall zu einem schnellen therapeutischen Eingreifen. (vb)