Künftig Herzschwäche-Behandlung durch Stammzelltherapie möglich?

Wissenschaftlerin im Labor beim Pipettieren

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Wissenschaft könnte bald in der Lage sein, geschädigte Herzen zu reparieren

Millionen Menschen leiden an einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Die Erkrankung ist zwar behandelbar, aber nach derzeitigem Stand der Medizin noch nicht heilbar. In einer Studie haben Wissenschaftler nun aber neue Erkenntnisse zur möglichen Behandlung geschädigter Herzen gewonnen.


Dringend benötigte Behandlung für Herzinsuffizienz

Eine Kombination von Herzzellen, die aus menschlichen Stammzellen gewonnen wurden, könnte die Antwort auf die Entwicklung einer dringend benötigten Behandlung für Herzinsuffizienz (Herzschwäche) sein. Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die im Fachmagazin „Nature Biotechnology“ veröffentlicht wurde, berichtet die British Heart Foundation (BHF), die die Studie mitfinanziert hat.

Wissenschaftlerin im Labor beim Pipettieren
Laut einer neuen Studie könnte eine Kombination von Herzzellen, die aus menschlichen Stammzellen gewonnen wurden, die Antwort auf die Entwicklung einer dringend benötigten Behandlung für Herzinsuffizienz (Herzschwäche) sein. (Bild: mmphoto/fotolia.com)

Schäden durch einen Herzinfarkt

Laut der BHF haben die Forscher herausgefunden, dass sie durch die Transplantation eines Bereichs mit geschädigtem Gewebe aus einer Kombination von Herzmuskelzellen und Stützzellen, die aus der äußeren Schicht der Herzwand entnommen wurden, in der Lage sind, den Organen zu helfen, sich von den durch einen Herzinfarkt verursachten Schäden zu erholen.

Aus menschlichen Stammzellen entwickelte epikardiale Zellen

Schon seit Jahren versuchen Wissenschaftler, geschädigte Herzen mit Stammzellen zu reparieren. Bisher waren die Bemühungen erfolglos, hauptsächlich weil die überwiegende Mehrheit der transplantierten Zellen innerhalb weniger Tage stirbt.

Dr. Sanjay Sinha und sein Team an der Universität von Cambridge haben nun in Zusammenarbeit mit Forschern der Universität von Washington unterstützende epikardiale Zellen verwendet, die aus menschlichen Stammzellen entwickelt wurden, um das Leben transplantierter Herzzellen zu verlängern.

Die Forscher verwendeten menschliches 3D-Herzgewebe, das im Labor aus menschlichen Stammzellen gewachsen war, um die Zellkombination zu testen.

Dabei stellten sie fest, dass die unterstützenden Epikardzellen das Wachstum und die Reifung der Herzmuskelzellen unterstützten. Sie verbesserten auch die Fähigkeit der Herzmuskelzelle, sich zusammenzuziehen und zu entspannen.

Den Angaben zufolge konnten die transplantierten Zellen durch diese Kombination bei Ratten mit geschädigten Herzen auch überleben und verlorene Herzmuskel- und Blutgefäßzellen wiederherstellen.

Die Forscher hoffen nun zu verstehen, wie die unterstützenden Epikardzellen die Herzregeneration vorantreiben. Das Verständnis dieser Schlüsseldetails wird sie der Erprobung von Therapien zur Herzregeneration in klinischen Studien einen Schritt näher bringen.

Fast zwei Millionen Deutsche mit Herzschwäche

„Derzeit leben in Deutschland schätzungsweise rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Herzinsuffizienz“, schreibt die Deutsche Herzstiftung auf ihrer Webseite.

In Großbritannien sind laut der BHF hunderttausende Menschen davon betroffen, häufig infolge eines Herzinfarkts, bei dem der Herzmuskel geschädigt wird.

Bei einer Herzinsuffizienz ist das Herz nicht mehr so leistungsfähig wie ein gesundes Herz und kann deshalb das Gewebe des Körpers nicht mehr ausreichend mit Blut (und damit mit Sauerstoff) versorgen.

Noch immer geringe Überlebensraten

„Die Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz beruht auf verschiedenen Säulen“, schreibt die Deutsche Herzstiftung.

Wichtig sind Medikamente wie ACE-Hemmer/Angiotensin 2-Blocker, Betablocker oder Diuretika), Rhythmologische Therapien (Beseitigung einer Herzrhythmusstörung oder auch Einpflanzung eines Drei-Kammer-Schrittmachers) sowie gezieltes körperliches Training.

Die Erkrankung gilt allerdings bislang als nicht heilbar.

Die Forscher aus Großbritannien und den USA hoffen nun, dass sie durch die Nutzung der regenerativen Kraft von Stammzellen eines Tages in der Lage sein werden, das menschliche Herz mit den eigenen Zellen eines Patienten zu heilen.

„Trotz der Fortschritte bei der medizinischen Behandlung bleiben die Überlebensraten bei Herzinsuffizienz gering und die Lebenserwartung ist schlechter als bei vielen Krebsarten“, so Professor Sir Nilesh Samani, Ärztlicher Direktor der BHF.

„Wenn es darum geht, geschädigte Herzen zu heilen, haben sich die frühen Versprechungen bezüglich von Stammzellen noch nicht wirklich erfüllt. Wir hoffen, dass diese neuesten Forschungsergebnisse den Wendepunkt bei der Verwendung dieser bemerkenswerten Zellen darstellen.“ (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen:
  • British Heart Foundation (BHF): New stem cell combination could help to repair damaged hearts, (Abruf: 03.08.2019), British Heart Foundation (BHF)
  • Deutsche Herzstiftung: Was genau ist eigentlich eine Herzinsuffizienz?, (Abruf: 03.08.2019), Deutsche Herzstiftung