Lebensgefährliche Pneumokokken-Infektionen: Für wen die Impfung sinnvoll ist

Alfred Domke

Pneumokokken: Impfung schützt vor gefährlicher Infektion

Laut Schätzungen sterben in Deutschland jährlich rund 5.000 Menschen an einer Pneumokokken-Infektion. Und das obwohl man sich mit einer Impfung gegen die Krankheitserreger schützen kann. Experten erklären, was dabei zu beachten ist.


Schwere Erkrankungen durch weit verbreitete Bakterien

Pneumokokken sind Bakterien, die bei vielen Menschen im Mund-Nasen-Rachenraum zu finden sind – meist ohne eine Krankheit zu verursachen. Wenn das Immunsystem die Erreger aber nicht in Schach halten kann, können sie sich ausbreiten und Infektionen wie Nasennebenhöhlenentzündung oder Mittelohrentzündung auslösen. Allerdings können auch potentiell lebensbedrohliche Erkrankungen wie Hirnhautentzündungen sowie Blutvergiftungen auf diese Bakterien zurückgehen. Und auch ein Großteil der Lungenentzündungen werden durch Pneumokokken ausgelöst. Dennoch sind zu wenige Menschen gegen die Krankheitserreger geschützt, mahnen Experten.

Jedes Jahr sterben rund 5.000 Menschen an einer Pneumokokken-Infektion. Eine Impfung kann Schutz bieten. (Bild: Richard Villalon/fotolia.com)

Jährlich 5.000 Tote durch Pneumokokken

Schätzungen zufolge sterben in Deutschland rund 5.000 Menschen pro Jahr an einer Pneumokokken-Infektion. Insbesondere Säuglinge und Kleinkinder sind gefährdet, da ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist.

Doch auch wer älter ist oder ein chronisches Leiden hat, kann eher durch die Bakterien erkranken. Eine bundesweite Meldepflicht für Pneumokokken-Infektionen gibt es derzeit nicht.

Insgesamt werden 97 verschiedene Erregertypen unterschieden. Nicht alle davon sind gefährlich.

Eine Impfung kann vor einer Infektion schützen.

Gesundheitsexperten der Stiftung Warentest erklären auf ihrer Webseite, was dabei zu beachten ist.

Sinnvolle Impfung?

Für alle Personen, denen die Ständige Impfkommission (STIKO) die Pneumokokken-Impfung empfiehlt, tragen die Krankenkassen die Kosten: für Kinder bis zwei Jahre und Erwachsene über 60 sowie Immunschwache und Menschen mit bestimmten chronischen Krankheiten.

Von den Experten der Stiftung Warentest wird die Impfung der Kinder gegen Pneumokokken als sinnvoll bewertet, die der Älteren und Risikopatienten als wahrscheinlich sinnvoll; aus ihrer Sicht sollte der Nutzen aber noch besser belegt werden.

Zwei Impfstofftypen stehen zur Verfügung
Den Angaben zufolge gibt es zwei Impfstofftypen: Polysaccharid – ein Impfstoff aus den Zuckern der Bakterienhülle – und Konjugat – bei ihm sind die Polysaccharide noch an ein Eiweißmolekül gebunden.

Wie die Stiftung Warentest schreibt, wirken Polysaccharid-Impfstoffe bei Kindern bis zwei Jahre und Immunschwachen nicht ausreichend.

Deshalb sind für die Kleinen zwei Konjugat-Impfstoffe zugelassen: Prevenar, der vor 13 Erregertypen schützt, und Synflorix, der nur zehn Typen abdeckt. Die Experten der Stiftung empfehlen Prevenar.

Über-60-Jährige hingegen sollten mit Pneumovax geimpft werden. Das ist ein Polysaccharid-Impfstoff, der neben den 13 Erregertypen aus Prevenar zusätzlich vor zehn weiteren und somit breiter schützt.

Da die meisten Kleinen gegen Pneumokokken geimpft werden, besteht ein deutlicher „Herdenschutz“ für die 13 Erregertypen, das heißt: Hohe Impfraten bei Kindern schützen auch Ältere.

Damit sie besser auf die Impfung ansprechen, empfehlen die Experten Risikopatienten wie Immungeschwächten die Impfung mit beiden Stoffen.

Gesunde Menschen zwischen zwei und 59 Jahre brauchen die Impfung demnach nicht.

Komplikationen sind selten

Die Pneumokokken-Impfung erfolgt mit Totimpfstoff, der parallel mit anderen gespritzt werden kann, beispielsweise mit der Grippeimpfung – aber nicht in denselben Arm oder Oberschenkel.

Kinder bis zwei Jahre werden dreimal in bestimmten Lebensmonaten gegen Pneumokokken geimpft.

Auch das ist zeitgleich mit einem anderen Pikser wie der Sechsfachimpfung (gegen Diphtherie, Tetanus (Wundstarrkrampf), Kinderlähmung (Polio), Keuchhusten (Pertussis), Haemophilus influenzae Typ b (Hib) und Hepatitis B) möglich.

Wie die Stiftung Warentest schreibt, sind Komplikationen durch die Pneumokokken-Impfung sehr selten. Es kann zu Nebenwirkungen kommen, die aber in den meisten Fällen innerhalb weniger Tage vorbei sind:

Oft rötet sich die Einstichstelle, schwillt an oder schmerzt. Auch allgemeine Krankheitszeichen wie Fieber und Kopfschmerzen können auftreten.

Des Weiteren sind Kinder nach der Impfung mitunter schläfrig, reizbar und weinen mehr.

Erkrankungen haben vor allem in den kalten Monaten Saison

Pneumokokken-Erkrankungen haben vor allem in der nasskalten Jahreszeit Saison.

Die Bakterien werden durch Tröpfcheninfektion wie Husten und Niesen übertragen. (ad)