Luftverschmutzung erhöht das Risiko an Demenz zu erkranken

Alexander Stindt

Wie wirkt sich die Luftqualität auf das Risiko für Demenz aus?

Luftverschmutzung ist ein ernsthaftes Problem, welches in vielen Ländern auf der ganzen Welt negative Auswirkungen auf die Gesundheit der dort lebenden Menschen hat. Forscher fanden jetzt heraus, dass die ständig ansteigende Luftverschmutzung die Wahrscheinlichkeit erhöht, an Demenz zu erkranken.


Die Wissenschaftler vom King’s College London stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass verschmutzte Luft die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von Demenz erhöhen kann. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „BMJ Open“.

In der heutigen Zeit nimmt die Luftverschmutzung immer weiter zu. Auch die dadurch entstehenden Krankheiten sind auf dem Vormarsch. Wissenschaftler stellten nun fest, dass die Luftverschmutzung sich auch auf das Risiko für Demenz auswirkt. (Bild: VanderWolf Images/fotolia.com)

Ältere Menschen sind besonders stark betroffen

Über 50 Jahre alte Menschen waren in Gebieten mit dem höchsten Stickoxid-Gehalt besonders stark bedroht, sie hatten ein 40 Prozent höheres Risiko an Demenz zu erkranken, verglichen mit Personen aus Gebieten mit der geringsten Belastung, erklären die Experten. Die Beobachtungsstudie kann nicht nachweisen, dass die Luftverschmutzung eine direkte Ursache der Demenzerkrankungen war. Die Autoren wiesen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen stärkerer Belastung und höheren Diagnosen von Demenz nicht durch andere Faktoren erklärt werden könne, von denen bereits bekannt ist, dass sie das Krankheitsrisiko erhöhen.

Luftverschmutzung erhöht das Risiko an Demenz zu erkranken um sieben Prozent

Luftverschmutzung wurde bereits mit Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen in Verbindung gebracht. Die aktuelle Untersuchung ist aber eine der ersten Studien, welche die Verbindungen mit neurodegenerativen Erkrankungen untersuchen. Das Ergebnis der Studie deutet auf eine Verbindung zwischen Luftverschmutzung und Demenz hin, kann aber nicht über die Ursache informieren, so der Studienautor Professor Frank Kelly vom King’s College London. Der Experte ist jedoch der Meinung, dass jetzt ausreichend Beweise vorliegen, um die Luftverschmutzung auf die Liste der Risikofaktoren für Demenz zu setzen. Die Berechnungen der Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die Luftverschmutzung das Risiko für Demenz um sieben Prozent erhöht.

Andere negative Auswirkungen der Luftverschmutzung

Die neuen Erkenntnisse tragen zu einer wachsenden Anzahl von Beweisen bei, dass die Luftverschmutzung weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Vor kurzer Zeit wurden Partikel der Luftverschmutzung erstmals in der Plazenta von Frauen nachgewiesen. Zudem hatte eine bahnbrechende Studie aus China kürzlich eine enorme Verringerung der Intelligenz in Verbindung mit dem Einatmen von schmutziger Luft festgestellt.

Welche Einschränkungen gab es bei der aktuellen Untersuchung?

Die aktuelle Studie des Kings College London ergänzt frühere Forschungsergebnisse, welche auf eine Verbindung mit Demenz hinweisen. Die Autoren warnen jedoch davor, dass die Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden müssen, da die Beobachtungsstudie andere mögliche Ursachen wie Faktoren des Lebensstils oder die relative wirtschaftliche Benachteiligung der untersuchten Patienten nicht genau verfolgen konnte.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Die Untersuchung verwendete Schätzungen der Luft- und Lärmbelastung in London und korrelierte diese mit anonymisierten Patientenakten von 131.000 Patienten im Alter zwischen 50 und 79 Jahren. Die Gesundheit der Teilnehmenden wurde ab dem Jahr 2005 für einen Zeitraum von sieben Jahren medizinisch überwacht, wobei bei 1,7 Prozent der Patienten Demenz diagnostiziert wurde. Ihre Exposition gegenüber Luftverschmutzung wurde dann auf der Grundlage ihrer Postleitzahlen geschätzt.

Die Luftverschmutzung hat negative Auswirkungen auf das Gehirn

Es gibt immer mehr Beweise für den Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und der Gesundheit des Gehirns, einschließlich Demenz und Alzheimer, sagen die Mediziner. Die aktuelle Studie ergänze diese Fülle von Beweisen und passe zu einigen der früheren Untersuchungen. Da die meisten Menschen in Großbritannien in städtischen Gebieten leben, ist die Exposition gegenüber verkehrsbedingten und anderen Luftschadstoffen allgegenwärtig. Daher wird selbst ein relativ geringer Anstieg des Risikos zu großen Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit führen, fügen die Experten hinzu.

Luftverschmutzung verschlechtert kognitive Entwicklung von Kindern

Ein Zusammenhang zwischen schlechter Luftqualität und Demenz könnte schon früh im Leben beginnen, mutmaßen die Mediziner. Die verkehrsbedingte Luftverschmutzung habe bei jüngeren Kindern zu einer schlechteren kognitiven Entwicklung geführt, und eine fortwährende signifikante Exposition könne im frühen Erwachsenenalter zu Neuroinflammation und veränderten angeborenen Immunantworten des Gehirns führen.

Es müssen Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung ergriffen werden

Von verschiedenen Seiten wurde angesichts der aktuellen Studienergebnisse bereits die Forderung an die Politik gerichtet, dringend Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung zu ergreifen, denn diese schädige die Gesundheit im Laufe des gesamten Lebens, von der Gebärmutter bis ins hohe Alter. Es sei im Jahr 2018 einfach inakzeptabel, dass Menschen nur durch Atmen ihr Risiko für Demenz erhöhen.

Ist der Straßenverkehr die Hauptursache für die Gesundheitsprobleme?

Der Straßenverkehr sollte im Mittelpunkt der Bemühungen stehen, wenn es darum geht, unsere Luft zu reinigen, da der Straßenverkehr die Hauptursache für die Gesundheitsprobleme ist, sagen die Experten. Bemühungen den Schadstoffausstoß von Autos, Transportern und Lastwagen zu reduzieren, müssen dringend vorangetrieben werden. Zur Unterstützung der alternativen Verkehrsmittel seien auch größere Investitionen erforderlich, wie zum Beispiel in eine sicherere Fahrradinfrastruktur und öffentliche Verkehrsmittel. (as)