Masern in Deutschland: Mehr als die Hälfte der Fälle in nur einem Bundesland

Alfred Domke

Fast tausend Masernerkrankungen in Deutschland – ein Bundesland besonders betroffen

Gesundheitsexperten zufolge gehören die Masern zu den ansteckendsten Infektionen des Menschen. Dennoch werden sie noch immer häufig als harmlose Kinderkrankheit abgetan. Allein im letzten Jahr haben sich in Deutschland fast 1.000 Menschen mit Masern infiziert. Über die Hälfte der Erkrankungsfälle waren in einem einzigen Bundesland zu verzeichnen.


Großteil der Erkrankten waren gar nicht geimpft

In den vergangenen Monaten berichteten Gesundheitsexperten über eine steigende Zahl der Masern-Fälle in Deutschland. Die Infektionskrankheit ist zwar seit Einführung der Masernimpfung vor rund 40 Jahren auf dem Rückzug, doch die Masern-Ausrottung wurde immer wieder gebremst. Schuld daran sei, dass hierzulande zu wenige Menschen geimpft sind. Belegt wird das nun auch durch neue Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI). Wie die Experten im aktuellen Epidemiologischen Bulletin (33/2018) berichten, war ein Großteil der im vergangenen Jahr an Masern erkrankten Personen ungeimpft.

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland fast 1.000 Masernfälle gemeldet. Gesundheitsexperten weisen darauf hin, dass es eine wirksame Impfung gegen die gefährliche Infektionskrankheit gibt. (Bild: Stockfotos-MG/fotolia.com)

Fast 400 Masernfälle im ersten Halbjahr

„Im Jahr 2017 wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) 929 Masernfälle übermittelt, darunter ein Todesfall“, heißt es auf der Webseite des Instituts.

Den Angaben zufolge mussten 41 Prozent der Patienten (376 Personen) in einem Krankenhaus behandelt werden.

Bis Ende Juni 2018 gab es hierzulande 387 Fälle der hochansteckenden Krankheit.

In NRW gab es die meisten Erkrankungsfälle

Aus manchen Regionen waren verhältnismäßig wenige Erkrankungen gemeldet worden, aus anderen dafür umso mehr.

„In einigen Bundesländern treten die Masern nur noch selten in Erscheinung, wie in Mecklenburg-Vorpommern, dem Saarland oder Sachsen-Anhalt“, schreibt das RKI.

Andere Bundesländer wie Berlin, Bayern oder Nordrhein-Westfalen (NRW) sind demnach häufiger betroffen.

Den Angaben zufolge wurde aus NRW mit 520 Masernfällen (56 Prozent aller bundesweit erfassten Fälle) die weitaus höchste Fallzahl übermittelt.

Hierbei stach besonders eine Stadt heraus: „Der größte Ausbruch mit insgesamt 465 Masernfällen nach Referenzdefinition begann in Duisburg im Januar 2017 (mit insgesamt 332 Fällen) und ging im weiteren Verlauf auf andere Stadt- und Landkreise in NRW über“, so das RKI.

Hohe Bevölkerungsdichte vergrößert Erkrankungsrisiko

Die Experten erklären auch, warum sich die Masernfälle gerade in Großstädten häufen.

Zum einen leben die Menschen in Deutschland allgemein dichter zusammen als in den meisten anderen europäischen Ländern und zum anderen erreichten durch Touristen, Studenten und Migranten importierte Masernfälle insbesondere die Ballungsgebiete.

„Hier ist auch die Wahrscheinlichkeit am höchsten, auf Menschen zu treffen, die aus unterschiedlichen Gründen bisher noch keine Impfung erhalten hatten und an den Masern erkranken können“, schreibt das RKI.

Wie die Experten berichten, lagen bei einem Großteil der im vergangenen Jahr erkrankten Personen Angaben zum Impfstatus vor.

Demnach waren 82 Prozent von ihnen ungeimpft, 18 Prozent „hatten bereits eine oder mehrere Impfungen gegen Masern bei Ausbruch der Masern erhalten.“

Infektion kann tödlich enden

Masern sind hochansteckend. Übertragen wird die Krankheit per Tröpfchen-Infektion. Sie beginnt mit grippeähnlichen Symptomen wie hohem Fieber, Husten und Schnupfen. Später folgt der charakteristische Hautausschlag.

Ganz allgemein schwächen Masern das Immunsystem. Als Folge davon kann es unter anderem zu Bronchitis, Mittelohrentzündung oder Lungenentzündung kommen. In seltenen Fällen kann die Infektion tödlich enden.

Gefährlich ist die Krankheit vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern.

Kein weiterer Rückgang zu beobachten

Laut RKI ging die Anzahl der Masernfälle nach Einführung der Meldepflicht der Masern im Jahr 2001 aufgrund steigender Impfquoten von rund 6.040 Fällen im Jahr 2001 auf rund 780 Fälle im Jahr 2003 zurück.

Allerdings habe sich seit einigen Jahren keine Tendenz eines weiteren Rückgangs der Anzahl der an das RKI übermittelten Masernfälle ergeben.

Den Experten zufolge werden seitdem Jahre mit weniger Masernfällen von Jahren mit zum Teil ausgedehnten Ausbrüchen und vielen Masernfällen abgelöst.

Diskussionen über Impfpflicht

Im Zusammenhang mit der Infektionskrankheit wird immer wieder über eine mögliche Masern-Impfpflicht in Deutschland diskutiert. In Italien wurde eine solche im vergangenen Jahr per Gesetzesbeschluss eingeführt.

Von einer Mehrheit der Deutschen würde die Impfpflicht begrüßt werden, zahlreiche Experten sind jedoch dagegen. Sie setzen eher auf Aufklärung statt Impfpflicht.

In Deutschland wird die Masernimpfung für Kinder ab dem elften Lebensmonat empfohlen, für Säuglinge in einer Kindertagesstätte schon ab dem neunten Monat.

Auch Erwachsene sollten gegebenenfalls ihren Masern-Impfschutz überprüfen.

„Eine einmalige Impfung gegen Masern ist generell für alle Erwachsenen empfohlen, die nach 1970 geboren wurden und noch gar nicht oder nur einmal in der Kindheit gegen Masern geimpft wurden oder deren Impfstatus unklar ist“, schreibt das RKI auf seiner Webseite.

„Personen, die vor 1970 geboren wurden, haben mit hoher Wahrscheinlichkeit die Masern bereits durchgemacht“, so die Experten. (ad)