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Mehr als die Hälfte der neu entwickelten Medikamente gegen Krebs nutzlos

Alexander Stindt
Verfasst von Alexander Stindt, Fachredakteur für Gesundheitsnews
6. Oktober 2017
in News
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Mediziner untersuchen die Auswirkungen von Medikamenten auf Menschen mit Krebs

Es gibt eine Menge verschiedene Medikamente, welche zur Behandlung von Krebs verwendet werden. Forscher stellten jetzt fest, dass die meisten Krebsmedikamente, welche vor kurzem auf dem Markt gekommen sind, nur wenig zur Verbesserung des Überlebens oder des Wohlbefindens von Patienten mit einer Krebserkrankung beitragen.

Die Wissenschaftler der London School of Economics und des King’s College London stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass viele neuartige Krebsmedikamente nicht wirklich zu einem gesteigerten Wohlbefinden führen und auch die Wahrscheinlichkeit für das Überleben der Betroffenen kaum verbessern. Dies wirft die Frage auf, wie sinnvoll die Einnahme solcher Medikamente für Menschen mit Krebs wirklich ist. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „British Medical Journal“ (BMJ).

In fast zwei Drittel der Fälle konnte keine Verbesserung festgestellt werden

Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat im Zeitraum 2009 bis 2013 insgesamt vierundvierzig Krebsmedikamente zur therapeutischen Verwendung bei 68 verschiedenen Indikationen genehmigt. Die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigen allerdings, dass zum Zeitpunk der Prüfung der neuen Therapien keine schlüssigen Beweise für eine Verbesserung des Überlebens bei fast zwei Drittel der Indikationen vorlag.

Experten überprüften Verbesserung des Wohlbefindens und des Überlebens

Die Verwendung der Medikamente verbesserte zudem nur in zehn Prozent aller Fälle die Lebensqualität der Patienten. Insgesamt waren bei 57 Prozent der Verwendungen keine Vorteile für Überleben oder Lebensqualität zu beobachten, erläutern die Wissenschaftler. Ihr Ziel war es, zu überprüfen, ob diese bereits auf dem Markt erhältlichen Medikamente wirklich zu einer Verbesserung des Wohlbefindens oder des Überlebens führen, erklärt Autor Dr. Huseyin Naci von der London School of Economics.

Auch nach acht Jahren führten etwa 49 Prozent der Medikamente zu keinen deutlichen Verbesserungen

Das Team stellte bei der Untersuchung fest, dass nach einer Nachbeobachtungszeit von drei bis acht Jahren 49 Prozent der genehmigten Verwendungen der Medikamente mit keinem deutlichen Zeichen der Verbesserung des Überlebens oder der Lebensqualität verbunden waren. Wenn Vorteile beim Überleben festgestellt wurden, waren diese in fast der Hälfte der Fälle klinisch bedeutungslos, fügen die Experten hinzu.

Nur wenige Studie befassen sich mit dem Gesamtüberleben oder der Lebensqualität

Laut Dr. Naci ist es zudem überraschend, dass nicht sehr viele Studien das Gesamtüberleben oder die Lebensqualität als ihr primäres Ziel betrachten. Stattdessen untersuchen die meisten Studien indirekte Maßnahmen, wie beispielsweise Labortests. Von diesen Maßnahmen wurde angenommen, dass sie Hinweise auf die Überlebensvorteile eines Medikaments aufzeigen. Wenn neue Medikamente auf den Markt kommen, sei eigentlich zu erwarten, dass Unternehmen in längerfristige Studien investieren, um die Vorteile für das Überleben festzustellen und diese öffentlich zu machen. Dies entspreche aber nicht unbedingt der Wahrheit. Die festgestellten Ergebnisse sollen jetzt allerdings nicht dazu führen, dass sich betroffene Patienten Sorgen machen, fügt Autor Dr. Naci hinzu.

Viele Medikamente ohne verbesserte Wirkung auf den Markt gebracht

Der Mangel der Wirkungsverbesserung bei Medikamenten im Hinblick auf das Überleben ist enttäuschend, sagen die Mediziner. Hier gibt es nicht ohne Grund Experten, welche einen strengeren Ansatz zur Bewertung von Krebsmedikamenten fordern. Es stellt sich zudem die Frage, warum etwa die Hälfte aller Medikamente genehmigt wird, wenn sie keinen klinisch bedeutungsvollen Nutzen bieten.

Reale Auswirkungen auf Wohlbefinden und Überleben müssen berücksichtigt werden

Idealerweise sollten Studien versuchen, auch frühzeitig Marker des Behandlungsversagens zu messen, damit die Gesundheitsbehörden ausgewogene Entscheidungen treffen können, sagen die Wissenschaftler. Reale Auswirkungen auf das Wohlbefinden und das Überleben von Patienten sollten daher berücksichtigt werden und nicht nur die Daten aus klinischen Studien. So könne das Verständnis verbessert werden, wie gut Medikamente in einer reale Umwelt funktionieren und wie stark ihre Wirksamkeit ist. (as)

Autoren- und Quelleninformationen

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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