Nachtmenschen haben ein höheres Risiko für Depressionen und andere Krankheiten

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Wirkt sich die innere Uhr auf das Wohlbefinden und die Psyche aus?

Mediziner fanden jetzt heraus, dass früh aufstehende Menschen ein besseres Wohlbefinden und ein geringeres Risiko für Schizophrenie und Depressionen aufweisen. Sogenannte Nachtmenschen leiden häufiger an Krankheiten und haben häufiger psychische Probleme.


Die Wissenschaftler der University of Exeter und des Massachusetts General Hospital stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass unsere innere Uhr und frühes Aufstehen oder spät zu Bett gehen einen großen Einfluss auf die psychische Gesundheit haben. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Nature Communications“.

Wenn Menschen spät ins Bett gehen oder nachts erst spät einschlafen, verstärkt dies das Risiko für die Entstehung von Depressionen und anderen Krankheiten. (Bild: Focus Pocus LTD/fotolia.com)

Nachtmenschen haben ein geringeres psychisches Wohlbefinden

Eine groß angelegte Genom-Analyse hat einige der Funktionen der inneren Uhr untersucht, welche einen neuen Einblick in den Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit und der Entstehung von Krankheiten ermöglichen. „Diese Studie zeigt eine große Anzahl von Genen auf, die detaillierter untersucht werden können, um herauszufinden, wie verschiedene Menschen unterschiedliche innere Uhren haben können. Die große Anzahl von Personen in unserer Studie bedeutet, dass wir den bisher stärksten Nachweis dafür erbracht haben, dass Nachtschwärmer ein höheres Risiko für psychische Gesundheitsprobleme wie Schizophrenie und ein geringeres psychisches Wohlbefinden haben, obwohl weitere Studien erforderlich sind, um diesen Zusammenhang vollständig zu verstehen“, erklärt Studienautor Professor Mike Weedon von der University of Exeter Medical School in einer Pressemitteilung.

Knapp 700.000 Probanden wurden untersucht

Bei der Studie wurden etwa 250.000 Probanden aus den USA und etwa 450.000 Personen der britischen UK Biobank Studie dazu befragt, ob sie sich eher als Morgenmenschen oder Nachtmenschen betrachten. Die Genome der Teilnehmenden wurden analysiert, um herauszufinden, welche Gene sie gemeinsam haben und was ihre Schlafmuster beeinflussen könnte. Die Forschenden bestätigten ihre Ergebnisse anhand von Informationen, die von am Handgelenk getragenen Aktivitäts-Trackern stammten, welche mehr als 85.000 Probanden trugen. Die Informationen zeigten, dass die genetischen Varianten, die die Forscher identifizierten, die natürliche Wachzeit einer Person um bis zu 25 Minuten verlagern können. Die Forschenden fanden außerdem heraus, dass die genetischen Bereiche den Schlafzeitpunkt beeinflussen, nicht jedoch die Qualität oder Dauer des Schlafes.

Innere Uhr wird von Genen und Lebensstilfaktoren beeinflusst

Zu den identifizierten Genomregionen zählen diejenigen, die für unsere Körperuhr von zentraler Bedeutung sind (auch als circadianer Rhythmus bezeichnet), sowie Gene, die im Gehirn und im Netzgewebe des Auges exprimiert werden. Unsere innere Uhr wird von unseren Genen und Lebensstilfaktoren beeinflusst, wie beispielsweise Ernährung, künstliches Licht, unsere Jobs und Aktivitäten. Die innere Uhr beeinflusst eine Vielzahl molekularer Prozesse, einschließlich Hormonspiegel und Körperkerntemperatur, sowie unsere Wach- und Schlafmuster, erläutern die Mediziner. „Die Entdeckung dieses fundamentalen Mechanismus der inneren Uhr des Körpers im Gehirn hat kürzlich den Nobelpreis für Medizin im Jahr 2017 gewonnen. Wir wissen jedoch immer noch sehr wenig darüber, ob die innere Uhr des Körpers das Krankheitsrisiko beeinflusst oder nicht“, sagt Studienautor Dr. Samuel E. Jones von der University of Exeter Medical School in der Pressemitteilung.

Forschung ermöglicht neue Therapieansätze

Die Forschung zeigt, dass ein Teil des Grundes, warum manche Leute früh aufstehen, während andere Menschen eher Nachtmenschen sind, auf Unterschiede in der Reaktion unseres Gehirns auf externe Lichtsignale und auf die normale Funktionsweise unserer internen Uhren zurückzuführen ist. Diese kleinen Unterschiede können potenziell erhebliche Auswirkungen auf das Risiko für Krankheiten und psychischen Störungen haben, erklären die Wissenschaftler. Durch das Verständnis der Genetik des Schlafens und des Aktivitätszeitpunkts in der Allgemeinbevölkerung erhalten Mediziner auch Einblicke in mögliche Therapieansätze für Personen mit Beschwerden wie fortgeschrittenen oder verzögerten zirkadianen Rhythmusstörungen, erklärt Studienautorin Dr. Jacqueline M Lane von der Massachusetts General Hospital. (as)