Naturheilkraft: Lavendel entspannt und lindert Ängste und Schlafprobleme

Alexander Stindt

Wie wirkt sich der Duft von Lavendel aus?

Lavendel wird in vielen verschiedenen Produkten verwendet, beispielsweise in Badeölen und Weichspülern, weil es einen angenehmen Duft verbreitet, schlaffördernd ist und hilft, sich zu entspannen. Forscher suchten jetzt nach den Ursachen für diese Effekte.


Die Wissenschaftler der Kagoshima University in Japan stellten bei ihrer Untersuchung die Ursachen für die schlaffördernde und entspannende Wirkung von Lavendel fest. Der Wirkstoff in Lavendel (Linalool) wirkt dabei nicht als pharmakologischer Wirkstoff. Die Wirkung von Linalool wird vielmehr durch den Geruchssinn ausgelöst. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in dem englischsprachigen Fachblatt „Frontiers in Behavioral Neuroscience“.

Lavendel kann bei Schlafproblemen, Entspannung und Angstgefühlen helfen. (Bild: Anton Gvozdikov/fotolia.com)

Ist Lavendel eine sichere Alternative zu Medikamenten?

Lavendel entspannt, wirkt schlaffördernd und kann sogar Angstgefühle verringern. Kann Lavendel eventuell dadurch das Potenzial haben, eine sichere Alternative zu Schlafmitteln und Anxiolytika zu bieten? Sogenannte Benzodiazepine (als Schlaf- oder Beruhigungsmittel eingesetzte Medikamente) können zu einer Reihe von Nebenwirkungen führen, wie beispielsweise Gedächtnisproblemen und männlichem Brustwachstum. Anxiolytika und Benzodiazepine gelangen nach der Einnahme über Magen und Darm in unser Blut. So beeinflussen sie auch einige Rezeptoren in unserem Gehirn. Leider machen diese Medikamente Menschen abhängig. Die Verwendung von Lavendel könnte dieses Probleme verhindern.

Wie wirkt Linalool?

Die Wissenschaftler der Kagoshima University analysierten, ob der Geruch des Wirkstoffs in Lavendel (Linalool) den Mäusen hilft, sich zu entspannen. Die Inhaltsstoffe der Blüte wirken nicht durchs schlucken oder spritzen. Der Lavendel-Duft muss stattdessen in der Nase bestimmte olfaktorische Sensoren reizen. Durch diese werden Nervensignale an das Gehirn weitergeleitet. Dieser Effekt wurde jedoch bei Nagetieren ohne Geruchssinn nicht beobachtet, erläutern die Forscher. Dies widerspricht früheren Theorien, die nahelegten, dass Linalool wie Benzodiazepine absorbiert wird. Zusammengenommen deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass Linalool nicht direkt auf sogenannte GABAA-Rezeptoren wie Benzodiazepine wirkt, erklärte Studienautor Dr. Kashiwadani von der Kagoshima University. Bei Linalool und Benzodiazepinen konnten die Experten die Wirkung verhindern, wenn zuvor die Rezeptoren mit Flumazenil behandelt wurden.

Weitere Forschung ist nötig

Die Wissenschaftler erklärten, dass jetzt weitere Forschung erforderlich ist, um die Sicherheit und Wirksamkeit von Linalool auf verschiedenen Wegen zu bestimmen, bevor die Wirkung beim Menschen untersucht werden kann. Die Ergebnisse der Studie könnten dazu führen, dass eine klinischen Anwendung von Linalool zur Linderung von Angstgefühlen in Zukunft ermöglicht wird, erklärt Dr. Kashiwadani. Beispielsweise könnte Linalool in der Chirurgie verwendet werden, wo eine Vorbehandlung mit Anxiolytika den präoperativen Stress lindert. Linalool könnte eine sichere Alternative für Patienten bieten, die Schwierigkeiten mit der Einnahme von Anxiolytika haben, wie beispielsweise Säuglinge oder verwirrte ältere Menschen. (as)