Neues Medikament zur Senkung des Cholesterinspiegels könnte Behandlung massiv verbessern

Bempedosäure zur Senkung des Cholesterinspiegels?

Ein völlig neues Medikament zur Senkung des Cholesterinspiegels könnte bereits in naher Zukunft für Patienten verfügbar sein. Veröffentlichte Studienergebnisse haben bereits gezeigt, dass dieses Medikament sicher und effektiv verwendet werden kann, auch dann, wenn es zusammen mit häufig verschriebenen Statinen eingenommen wird.


Die Wissenschaftler der Imperial College London stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass ein neues Medikament sicher und effektiv den Cholesterinspiegel senken kann. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in dem englischsprachigen Fachblatt „New England Journal of Medicine“.

Zu hohes Cholesterin kann zu gesundheitlichen Problemen führen. Häufig werden sogenannte Statine zur Senkung verwendet, problematisch ist dabei aber, dass Statine unangenehme Nebenwirkungen haben können. Ein neues Medikament könnte in Zukunft eine Behandlung ohne Nebenwirkungen ermöglichen. (Bild: designer491/fotolia.com)

Statine haben teilweise starke Nebenwirkungen

Der LDL-Cholesterinspiegel im Blut steht in engem Zusammenhang mit Herzkrankheiten und Schlaganfällen. Eine Senkung dieses Cholesterinspiegels kann eine wichtige Strategie für die Aufrechterhaltung der kardiovaskulären Gesundheit sein. Derzeit werden häufig sogenannte Statine als Cholesterinsenker verschrieben. Diese sind relativ wirksam, jedoch nicht ohne Nebenwirkungen. In vielen Fällen überwiegen die Vorteile des Arzneimittels mögliche Nebenwirkungen, einige Patienten sind jedoch nicht in der Lage Statine sicher einzunehmen, so dass ein dringender Bedarf an neuen cholesterinsenkenden Arzneimitteln besteht.

Was bewirkt Bempedosäure?

Bempedosäure ist bereits seit einigen Jahren in der Entwicklung. Ähnlich wie die häufig verschriebenen Statine blockiert das Arzneimittel die Produktion eines Schlüsselenzyms, welches der Körper zum Aufbau von Cholesterin benötigt- Jedoch zielt Bempedosäure auf ein ganz anderes Enzym als Statine ab. Die neue Studie zeigt die Sicherheit und Wirksamkeit von in Verbindung mit der Statin-Therapie verabreichter Bempedosäure bei über 2.000 Patienten. Die Ergebnisse waren vielversprechend und es wurden keine weiteren Nebenwirkungen in der Behandlungsgruppe beobachtet. Es konnte zudem festgestellt werden, dass die Kombinationstherapie den Cholesterinspiegel mit niedriger Dichte (LDL) signifikant senkt, verglichen mit Patienten, die ausschließlich mit Statinen behandelt wurden.

Langzeiteffekte von Bempedosäure?

Während in dieser speziellen Studie die Sicherheit und Wirksamkeit von Bempedosäure in Verbindung mit Statinen bewertet wurde, laufen weitergehende Studien zur Untersuchung der Wirksamkeit des neuen Arzneimittels, wenn es allein verabreicht wird. Eine zweite, kürzlich veröffentlichte Studie zu den wahrscheinlichen Langzeiteffekten von Bempedosäure lieferte ebenfalls vielversprechende Ergebnisse. In dieser Studie wurden genetische Marker bei mehr als einer halben Million Menschen überwacht, um die potenziellen Auswirkungen der Hemmung des Enzyms, auf welches die Bempedosäure wirkt (ATP-Citrat), zu vergleichen. Dann verglichen die Wissenschaftler die Effekte mit den Auswirkungen des Enzyms, welches Statine traditionell hemmen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Blockieren von ATP-Citrat über einen langen Zeitraum genauso sicher und wirksam wie die Einnahme von Statinen sein sollte. Bempedosäure kann anscheinend auch einige der negativen, muskelbedingten Nebenwirkungen verhindern, welche häufig mit der Nutzung von Statinen verbunden sind.

Vorteile von Bempedosäure

Einer der Hauptvorteile von Bempedosäure soll darin bestehen, dass sie nicht die von einigen Nutzern von Statinen berichteten Nebenwirkungen der Muskulatur verursacht, da sie von der Leber aufgenommen wird und über ein Enzym in ihre aktive Form umgewandelt wird. Nach der Umwandlung in die aktive Form kann das Medikament die Leber nicht verlassen, sodass es nicht in die Muskeln eindringen kann und daher für manche Patienten von erheblichem Vorteil sein könnte. „Einer der wichtigsten Vorteile ist, dass es nicht die von einigen Statin-Benutzern gemeldeten muskulären Nebenwirkungen verursacht“, erläutert der Studienautor Kausik Ray vom Imperial College London in einer Pressemitteilung.

Wann wird es das neue Medikament voraussichtlich auf dem Markt geben?

Das neue Medikament könnte möglicherweise für Patienten von Nutzen sein, welche bereits Statine ausprobiert und entweder als unwirksam befunden haben oder unter erheblichen Nebenwirkungen litten. Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch unklar, wie weit die Bempedosäure von der Zulassung und klinischen Anwendung entfernt ist. Die Experten wollen noch in diesem Jahr Zulassungen in Europa und den USA erreichen, aber realistisch wird es wahrscheinlich mindestens bis zum Jahr 2020 dauern, bevor das neue Medikament Patienten auf der ganzen Welt zur Verfügung steht. (as)