Prostatakrebs: Mit neuer Methode können tödliche Verläufe erkannt werden

Tool errechnet Wahrscheinlichkeit innerhalb von zehn Jahren an Prostata-Krebs zu versterben

Eine Untersuchung der Prostata ist keine angenehme Sache. Trotzdem ist sie nötig, um Menschen vor Prostata-Krebs zu schützen. Forscher entwickelten jetzt ein Tool, welches mit 90-prozentiger Genauigkeit die Wahrscheinlichkeit vorhersagen kann, ob Menschen an Prostata-Krebs versterben werden.

  • Das Tool kann die Wahrscheinlichkeit an Prostata-Krebs zu versterben mit einer Genauigkeit von 90 Prozent bestimmen.
  • Unnötige Behandlungen mit starken Nebenwirkungen können vermieden werden, wenn die Wahrscheinlichkeit an Prostata-Krebs zu versterben nur gering ist.
  • Behandlungen von Prostata-Krebs sind nicht individuell genug und basieren auf einem Universalansatz.
  • Vorhersagemodell wird noch dieses Jahr für Patienten und Ärzte im Internet zur Verfügung gestellt.
  • Radikale Behandlungen können Impotenz und Inkontinenz hervorrufen.

Die Experten der international angesehenen Cambridge University haben ein Tool entwickelt, welches mit einer Genauigkeit von 90 Prozent berechnen kann, ob Menschen an einem vorliegenden Prostatakrebs versterben werden. Die Ergebnisse der Studie werden auf der European Association of Urology conference in Copenhagen vorgestellt.

Viele Menschen mit Prostata-Krebs werden nicht optimal behandelt, was zu starken Nebenwirkungen und einem unnötig hohen Risiko tödlicher Krankheitsverläufe führt. (Bild: Kateryna_Kon/fotolia.com)

Tool errechnet die besten Behandlungsmethoden

Das neue Modell berechnet auch, wie stark jeder Patient von einer Operation, Strahlentherapie oder einer anderen radikalen Behandlung profitiert, und ob eine einfache medizinische Überwachung bereits ausreichend wäre. Für etwa ein Drittel der Prostata-Patienten ist die Wahrscheinlichkeit an ihrer Erkrankung zu versterben laut Aussage der Forscher so gering, dass die Vorteile einer Behandlung nur minimal sind.

Genauigkeit beträgt 90 Prozent

Bei der aktuellen Untersuchung wurden durch das Modell 10.000 britische Patienten für ein Jahrzehnt medizinisch überwacht. Dann testeten die Forscher das Tool noch an weiteren 2.500 Männern in Singapur. Die Wissenschaftler stellten nach ihren Tests fest, dass die Genauigkeit des Tools 90 Prozent betrug.

Bisher verwendetes Modell hat nur eine Genauigkeit von 60 Prozent

Bisher wurden Männer mit Prostata-Krebs vom NHS in drei Gruppen eingeteilt, abhängig davon wie schwer ihre Erkrankung war. Das bisher verwendete Modell hatte allerdings nur eine Genauigkeit von 60 Prozent. Wenn Männer an Prostata-Krebs erkranken, hänge die Behandlung daher häufig davon ab, mit was für einem Arzt Betroffene gesprochen haben. Das neue Modell basier hingegen auf einer Reihe von messbarer Faktoren, was die richtige Entscheidung zur Behandlung erleichtere, wird Studienautor Vincent Gnanapragasam von der Cambridge University vom „Independent Online“ zitiert.

Behandlung von Prostata-Krebs basiert auf Universalansatz

Die Behandlung von Prostata-Krebs hängt noch weit hinter der Behandlung von Brustkrebs zurück. Ein Teil des Problems besteht darin, dass Brustkrebsbehandlungen zunehmend auf die Patienten zugeschnitten werden. Behandlungen von Prostata-Krebs basieren hingegen immer noch auf einem Universalansatz.

Vorhersagemodell wird noch dieses Jahr ins Internet gestellt

Das Vorhersagemodell, das später dieses Jahr für Patienten und deren Ärzte ins Internet gestellt wird, berechnet aus Alter, Krankengeschichte, Bluttests und Biopsie-Ergebnissen eines Mannes dessen persönliche Überlebenschance der nächsten zehn Jahre. Männer mit aggressivem Krebs verbessern ihre Überlebenschancen deutlich, wenn sie richtig behandelt werden. Menschen mit lokalisierten, langsam wachsenden Krebserkrankungen erfahren aber kaum einen Unterschied durch die Behandlung, weil sie häufig an anderen Ursachen sterben.

Bei manchen Menschen ist eine radikale Behandlung nicht sinnvoll

Ein 72-jähriger Mann mit sogenanntem niedriggradigem Prostata-Krebs könnte beispielsweise innerhalb eines Jahrzehnts eine Wahrscheinlichkeit von sechs Prozent haben, an Prostata-Krebs zu versterben. Zusätzlich besteht allerdings eine 24-prozentige Wahrscheinlichkeit an etwas völlig anderem zu versterben. Dies ergibt ein Gesamtsterblichkeitsrisiko von 30 Prozent. Eine radikale Behandlung wie eine Strahlentherapie oder eine Entfernung der Prostata würde seine Prostatamortalität auf nur drei Prozent senken. Sein gesamtes Sterblichkeitsrisiko würde auf 27 Prozent fallen und somit nur minimal reduziert werden.

Die für den Betroffene kräfteraubende und anstrengende Behandlung würde somit kaum Nutzen erzielen, könnte dafür aber Nebenwirkungen wie Impotenz und Inkontinenz hervorrufen. Ein 71 Jahre alter Mann mit aggressiverem Krebs würde jedoch sein Sterblichkeitsrisiko bei Prostatakrebs durch die Behandlung von 26 Prozent auf 13 Prozent senken, erläutern die Experten. Damit reduziere sich auch die Gesamtmortalität des Betroffenen von 46 Prozent auf 33 Prozent.

Tool führt zu weniger Fällen von Überbehandlung

Durch das Tool kann die Rate der Überbehandlung reduziert werden. Mindestens 30 Prozent der Männer mit einer Diagnose von Prostata-Krebs scheinen aufgrund der Modelle nicht von einer Behandlung zu profitieren, mutmaßen die Experten. Wenn Männer sehen, dass ihr absolutes Sterberisiko sehr niedrig ist, werden sie nach Ansicht der Wissenschaftler eher zustimmen, ihren Krebs nur überwachen zu lassen, anstatt sich gleich einer Behandlung zu unterziehen. Zu viele Männer unterziehen sich bisher radikalen Behandlungen für Prostata-Krebs und in einigen Fällen erleiden Betroffene dann starke Nebenwirkungen, welche ihr gesamtes Leben verändern, für eine Form von Krebs, welche ihnen niemals Schaden zugefügt hätte, so das Fazit der Forscher. (as)