Rauchstopp: Mit bestimmten Aromen die Sucht unterdrücken

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Helfen Aromen bei der Tabakentwöhnung?

Rauchen ist bekanntlich sehr schädlich für die Gesundheit und kann sogar zu einem vorzeitigen Tod führen. Viele Menschen haben aber Probleme, mit dem Rauchen aufzuhören. Forschende fanden jetzt heraus, dass das absichtliche Inhalieren eines angenehmen Aromas ausreichen kann, um das Verlangen nach einer Zigarette abzuwenden.


Bei einer aktuellen Untersuchung der University of Pittsburgh konnte festgestellt werden, dass das Inhalieren von Aromen dabei helfen kann, mit dem Rauchen aufzuhören. Die Ergebnisse der Studie wurden in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Journal of Abnormal Psychology“ publiziert.

Viele Menschen auf der Welt wollen zwar mit dem Rauchen aufhören, können allerdings ihr Verlangen nicht kontrollieren und werden deswegen rückfällig. (Bild: Ralf-Geithe/fotolia.com)

Inhalieren von Aromen als Strategie zur Raucherentwöhnung?

Wenn Menschen das Rauchen aufgeben wollen, nutzen sie häufig Nikotinkaugummis, um das vorhandene Verlangen nach Zigaretten abzuwenden. Doch kann auch das absichtliche Inhalieren eines angenehmen Aromas ausreichen, um den Drang zum Rauchen zumindest zeitweise zu reduzieren. Dies könnte in Zukunft als Teil einer wirksamen Strategie zur Raucherentwöhnung verwendet werden, berichten die Autoren der Studie. Trotz enttäuschender Rückfallraten gab es bisher nur wenige neue Ansätze zur Raucherentwöhnung im Allgemeinen. Auch die Reduzierung des Verlangens bietet nur wenige Alternativen. Die Verwendung angenehmer Gerüche zur Unterbrechung der Rauchgewohnheiten wäre eine einzigartige und neuartige Methode, um das Verlangen zu reduzieren.

Viele Menschen versuchen erfolglos das Rauchen aufzugeben

Während die Anzahl der Raucher in den letzten 50 Jahren gesunken ist, rauchen nach Angaben der U.S. Centers for Disease Control and Prevention trotzdem noch etwa 40 Millionen Amerikaner. Die meisten erwachsenen Raucher möchten aufhören und mindestens die Hälfte berichtet, dass sie dies im vergangenen Jahr versucht haben. Die Hälfte dieser Menschen habe aber bereits innerhalb von zwei Wochen einen Rückfall erlebt. „Selbst mit Nikotinersatz ist ein Rückfall üblich. Neue Interventionen sind dringend erforderlich, um den Millionen von Menschen zu helfen, die aufhören wollen, aber nicht in der Lage sind“, erklärt Stduienautor Dr. Michael Sayette von der University of Pittsburgh in einer Pressemitteilung.

232 Raucher nahmen an der Studie teil

Für die Studie wurden 232 Raucher im Alter von 18 bis 55 Jahren rekrutiert, welche bereit waren, das Rauchen aufzugeben, dafür aber kein anderes Nikotinabgabesystem wie Kaugummi oder Verdampfer verwendeten. Sie wurden gebeten, vor dem Experiment acht Stunden lang nicht zu rauchen, außerdem mussten sie eine Packung ihrer bevorzugten Zigaretten und ein Feuerzeug mitbringen. Zu Beginn rochen die Teilnehmenden zuerst verschiedene Gerüche und bewerteten, ob sie diese als angenehm empfanden. Diese Gerüche umfassten beispielsweise Schokolade, Apfel, Pfefferminze, Zitrone oder Vanille sowie einen unangenehmen chemischen Geruch, Tabak der bevorzugten Zigarettenmarke und eine neutrale Probe ohne Geruch.

Teilnehmende bewerteten ihr Rauchverlangen selber

Die Teilnehmenden wurden dann aufgefordert, eine Zigarette anzuzünden und sie in den Händen zu halten, jedoch ohne sie zu rauchen. Nach zehn Sekunden bewerteten die Teilnehmenden das Rauchverlangen auf einer Skala von 1 bis 100 verbal, bevor sie die Zigarette löschten und in einen Aschenbecher steckten. Die Teilnehmenden öffneten dann einen Behälter, der entweder den Geruch enthielt, den sie am angenehmsten bewertet hatten, den Tabakgeruch oder überhaupt keinen Geruch. An diesem Behälter rochen sie dann, bevor sie erneut ihren Rauchdrang einschätzten. Sie rochen die nächsten fünf Minuten weiter an dem Behälter und bewerteten ihr Rauchverlangen alle 60 Sekunden.

Angenehme Aromen reduzierten Rauchverlangen deutlich

Der durchschnittliche Wert des Verlangens nach dem Anzünden der Zigarette betrug 82,13. Unabhängig von dem Geruch, den die Teilnehmenden gerochen haben, verspürten sie alle einen verringerten Rauchdrang, nachdem sie an dem Behälter gerochen hatten. Das durchschnittliches Rauchverlangen von Menschen, welche die angenehmen Gerüche wahrgenommen hatten, sank erheblich (19,3 Punkte), verglichen mit Menschen, welche an Tabak (11,7 Punkte) oder dem leeren Behälter (11,2 Punkte) gerochen hatten.

Weitere Forschung ist nötig

Die Forschenden waren von den Ergebnissen nicht überrascht, da sie die Ergebnisse einer viel kleineren, explorativen Studie, die sie zuvor durchgeführt hatten, bestätigen und ausweiten, berichtet Studienautor Dr. Sayette. Angenehme Aromen scheinen zu einer stärkeren Verminderung des Verlangens zu führen, weil Raucher von den Gedanken ihres Verlangens durch Erinnerungen ablenkt werden, welche mit olfaktorischen Hinweisen verbunden sind. Es ist aber weitere Forschung nötig, um diese Hypothese zu bestätigen. „Unsere Forschung legt nahe, dass die Verwendung angenehmer Gerüche vielversprechend ist, um das Verlangen nach Nikotin bei Personen zu bekämpfen, die versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören”, sagt Dr. Sayette. (as)