Die medikamentöse Behandlung des Reizdarmsyndroms kann offenbar das frühzeitige Sterberisiko beeinflussen. Laut einer neuen Studie erhöhen manche Medikamente das Risiko signifikant, während andere problemlos erscheinen. Betroffene sollten vor der Anwendung hierüber aufgeklärt werden.
Die Auswirkungen der medikamentösen Therapien gegen das Reizdarmsyndrom auf das frühzeitige Sterberisiko hat ein Forschungsteam um Dr. Ali Rezaie vom Cedars-Sinai Medical Center untersucht. Die Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „Communications Medicine“ veröffentlicht.
Kurzübersicht der wichtigsten Inhalte
- Bei dem Reizdarmsyndrom kann die medikamentöse Behandlung auch das frühzeitige Sterberisiko beeinflussen.
- So erhöhen Antidepressiva und die Wirkstoffe Loperamid und Diphenoxylat offenbar das Mortalitätsrisiko.
- Andere Medikamente wie z. B. Colestipol, Eluxadolin, Rifaximin oder Spasmolytika zeigen hingegen keinen signifikanten Einfluss.
- Nutzen und Risiken der langfristigen medikamentösen Therapie sollten daher sorgfältig abgewogen werden.
Oft kommen Medikamente zum Einsatz
Das Reizdarmsyndrom kann in unterschiedlich starker Ausprägung auftreten und die Betroffenen im Alltag stark belasten. Die Behandlung umfasst häufig auch den Einsatz von Medikamenten, obwohl frühere Studien bereits gezeigt haben, dass bei dem Reizdarmsyndrom Ernährungsumstellungen wirksamer als Medikamente sind.
In der neuen Forschungsarbeit überprüften die Fachleute nun anhand der Daten von knapp 670.000 Personen mit Reizdarmsyndrom aus den USA, ob die Anwendung der verschiedenen Medikamente gegen das Reizdarmsyndrom möglicherweise sogar nachteilige Effekte auf die Lebenserwartung haben kann.
Die Forschenden betrachteten dabei einen Zeitraum von fast zwei Jahrzehnten, um mögliche Auswirkungen der Medikation auf die Gesamtmortalität zu ermitteln. Auch wurden bei der Auswertung Teilnehmende mit Verstopfung und mit Durchfall als unterschiedliche Subgruppen berücksichtigt.
Erhöhtes Sterberisiko mit diesen Medikamenten verbunden
Die Datenauswertung ergab, dass die Einnahme von Antidepressiva mit einem signifikant erhöhten frühzeitigen Sterberisiko verbunden war, wobei dieser Zusammenhang über alle Antidepressiva-Subklassen und demografischen Subgruppen hinweg bestand, berichtet das Team.
Bei Teilnehmenden mit Reizdarmsyndrom und Durchfall und der Einnahme der Wirkstoffe Diphenoxylat oder Loperamid sei ebenfalls ein erhöhtes Mortalitätsrisiko aufgetreten, während andere Wirkstoffe (wie Colestipol, Eluxadolin und Rifaximin) laut den Forschenden keine entsprechenden nachteiligen Auswirkungen hatten.
Auch bei der Einnahme von Spasmolytika beobachtete das Team keinen signifikanten Zusammenhang mit einem frühzeitigen Sterberisiko.
Langfristige Folgen der Medikamente
„Viele Patienten erhalten die Diagnose Reizdarmsyndrom (RDS) in jungen Jahren und nehmen unter Umständen jahrelang Medikamente ein“, betont Dr. Rezaie. Welche Folgen dies haben kann, werde mit der neuen Studie deutlich.
So war die langfristige Einnahme von Antidepressiva laut den Forschenden mit einem um 35 Prozent erhöhten Sterberisiko innerhalb des Beobachtungszeitraums verbunden und bei Loperamid und Diphenoxylat habe sich das Sterberisiko sogar rund verdoppelt. Allerdings belege die Studie keinen direkten Kausalzusammenhang.
Daher seien nun weitere Forschungsarbeiten erforderlich, um die Zusammenhänge zu überprüfen und die Personen mit dem höchsten Risiko zu identifizieren. „Reizdarmpatienten sollten nicht in Panik geraten, aber sie müssen die (..) Risiken verstehen und abwägen, wenn sie eine Langzeitbehandlung in Betracht ziehen“, resümiert Dr. Rezaie.
Berücksichtigung der Risiken erforderlich
Zwar bleibe das Gesamtrisiko trotz der signifikanten Erhöhungen eher gering, doch sollten die möglichen langfristigen Folgen der Medikamente nicht außer Acht gelassen werden. Betroffene sollten mit ihrer Ärztin bzw. ihrem Arzt über die sicherste und wirksamsten Möglichkeiten zur Linderung ihrer Symptome sprechen, empfiehlt der Studienautor.
„Die Behandlung von Reizdarmpatientinnen und -patienten sollte sich darauf konzentrieren, die zugrunde liegenden Ursachen zu erkennen und die sichersten, evidenzbasierten Optionen anzuwenden, anstatt sich langfristig auf eine einzige Medikamentenklasse zu verlassen“, betont Dr. Rezaie.
In zukünftigen Behandlungsleitlinien für das Reizdarmsyndrom sei zudem eine stärkere Berücksichtigung der Langzeitsicherheit der Medikamente erforderlich. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Cedars-Sinai Medical Center: Some common IBS treatments linked to higher risk of death (08.04.2026), eurekalert.org
- Sepideh Mehravar, Yee Hui Yeo, Mark Pimentel, Parnian Naji, Wee Han Ng, Nils Burger, Will Takakura & Ali Rezaie: Association of pharmacotherapy with all-cause mortality among patients with irritable bowel syndrome; in: Communications Medicine (veröffentlicht 08.04.2026), nature.com
- Sanna Nybacka, Hans Törnblom, Axel Josefsson, Johann P Hreinsson, Lena Böhn, et al.: A low FODMAP diet plus traditional dietary advice versus a low-carbohydrate diet versus pharmacological treatment in irritable bowel syndrome (CARBIS): a single-centre, single-blind, randomised controlled trial; in: Lancet Gastroenterology & Hepatology (veröffentlicht 18.04.2024), thelancet.com
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.







