Durchbruch: Resistenz gegen das Sättigungshormon Leptin verursacht Übergewicht

Alfred Domke

Wenn man nicht satt wird: Leptin-Resistenz verursacht Übergewicht

Die Zahl der Übergewichtigen in Deutschland ist nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau. Viele Betroffene vermissen das Gefühl, satt zu werden. Forscher haben nun herausgefunden, dass die Resistenz gegen das Sättigungshormon dabei eine wichtige Rolle spielt.


Ungesundes Übergewicht

Wenn man bedenkt, dass Übergewicht beziehungsweise Adipositas zu gesundheitlichen Problemen wie Bluthochdruck und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie etwa Herzinfarkt, führen kann, gibt es wahrlich genügend Gründe, überflüssige Pfunde los zu werden. Doch viele übergewichtige Menschen vermissen das Gefühl, satt zu werden. Bisher nahm man an, das läge an einem gestörten Transport des Sättigungshormons Leptin ins Gehirn. Das ist so aber nicht richtig, wie deutsche Forscher nun zeigen konnten.

Bisher nahm man an, dass der Transport des Sättigungshormons Leptin ins Gehirn dafür verantwortlich ist, dass viele Übergewichtige das Gefühl vermissen, satt zu werden. Das ist so aber nicht richtig, wie Forscher nun zeigen konnten. (Bild: Kurhan/fotolia.com)

Warum viele Übergewichtige nicht satt werden

Bisher ist man davon ausgegangen, dass ein gestörter Transport des Sättigungshormons Leptin ins Gehirn dafür verantwortlich ist, dass Übergewichtige einfach nicht mehr satt werden.

Doch eine Gruppe von Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) konnte nun mithilfe eines neuen 3D-Bildgebungsverfahren zeigen, dass dies so nicht richtig ist.

Wie die Forscher in einem Artikel in der Fachzeitschrift „International Journal of Obesity“ beschreiben, scheint die Ursache in den Nervenzellen zu liegen.

Transport von Leptin sichtbar gemacht

„In dicken Mäusen und Menschen wird Leptin in hoher Konzentration vom Fettgewebe in die Blutbahn freigesetzt, aktiviert aber nicht deren Sättigungszentren im Gehirn“, erklärt Luke Harrison, Doktorand am Helmholtz Zentrum München und Erstautor der Studie in einer Mitteilung.

„Bislang ging man davon aus, dass die Ursache ihrer Hormonresistenz ein gestörter Transportprozess ist“, so der Experte.

Da das Leptin nur noch eingeschränkt die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann, so die Theorie, kommt weniger an in den Sättigungszentren.

Doch mit einem neuartigen 3D-Verfahren konnten die Forscher den Transport von Leptin erstmals sichtbar machen und untersuchen und diese Annahme widerlegen.

Ursache muss in den Nervenzellen liegen

Das Forscherteam unter der Leitung von Dr. Paul Pfluger, Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung, hat mit dem neuen Bildgebungsverfahren nachgewiesen, dass Leptin sowohl in dünnen als auch in dicken Mäusen in ausreichender Menge in das Gehirn gelangt.

Laut den Wissenschaftlern muss die Ursache für die Störung im Essverhalten also in den Nervenzellen selber liegen.

„Wir können die Ursache von Leptin-Resistenz nun eingrenzen und unsere Forschung auf die molekularen Mechanismen innerhalb der Nervenzellen fokussieren“, so Dr. Paul Pfluger. (ad)