Rückenschmerzen beim Schneeschippen mit diesen Tipps vermeiden

Schneeschaufeln kann den Rücken enorm belasten. Fachleute erklären, wie sich Rückenschmerzen vermeiden lassen. (Bild: Andriy Blokhin/stock.adobe.com)

Rückenschmerzen beim Schneeschaufeln lassen sich vermeiden

Nachdem sich viele Menschen eine weiße Weihnacht gewünscht hatten und diese nicht bekamen, ist nun der „richtige“ Winter eingekehrt. Die weiße Pracht ist zwar schön anzusehen und nicht nur Kinder lieben es, im Schnee zu spielen, doch das Schneeräumen ist enorm anstrengend und kann unter anderem zu Rückenschmerzen führen. Doch das muss nicht sein: Fachleute haben einige Tipps, die dabei helfen Rückenbeschwerden beim Schneeschippen zu vermeiden.

Erst kürzlich wurde über mögliche gesundheitliche Gefahren berichtet, die in der derzeitigen Kältewelle drohen. So wurde etwa darauf hingewiesen, dass Menschen mit Herzproblemen große Anstrengungen wie Schneeschaufeln vermeiden sollten, da dabei unter anderem der Herzmuskel überlastet werden kann. Doch auch bei Gesunden kann das Schneeschippen den Körper belasten und zu Rückenschmerzen führen. Fachleute erklären, wie sich diese vermeiden lassen.

Muskeln sind im Winter schlechter trainiert

Der derzeit starke Schneefall veranlasst viele Bürgerinnen und Bürger dazu, den Schnee zu räumen und damit für sichere Gehwege zu sorgen. Auf den ungewohnten Bewegungsablauf und die schweren Schneemassen auf der Schaufel sind Muskeln und Gelenke aber selten vorbereitet.

Hinzu kommt der ohnehin schlechtere Trainingszustand der Muskulatur durch den Bewegungsmangel in den kalten Wintermonaten. Die Folge können Rückenschmerzen sein.

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) gibt in einer aktuellen Mitteilung Tipps zur Vermeidung von Rückenschmerzen beim Schneeräumen.

Vermeidbare Fehler

„Wir raten dazu, den Rücken das ganze Jahr über zu stärken und zu trainieren. Dann können auch kurzzeitige körperliche Belastungssituationen, wie Schnee schippen, unter Berücksichtigung einiger Verhaltensregeln problemlos bewältigt werden“, erklärt Prof. Dr. Bernd Kladny, stellvertretender DGOU-Generalsekretär und Chefarzt der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie der m&i-Fachklinik Herzogenaurach.

Die Schneeräumpflicht zwingt viele dazu – ob trainiert oder untrainiert –, die Schaufel in die Hand zu nehmen und die Schneemassen zu beseitigen. Der Rücken wird dabei einer starken Belastungsprobe ausgesetzt.

Viele Menschen planen bei nächtlichem Schneefall keine Zeit für die Schneeräumaktion am nächsten Morgen ein. Der Tag beginnt damit für sie stressig. Unvorbereitet rücken sie dem Schnee zu Leibe: ohne Warm-up für die Muskulatur und – da es schnell gehen soll – mitunter nur leicht bekleidet.

Durch falsche Drehungen, ruckartige Bewegungen oder das Heben zu schwerer Schneelasten kann es zu Zerrungen sowie Verletzungen der Muskulatur bis hin zu Blockierungen von Wirbeln oder aber zum Hexenschuss kommen. Außerdem wird der Rücken beim Arbeiten in gebückter Haltung unnötig belastet.

Alles vermeidbare Fehler, meint Dr. Christopher Spering, Leiter der DGOU-Sektion Prävention und Oberarzt an der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG): „Viele überschätzen ihre Fitness. Wir müssen unseren Rücken auf die ungewohnte Belastung vorbereiten – direkt vor dem Schneeschieben aber auch das ganze Jahr über.“

Rücken schonen

Die Fachleute geben Tipps, damit der Rücken beim Schneeschippen geschont bleibt:

Des Weiteren weisen die Expertinnen und Experten darauf hin, dass eine leichte Schippe mit ergonomischer Form Wirbelsäule und Gelenke entlastet und rutschfeste Schuhe für einen sicheren Stand sorgen und Ausrutschen vermeiden.

Weit verbreiteter Hexenschuss

Laut der DGOU leiden etwa 80 bis 85 Prozent aller Menschen irgendwann in ihrem Leben an Rückenschmerzen. Tritt ein heftiger, intensiver Schmerz im Lendenwirbelbereich ein, wird im Volksmund von einem Hexenschuss gesprochen.

Dahinter verbirgt sich eine sogenannte akute Lumbalgie. Dabei handelt es sich um eine Muskelverspannung nach einer plötzlichen Bewegung oder falschen Belastung. Typisch sind starke Schmerzen beim Aufrichten aus einer gebeugten Haltung. Des Weiteren kommt es zu Bewegungseinschränkungen im Rückenbereich. Begünstigt wird ein Hexenschuss durch eine schwache Rücken- und Bauchmuskulatur sowie einen bewegungsarmen Lebensstil.

Ein sogenannter Hexenschuss ist zwar sehr schmerzhaft, doch meist harmlos. Den Fachleuten zufolge ist wichtig, trotz der Schmerzen nicht in eine Schonhaltung zu verfallen, sondern sich weiter moderat zu bewegen. Körperliche Anstrengungen sind aber zu vermeiden.

In den ersten zwei bis drei Tagen kann die Einnahme eines Schmerzmittels für Linderung sorgen. Auch Hausmittel gegen Rückenschmerzen können helfen: So ist etwas Wärme durch ein heißes Bad oder Rotlichtanwendung wohltuend und fördert den Heilungsprozess. In der Regel verschwinden die Schmerzen dann nach wenigen Tagen von selbst wieder.

Wenn die Schmerzen nach einigen Tagen nicht wieder abklingen, empfiehlt es sich, fachärztliche Hilfe zu suchen. Denn dann kann auch eine ernsthafte Erkrankung, wie zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall, hinter einem Hexenschuss stecken. Besonders bei sehr starken Schmerzen und insbesondere Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen ist ein Besuch bei einer Orthopädin oder einem Orthopäden dringend angeraten.

Ein Hexenschuss ist grundsätzlich auch Warnsignal, mehr für die Stärkung des eigenen Rückens zu tun. Die DGOU rät daher zu ausreichend Bewegung auch in der kalten Jahreszeit. Skilanglauf, Winterspaziergänge oder Nordic Walking stärken den Rücken, wie auch Schwimmen (wenn dies nach dem Lockdown wieder möglich ist) oder Treppen steigen. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Alfred Domke
Quellen:

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.