Schilddrüsen-Beschwerden besser erkennen

Ultraschall erkennt Schilddrüsenerkrankungen eindeutiger

Die Schilddrüse ist eine wichtige Hormondrüse in unserem Organismus, die eine Vielzahl von Stoffwechselfunktionen übernimmt. Leider ist das Stoffwechselorgan auch anfällig für Erkrankungen und Funktionsstörungen. Schätzungen zufolge leidet rund jede dritte Person in Deutschland an einer Schilddrüsenerkrankung oder Störung. Ein Experte stellt verschiedene Ultraschallverfahren vor, mit denen die Erkrankungen besser aufdeckt und gezielter voneinander abgrenzt werden können.


Die Beschwerden, die von einer Schilddrüse ausgehen, können vielfältiger Natur sein. Neben einer geschwollenen Schilddrüse, kann es zu Knotenentwicklungen bis hin zu bösartiger Tumorbildung kommen. Noch häufiger kommt es zu funktionellen Störungen wie einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder einer Überfunktion (Hyperthyreose). Daneben gibt es auch noch die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow, die häufig mit einer Funktionsstörung verwechselt wird.

Von der Schilddrüse können zahlreiche Beschwerden ausgehen, die oft nicht oder nicht richtig erkannt werden. Ein Experte erklärt, wie sich die zugrundeliegende Erkrankung eindeutig bestimmen lässt. (Bild: Adiano/fotolia.com)

Die Schilddrüse beeinflusst viele Prozesse im Körper

Professor Dr. med. Josef Menzel ist Leiter der Medizinischen Klinik II am Klinikum Ingolstadt. Er erklärt, warum unsere Schilddrüse so wichtig ist und wie sich die unterschiedlichen Erkrankungen der Schilddrüse bemerkbar machen. „Die Schilddrüse bildet unter anderem die jodhaltigen Hormone T3 (Triiodthyronin) und T4 (Thyroxin), die den Stoffwechsel, den Kreislauf und die Stimmung beeinflussen“, berichtet der Experte in einer Pressemitteilung.

Wie äußern sich die verschiedenen Schilddrüsen-Beschwerden?

„Bei einer Überfunktion kommt es zu Haarausfall, Reizbarkeit, übermäßigem Schwitzen (Wärmeunverträglichkeit), Zittern, Bluthochdruck, schnellem Puls, Heißhunger, Durchfall und Muskelschwäche“, so der Professor. Eine Unterfunktion zeige sich durch Haarausfall, Depression, Kältegefühl, verlangsamten Puls, niedrigen Blutdruck, Gewichtszunahme, Verstopfung, hohe Blutfettwerten und Muskelschwäche. Daneben gebe es auch noch über 600.000 vorwiegend weibliche Betroffene, die unter der Autoimmunkrankheit Morbus Basedow leiden, die oftmals mit einer Schildrüsenüberfunktion oder Unterfunktion verwechselt wird. Emotionale Verletzbarkeit, Haarausfall, innere Unruhe, Schwitzen, Zittern und Durchfall seien hier die Leitsymptome.

Morbus Basedow wird oft nicht erkannt

„Normalerweise bilden die Immunzellen des Körpers Antikörper gegen Bakterien oder Viren; bei einer Autoimmunkrankheit wie dem Morbus Basedow greifen sie jedoch körpereigene Zellen an“, erklärt der Facharzt. So komme es zu unkontrollierten Reaktionen der Schilddrüsenhormone. Wenn eine solche Autoimmunkrankheit vorliegt, binden sich laut Menzel Antikörper an die Zellen der Schilddrüse. Infolge werden bestimmte Rezeptoren entweder angeregt oder unterdrückt. Dadurch könne es entweder zu Symptomen einer Unterfunktion oder einer Überfunktion kommen.

Wie die einzelnen Erkrankung voneinander abgegrenzt werden

„Um eindeutig herauszufinden, ob ein Patient tatsächlich an einem Morbus Basedow oder an einer anderen Schilddrüsenerkrankung leidet, führt der Arzt diverse Untersuchungen durch“, berichtet Menzel. Hierzu kommen verschiedene Diagnosemethoden zum Einsatz. Neben einer körperlichen Untersuchung könne auch eine Blutuntersuchung wichtige Hinweise liefern. Besonders hervor hebt der Experte die Diagnose per Ultraschall.

Mit Ultraschall schnelle und sichere Diagnosen stellen

„Mit Hilfe des Ultraschalls können wir die Diagnose schnell und sicher stellen“, betont Professor Menzel. Mit der sogenannten Farbdopplersonografie könne man die Struktur des Gewebes sehr exakt dargestellen. Daraus ließen sich Rückschlüsse ziehen, ob beispielsweise eine für die Krankheit typische, massiv gesteigerte Durchblutung des Organs vorliegt.

Ultraschallgezielte Feinnadelpunktion

„Endgültige Sicherheit gewinnt der Spezialist mit der einfachen, sicheren und schnellen ultraschallgezielten Feinnadelpunktion“, so der Facharzt. Hierbei werde unter Ultraschallüberwachung ein kleines Gewebestück entnommen, dass dann im Labor untersucht werden kann. So könne eindeutig die vorliegende Krankheit bestimmt werden. „Damit ist die Ultraschalluntersuchung neben der klinischen Symptomatik und den Laborparametern eine tragende Säule der Diagnostik von Schilddrüsenerkrankungen“, resümiert Menzel.

Wie wird Morbus Basedow behandelt?

In der Regel erhalten Basedow-Patienten zunächst Medikamente, sogenannte Thyreostatika, die die Aktivität der Schilddrüse herabsetzen. „Wenn es nach einem Zeitraum von etwa eineinhalb Jahren nicht zu einer nachhaltigen Besserung kommt, muss die Schilddrüse langfristig entweder durch eine Operation oder durch eine Behandlung mit radioaktivem Jod (Radiojodtherapie) verkleinert werden“, erläutert der Klinikleiter. (vb)