Geschwollene Schilddrüse – Kropf: Ursachen, Symptome und Behandlung

Eine Schwellung der Schilddrüse, in der Volkssprache als Kropf bekannt, hat viele mögliche Ursachen. Häufig liegt ein Jodmangel vor, regelmäßig eine Erkrankung der Schilddrüse, sehr selten ein Tumor.


Die Schilddrüse

Die Schilddrüse liegt oben im Hals und ist ein Hormonspeicher, genauer, sie speichert Jod und jodhaltige Hormone. Ohne diese kann der Körper nur sehr schlecht funktionieren. Deshalb ruft eine unzureichend funktionierende Schilddrüse diverse Krankheiten hervor, die sich auf unterschiedliche Organe des Körpers auswirken.

Die Schilddrüse ist eine schmetterlingsförmige Hormondrüse. Sie befindet sich am Hals, unterhalb des Kehlkopfes. (Bild: Kateryna_Kon/fotolia.com)

Jodmangel

Sehr oft liegt ein Jodmangel vor, wenn unsere Schilddrüse anschwillt. Außer einer vergrößerten Schilddrüse, können sich auch Knoten in dem schmetterlingsförmigen Organ und Karzinome bilden. Bei Kindern kann ein Jodmangel zu schwersten geistigen Schäden führen, besonders zu einer Unterentwicklung, dem „Kretinismus“.

Die Schilddrüse braucht Jod, um die Hormone zu produzieren. Die Schilddrüsenhormone fördern die Bildung der Knochen, die Entwicklung des Gehirns und wirken in den Energiestoffwechsel hinein.

Wir nehmen Jod mit der Nahrung auf, durch den Magen und Darm kommt es in das Blut und mit dem Blut in die Schilddrüse. Diese nimmt das Spurenelement auf, produziert mit dessen Hilfe die Hormone und gibt sie in das Blut ab.

Ein Mangel an Schilddrüsenhormonen kann vor allem bei Kleinkindern zu schwersten Gehirnschäden führen. Besonders Schwangere, Stillende und kleine Kinder brauchen deshalb ausreichend Jod, sei es in Form von Tabletten oder durch jodreichen Fisch wie Seetang.

Jodmangel führt anfangs erst einmal zu einer Unterversorgung der Schilddrüse. Die Symptome sind nicht offensichtlich; sie beginnen langsam und treffen auch auf viele andere Beschwerden zu. Dazu gehören gesteigerte Müdigkeit, Erschöpfung trotz langer Schlafphasen, gestörte Konzentration sowie kalte und erbleichte Haut, die zudem trocken wirkt. Weitere Anzeichen können eine hohe Sensitivität für Kälte, geschwollene Augen bzw. Augenlider und Heiserkeit sein.

Die Schilddrüse stellt sich auf die chronische Unterversorgung ein: Sie muss „mehr arbeiten“, um die Schilddrüsenhormone zu produzieren, und deshalb vergrößern sich ihre Zellen. Die Drüse wächst.

Liegt ein Jodmangel vor, muss die Schilddrüse mehr arbeiten und vergrößert sich. (Bild: Kateryna_Kon/fotolia.com)

Der Kropf

Unübersehbar ist ein Jodmangel, wenn sich ein Kropf bildet. Allerdings ist eine solche deutliche Vergrößerung kein Beleg für eine Schilddrüsenüberfunktion oder -unterfunktion, sondern lediglich für den Jodmangel. Die Ursache für den Mangel muss der Arzt herausfinden.

Kropf leitet sich ab vom indogermanischen Wortstamm „greup“. Das bedeutet „krümmen“ und bezieht sich auf die Venen, die bei einer Schwellung der Schilddrüse gekrümmt verlaufen. Ein anderer Begriff für diese Schwellung ist „Struma“, das lateinische Wort für eine Drüsenschwellung.

Eine solche Schilddrüsenvergrößerung kann sich in jedem Lebensalter bilden, das größte Risiko besteht allerdings in der Pubertät, bedingt durch das starke Schwanken des Hormonpegels in dieser Phase.

Ein Kropf liegt vor, wenn der Umfang der Schilddrüse wesentlich größer ist, als es bei diesem Geschlecht und in diesem Alter normal wäre. Bei Frauen beginnt ein vergrößertes Volumen bei mehr als 18 ml, bei Männern bei mehr als 25 ml. Ab einem Volumen von ungefähr 40 ml ist die Vergrößerung sichtbar – sieht man den Kropf also von außen, dann ist die Schilddrüse schon massiv angeschwollen.

Ein Kropf ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Die Schilddrüse versucht so, den Mangel an Jod und Schilddrüsenhormonen wieder auszugleichen, indem sie das Gewebe vergrößert, das diese Hormone produziert.

Die Struma kann jedoch auf Dauer das Gewebe der Schilddrüse umgestalten. So entstehen bisweilen Bereiche, die unkontrolliert Hormone abgeben. Aus einer geschwollenen Schilddrüse bildet sich dann eine handfeste Schilddrüsenüberfunktion.

Unterschiedliche Formen von Schilddrüsenschwellungen

Die Medizin unterscheidet Schwellungen der Schilddrüse nach ihrer Größe und Form. So ist die Struma diffusa gleichmäßig vergrößert, während die Struma nodosa Knoten bildet. Dabei enthält eine Struma multinodosa mehrere Knoten, eine Struma uninodosa einen einzigen.

Bei einer euthyreoten Struma sind die Stoffwechselwerte normal, eine hypothyreote Struma zeigt eine Schilddrüsenunterfunktion an, eine hyperthyreote Struma hingegen eine Überfunktion. Eine Struma maligna ist eine Schwellung, in der sich ein bösartiger Tumor befindet. Eine blande Struma hingegen ist gutartig, nicht entzündet, und der Stoffwechsel funktioniert normal.

Der Grad der Schwellung

Ärzte unterscheiden zwischen einer Schwellung der Schilddrüse von Grad 0, Grad I, Grad II und Grad III.

Bei Grad 0 ist die Vergrößerung weder sicht- noch tastbar, sondern lässt sich nur im Ultraschall feststellen. Grad I eine tastbare Schwellung, die gerade noch sichtbar ist, wenn die Betroffenen den Kopf zurückbeugen. Eine Vergrößerung mit Grad II lässt sich sowohl erkennen als auch ertasten. Bei Grad III liegt eine starke Vergrößerung der Schilddrüse vor, der Kropf ist hier auch aus Entfernung sichtbar.

Eine Schilddrüsenschwellung mit Grad III ist sehr stark ausgeprägt und deutlich erkennbar. (Bild: chatuphot/fotolia.com)

Kalte und heiße Knoten

Bilden sich Knoten, so müssen diese nicht notwendig gefährlich sein. Ärzte unterscheiden zwischen kalten, warmen und heißen Knoten. Kalte Knoten produzieren kaum Schilddrüsenhormone, warme Knoten stellen ungefähr so viele Hormone her wie das übrige Gewebe der Schilddrüse; heiße Knoten schütten die Hormone im Übermaß aus, ohne dass sie Signale vom Körper über den Bedarf aufnehmen.

Der Hormonüberschuss äußert sich durch innere Unruhe, Gewichtsverlust, erhöhten Puls, ständigen Durst und rapiden Abfall der Leistungen. Die Betroffenen können nicht oder nur unregelmäßig schlafen.

Knoten in der Schilddrüse treten oft auf, bei immerhin jedem fünften Menschen zwischen 20 und 60, bei über 70jährigen sogar bei jedem zweiten Menschen. In der Regel liegt bereits eine genetische Disposition vor, und die tritt in Aktion, wenn es an Jod mangelt.

Behandlung bei geschwollener Schilddrüse

Eine Überfunktion der Schilddrüse lässt sich mit einer Radiojodtherapie, durch Thyreostatika oder im fortgeschrittenen Verlauf mit einer Operation zurückdrängen. Eine Operation liegt unbedingt an, wenn der Verdacht auf bösartige Wucherungen vorliegt, und auch, wenn die Struma so groß wird, dass sie die Funktionen anderer Organe beeinträchtigt. Zum Beispiel kann ein Kropf zu Atemproblemen führen, weil er die Luftröhre blockiert oder zu Kreislaufproblemen, weil das Blut nicht zum Herz zurückfließt.

Ist die Operation vollzogen, sorgen Medikamente dafür, dass die Hormone nicht wieder überschießen. Ist die Bildung der Thyreozyten gestört, kann sich ein Tumor in der Schilddrüse entwickeln.

Schilddrüsenkrebs

Die Zellen der Schilddrüsen können sich pathologisch entwickeln und ein Karzinom bilden. Wenn das Peptidhormon Calcitonin in den C-Zellen der Schilddrüse, überschießt, fördert das den Schilddrüsenkrebs. Dabei ist Calcitonin erst einmal nicht schädlich, sondern lebensnotwendig. Es reguliert nämlich den Calcium- und Phosphathaushalt.

Die Wissenschaft unterschiedet vier Formen des Schilddrüsenkrebses: Das follikuläre Karzinom, das papilläre Karzinom, das anaplastische Karzinom und das medulläre Karzinom. Bei diesen vier Formen liegen unterschiedliche Ursachen vor, je nachdem, welches Hormon in falschem Ausmaß produziert wird. Eine weitere Krebsform entsteht durch Veränderungen des Bindegewebes. Diese heißt Sarkom.

Menschen, die höheren radioaktiven Strahlenmengen ausgesetzt wurden, haben ein erhöhtes Risiko für Schilddrüsenkrebs. (Bild: Bobo/fotolia.com)

Radioaktivität

Eine Ursache für Schilddrüsentumore ist ionisierende Strahlung. So gehörte Schilddrüsenkrebs zu den typischen Erkrankungen von Menschen, die die Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki überlebten, sowie von Personen, die der nuklearen Strahlung beim GAU in Tschernobyl ausgesetzt waren.

Für den nuklearen Notfall stehen deshalb in Deutschland Kaliumjodtabletten bereit, die bei einem atomaren GAU eine Jodblockade der Schilddrüse auslösen.

Symptome von Schilddrüsenkrebs

Schilddrüsenkrebs zeigt sich durch Schluckbeschwerden. Je mehr der Tumor wächst, umso weniger Raum bleibt für die Speiseröhre. Dabei fühlen sich die Betroffenen, als hätten sie einen Fremdkörper in der Speiseröhre bzw. einen Kloß im Hals stecken.

Atemnot, Kurzatmigkeit und Atemaussetzer können ebenfalls auf einen Tumor in der Schilddrüse hinweisen. Hier drückt das Karzinom auf die Luftröhre; drückt der Krebs auf die Stimmbänder, dann ist Heiserkeit die Folge. Hier sollten Sie Verdacht schöpfen, wenn Antibiotika oder Halstabletten die Heiserkeit nicht beenden und zusätzlich keine Infektion vorliegt.

An den Nervenbahnen zeigt sich der Tumor bisweilen durch verengte Pupillen, eingesunkene Augenhöhlen und hängende Oberlider.

Eine Lymphknotenschwellung in der Nähe der Schilddrüse ist ebenfalls ein Symptom von Karzinomen.

Wann tasten Sie das Karzinom?

Wie auch bei anderen Krebsformen treten die Symptome erst auf, wenn die Krankheit bereits weit fortgeschritten ist. Bei einer Größe von 1,5 cm können Sie einen Tumor in der Schilddrüse bereits ertasten – dann wirkt er sich aber meist noch nicht auf Nerven, Speise- oder Luftröhre aus.

Vorbeugung

Um einer Schwellung der Schilddrüse vorzubeugen, hilft vor allem Jod. Sie können sich dieses mit jodiertem Kochsalz zuführen oder mit speziellen Jodtabletten. Sprechen Sie sich aber mit ihrem Arzt ab: Zu viel Jod ist ebenso ungesund wie zu wenig. (Dr. Utz Anhalt)

Referenzen
https://www.healthline.com/health/common-thyroid-disorders#overview1
http://www.jod.de/jod-mangel/jodmangel-verursacht-viele-krankheiten
https://www.medicinenet.com/thyroid_disorders/article.htm
https://www.webmd.com/women/guide/understanding-thyroid-problems-basics#1