Schorf aus der Tube: Neues Bio-Pflaster aus Eigenblut

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Neue Möglichkeiten in der Wundheilung

Das klassische Pflaster könnte bei der Wundversorgung bald ausgedient haben. Ein deutsches Forschungsteam entwickelte kürzlich ein biologisches Pflaster aus Eiweiß, dass wie körpereigener Schorf wirkt. Das Eiweißgerüst kann sogar aus dem eigenen Blut der Benutzenden hergestellt werden und so die Wundheilung beschleunigen.


Einem Team der Universität Bremen gelang es, den natürlichen Prozess der Wundversorgung nachzuahmen. Sie entwickelten ein dreidimensionales Eiweißgerüst, dass nach dem selben Prinzip wie Schorf funktioniert. Den Forschenden zufolge kann dieses Gerüst aus dem Blut von Menschen hergestellt werden, sodass jede/r über sein eigenes Bio-Pflaster verfügen könnte, welches vom Körper optimal angenommen wird. Die Studienergebnisse wurden kürzlich auf der Webseite der „International Society for Biofabrication“ veröffentlicht.

Der Körper hat ein gutes Konzept zur Wundheilung: Schorf. Diesen Prozess machte sich ein deutsches Forschungsteam zunutze, um ein Biopflaster aus Proteinen zu entwickeln. (Bild: Chris Hill/fotolia.com).

Inspiriert von der körpereigenen Heilung

Manchmal geschieht es schneller als man denkt: Ein falscher Schnitt, ein Sturz oder ein Kratzer und schon entsteht eine blutende Wunde. Bei kleinen Blessuren regelt dies der Körper von selbst. Dabei werden im Blutplasma enthaltene Proteine umgewandelt und so entsteht eine Kruste als Wundverschluss, die allgemein als Borke oder Schorf bezeichnet wird. Diesen natürlichen Prozess machte sich das Bremer Forschungsteam zunutze, um ein biologisches Pflaster herzustellen, das diesen Effekt nachahmt.

Unser Blut bildet zur Wundheilung ein Gewebe aus Proteinen

Genauer betrachtet wird das im Blutplasma enthaltene Protein Fibrinogen in Fibrin umgewandelt, erklärt die Bremer Forschungsgruppe. Dabei entstehe ein natürliches Gewebe aus Nanofasern zum Wundverschluss und zur Unterstützung der Heilung – der Schorf. Dem Team um Professorin Dorothea Brüggemann und den Doktoranden Karsten Stapelfeldt ist es kürzlich gelungen, ein solches biologisches Fibrinogen-Netzwerk im Labor herzustellen. Die Forschenden sehen in dieser Entdeckung eine neue Zukunft für die Wundversorgung.

Das Pflaster aus Eigenblut

„Normalerweise hilft man sich bei Wunden mit Pflastern und Kompressen, die selbst ja auch ein Gewebe darstellen – allerdings ein synthetisches“, berichtet Professorin Brüggemann in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen. Mit dem neuen Verfahren seien biologische Wundauflagen möglich, die sogar aus dem eigenen Blut eines Menschen gebildet werden könnten. So könnte in Zukunft jeder über sein eigenes biologisches Pflaster verfügen, dass ideal auf den eigenen Körper abgestimmt ist.

Weltneuheit

„Es ist uns gelungen, eine mehrere Mikrometer dicke Schicht des natürlichen Fibrinogengerüsts herzustellen, also etwas, das man real in die Hand nehmen kann“, ergänzt Karsten Stapelfeldt. Dies sei die Grundlage für eine natürliche Wundauflage. „Überspitzt gesagt: Schorf aus der Tube“, so der Wissenschaftler. So etwas habe es bisher noch nicht gegeben.

Biopflaster muss noch eingehend getestet werden

„Wir werden jetzt testen, wie Zellkulturen auf unsere Fibrinogen-Netzwerke reagieren, wie sie unter welchen Bedingungen wachsen und wie die mechanische Stabilität der Gerüste ist“, erläutert Dorothea Brüggemann die nächsten Schritte. „Vielleicht wird eines Tages Menschen schon als Säugling etwas Blut abgenommen, um solche Fibrinogenpflaster für sie ‚auf Lager‘ zu haben“, resümiert die Forscherin. Das Bio-Pflaster wurde bereits zur europäischen Patentanmeldung eingereicht. (vb)

Wichtiger Hinweis:
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