Siamesische Zwillinge erfolgreich getrennt – Viele wollen aber zusammen bleiben!

Siamesische Zwillinge – Trennung verlief erfolgreich!

Die siamesischen Zwillinge Nima und Dawa auf Bhutan waren am Oberkörper miteinander verwachsen. Jetzt wurden sie in einer langen Operation in Melbourne getrennt, und bisher haben sie den Eingriff gut überstanden.


Eine Leber, ein Darm

Nima und Dawa teilten sich eine Leber und einen Darmtrakt. Beide konnten die Chrirurgen erfolgreich trennen. Bis auf kleinere Probleme verlief die Operation erfolgreich.

Eineiige Zwillinge entstehen als getrennte Embyronen in einer Eizelle. Verläuft diese Trennung unvollständig, wachsen sie zusammen. (Bild: konradbak/fotolia.com)

Was sind siamesische Zwillinge?

Siamesische Zwillinge sind eine Fehlentwicklung, bei der in einem frühen Stadium die Embryonen zusammen wachsen, manche nur am Gewebe, andere teilen Organe, Arme und Beine.

Woher kommt der Name?

Bekannt wurden Chang und Eng Bunker. Beide kamen 1811 in Thailand zur Welt. Das Land hieß damals Siam, woraus die Bezeichnung Siamesische Zwillinge folgte.

Wie entstehen siamesische Zwillinge?
Eineiige Zwillinge entstehen, wenn sich die befruchtete Eizelle in zwei eigenständige Embryonen aufteilt. Sind diese Embryoblasten unvollständig getrennt, und dies nach dem 13. Tag, dann bleiben sie verbunden.

Wie häufig wachsen Föten zusammen?

Eine solche Fehlbildung kommt ungefähr bei 1 von 60.000 bis zu 1 von 200.000 Fällen vor, bei eineiigen Zwillingen bei 1 von 300. Drei von zehn sterben vor der Geburt, und so liegt die Rate bei einem Paar siamesischer Zwillinge pro 1 Million Geburten.

Welche Verwachsungen gibt es?

Die meisten dieser Embryonen wachsen im Brustbereich zusammen (70 Prozent), dann folgen Verwachsungen an der Hüfte (5 Prozent) und am Kopf (weniger als 2 Prozent). Seltener verbinden sich Bauch oder Steiß.

Der Januskopf

Als Januskopf bezeichnen wir siamesische Zwillinge, bei denen die Gesichter in unterschiedliche Richtungen blicken. Namensgeber ist der antike Gott Janus. Manche Mythenforscher erklären die Imagination über solche Götter und Fabelwesen sogar aus Fehlbildungen bei Säuglingen.

Wie hoch ist die Sterblichkeit?

Wenn eine Trennung möglich ist und in den ersten drei Wochen nach der Geburt erfolgt, liegt die Sterberate bei 50 Prozent, ab der vierten Wochen über 90 Prozent. So scheuen viele das Risiko. Manche Betroffene sehen die Trennung von ihrem siamesischen Zwilling auch aus anderen Gründen kritisch und würden es bevorzugen, wenn keine Trennung erfolgt.

Wann lassen sich die Zwillinge trennen?

Die Zwillinge lassen sich trennen, wenn beide nach der Trennung alle lebenswichtigen Organe besitzen. Das Aufteilen einer gemeinsamen Leber wie bei Nima und Dawa galt noch vor kurzem als unmöglich. Die zum Leben notwendigen Prozesse wie der Blutkreislauf dürfen nicht untrennbar verflochten sein. Am einfachsten ist es, wenn die Zwillinge nur oberflächlich im Gewebe verwachsen sind.

Frühe Zeugnisse

Siamesische Zwillinge gibt es auch unter Tieren. Aus dem antiken Peru kennen wir Darstellungen solcher Paare, ebenso aus dem 11. Jahrhundert. Dort war ein siamesisches Zwillingspaar in Biddenden als Mary und Eliza Chulkhorst bekannt. Im 17. Jahrhundert zogen Lazarus und Joannes Baptista Colloredo zusammen gewachsen von Jahrmarkt zu Jahrmarkt. 1709 wurde ein Schwesternpaar aus Ungarn auf der Leipziger Ostermesse ausgestellt.

Hope und Faith

Die australischen Schwestern Hope und Faith kamen 2014 zur Welt. Ihre Gehirne und Gesichter waren getrennt, aber sie lebten in einem Körper. Zwar waren sie eine Woche nach ihrer Geburt noch gesund, starben aber nur zwei Wochen später. 2015 kam in Bangladesh ein Baby mit zwei Köpfen zur Welt. (Dr. Utz Anhalt)