Während lange die Annahme galt, dass eine proteinreiche Ernährung für die Gesundheit im Alter entscheidend ist, zeigen neuere Studienergebnisse, dass eine Einschränkung der Proteinzufuhr die Alterungsprozesse positiv beeinflussen und zu einer erhöhten Lebenserwartung beitragen kann.
Wie eine reduzierte Proteinaufnahme und die Einschränkung bestimmter essentieller Aminosäuren die Stoffwechselgesundheit, die Nährstoffsensoren, die Seneszenz, die Mitochondrienfunktion und das Epigenom beeinflusst, erläutern Bailey A. Knopf und Professor Dr. Dudley W. Lamming von der University of Wisconsin-Madison (USA) in dem Fachmagazin „Cell Press Blue“.
Proteine für die Gesundheit im Alter?
Eine proteinreiche Ernährung galt bisher als wichtiger Faktor für die Gesundheit im Alter, nicht zuletzt, da verschiedene Forschungsarbeiten eine geringe Proteinaufnahme mit nachteiligen Effekten auf die Muskeln und die kognitiven Fähigkeiten in Zusammenhang brachten.
So kam beispielsweise eine Studie zu dem Schluss, dass Proteinmangel das Risiko für kognitiven Abbau erhöht und in anderen Untersuchungen wurde ein Zusammenhang mit einer verringerten Muskelmasse hergestellt.
Protein-Reduktion als Gegenmodell
Anderseits deuteten neuere Untersuchungen darauf hin, dass eine proteinreduzierte Ernährung die Stoffwechselgesundheit, die gesunde Lebensspanne und die Lebenserwartung bei verschiedenen Organismen fördert, erläutert das Forschungsteam.
Auch eine Einschränkung bestimmter Aminosäuren wie insbesondere Methionin, Isoleucin und Valin könnte entsprechende Vorteile bieten und die spezifische Zusammensetzung der Aminosäuren in der Ernährung ist möglicherweise ein Schlüsselfaktor für die Art wie wir altern, ergänzen die Forschenden.
Anhand der verfügbaren Studien bewerteten die Fachleute nun die Auswirkungen einer Proteinrestriktion auf die Alterung und die Lebenserwartung.
Insbesondere wurden die Stoffwechselgesundheit, die Nährstoffsensoren, die Seneszenz, die Mitochondrienfunktion und das Epigenom betrachtet und daraus „Hallmarks of Protein Restriction“ (Kennzeichen der Proteinrestriktion) abgeleitet. Diese beschreiben, wie eine Proteinrestriktion mit Mechanismen des Alterns zusammenhängt, berichten die Forschenden.
Protein-Reduktion fördert gesundes Altern
Laut den Fachleuten verbessert die Protein-Reduktion die Stoffwechselgesundheit, induziert Nährstoff-Signalwege, verringert die Seneszenz, stärkt die Mitochondrienfunktion, verändert das Epigenom und fördert ein gesundes Altern.
Als wichtige Mechanismen, die die Protein-Reduktion mit einer gesunden Alterung verbinden, benennen die Forschenden unter anderem die Auswirkungen auf den mTORC1- und GCN2-Signalweg sowie auf das Stoffwechselhormon FGF21.
Neben der aufgenommenen Proteinmenge sei allerdings auch die Zusammensetzungen der Aminosäuren in der Nahrung ein wichtiger Faktor in Bezug auf die biologischen Alterungsprozesse.
Insgesamt verdeutlicht die Übersichtsarbeit das Potenzial von Protein- bzw. Aminosäuren-Restriktionen zur Unterstützung einer gesunden Alterung und zur Förderung der Lebenserwartung, so das Fazit des Forschungsteams. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Bailey A. Knopf, Dudley W. Lamming: The hallmarks of protein and amino acid restriction in aging and longevity; in: Cell Press Blue (veröffentlicht 17.08.2026), cell.com
- Xinyi Xu, Yueheng Yin, Li Niu, Xinxin Yang, Xinru Du, et al.: Association between Changes in Protein Intake and Risk of Cognitive Impairment: A Prospective Cohort Study; in: Nutrients (veröffentlicht 20.12.2022), mdpi.com
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