Soziale Netzwerke können Depressionen bei jungen Menschen auslösen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Mädchen sind doppelt so häufig betroffen wie Jungen

Die Nutzung sozialer Netzwerke kann insbesondere bei jüngeren Benutzern depressive Symptome auslösen. Frauen sind gefährdeter als Männer. Dies geht aus einer aktuellen großen Analyse mit rund 11.000 Jugendlichen hervor.


Forschende des University College London fanden Zusammenhänge zwischen der Nutzung von sozialen Netzwerken wie Facebook und dem vermehrten Auftreten von depressiven Symptomen. Der Studie zufolge sind Mädchen doppelt so häufig betroffen wie Jungen im gleichen Alter. Je mehr Zeit mit den Medien verbracht wurde, desto größer war auch das Depressions-Risiko. Die Analyseergebnisse wurden kürzlich im Fachjournal „The Lancet – EclinicalMedicine“ veröffentlicht.

Eine aktuelle Studie stellt einen deutlichen Zusammenhang zwischen langen Nutzungszeiten von sozialen Medien und dem Auftreten von Depressions-Symptomen her. Besonders häufig sind junge Mädchen betroffen. (Bild: Jürgen Fälchle/fotolia)

Drei Stunden und mehr pro Tag keine Seltenheit

Alle 11.000 teilnehmenden Mädchen und Jungen im Alter von 14 Jahren gaben Informationen über ihre Nutzung sozialer Medien, Schlafmuster, empfundenes Selbstwertgefühl und Körperbild preis. Zusätzlich füllten die Jugendlichen einen Fragebogen aus, in dem sie zu typischen Symptomen von Depressionen befragt wurden. Aus der Analyse ging hervor, dass Mädchen die sozialen Medien intensiver nutzen als gleichaltrige Jungen. Zwei Fünftel der jungen Frauen verbrachten sogar mehr als drei Stunden pro Tag mit den Netzwerken. Nach Angaben der Studie verzichten nur vier Prozent der teilnehmenden Mädchen und rund zehn Prozent der 14-jährigen Jungen auf die Nutzung solcher Netzwerke.

Je mehr investierte Zeit, desto höher das Depressions-Risiko

„Die Verbindung zwischen der Nutzung von sozialen Medien und depressiven Symptomen war bei Mädchen stärker als bei Jungen“, berichtet Professorin Yvonne Kelly vom University College London in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen. Dabei steige mit der Anzahl der Stunden, die die Teilnehmenden mit den Medien verbringen, schrittweise das Auftreten depressiver Symptome. Unter den Intensivnutzern, die mehr als fünf Stunden pro Tag mit Facebook und Co. verbringen, zeigten 38 Prozent klinisch relevante Anzeichen einer Depression.

Online-Mobbing als Hauptursache

40 Prozent aller Mädchen und 25 Prozent aller Jungen gaben an, dass sie bereits Erfahrungen mit Online-Belästigungen in den sozialen Medien gemacht haben. Diejenigen, die vermehrt Erfahrungen mit Cybermobbing hatten, litten auch vermehrt unter Schlafstörungen und Einschlafproblemen. Unter den Befragten mit Schlafstörungen traten wiederum am häufigsten Depressions-Symptome auf. Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass der häufigste Weg zu depressiven Symptomen bei der Nutzung sozialer Medien über Cybermobbing und verschlechterten Schlaf verläuft.

Schäden am Selbstwertgefühl

Wie die Forschenden erläutern, gibt es eine direkte und eine indirekte Verbindungen zwischen der Zeit, die in sozialen Medien verbracht wird, und dem Auftauchen depressiver Beschwerden. So könne sich beispielsweise Cybermobbing auch negativ auf das eigene Körperbild und das Selbstwertgefühl auswirken. „Diese Ergebnisse sind für die aktuelle Politikentwicklung in Bezug auf Richtlinien für die sichere Verwendung von sozialen Medien von großer Bedeutung“, betont die Professorin. Klinische, schulische und familiäre Einflüsse könnten dazu beitragen, kritischer über die Nutzung sozialer Medien und deren möglichen Folgen nachzudenken.

Eltern sollten ein Auge auf die Online-Zeiten der Kinder haben

„Zuhause sollten Familien vielleicht verstärkt darüber nachdenken, wann und wo es in Ordnung ist, Zeit in den sozialen Medien zu verbingen“, schlägt die Expertin vor. Es sei auch sinnvoll ein Zeitlimit für die Nutzung der sozialen Netzwerke zu vereinbaren. (vb)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.