Studie: Magensäureblocker können Allergien auslösen

Ältere Person nimmt eine Tablette ein

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Erhöhtes Risiko für Allergien durch Magenschutz-Medikamente

Magensäureblocker gehören zu den am häufigsten eingenommenen Medikamenten in Deutschland. In einer neuen Studie hat sich nun gezeigt, dass die Arzneimittel für Magenschutz Allergien auslösen können. Gesundheitsexperten raten von der längeren Einnahme der Präparate ab.


Magenschutzpräparate gehören zu den am häufigsten eingenommenen Medikamenten

Protonenpumpeninhibitoren (PPI) und andere Magensäureblocker gehören zu den hierzulande am häufigsten eingenommenen Medikamenten, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in einer Mitteilung. Dass mit diesen Medikamenten unerwünschte Nebenwirkungen einhergehen können und unter anderem ein Vitamin-B12-Mangel begünstigt wird, ist lange bekannt. In einer neuen Studie hat sich nun gezeigt, dass solche Arzneimittel auch zu Allergien führen können.

Ältere Person nimmt eine Tablette ein
Arzneimittel für Magenschutz werden weitflächig eingesetzt. Forscher fanden nun heraus, dass die Magensäureblocker Allergien auslösen können. (Bild: bilderstoeckchen/fotolia.com)

Produktion von Magensäure wird reduziert

Magensäureblocker reduzieren die Produktion von Magensäure, lindern Sodbrennen und unterstützen das Abheilen einer geschädigten Magenschleimhaut, erklärt die Medizinische Universität (MedUni) Wien in einer Mitteilung.

Solche Präparate werden oft zur Unterstützung von Medikamententherapien verschrieben, zur Vermeidung eines Magengeschwürs oder gegen Völlegefühl eingesetzt.

Auch bei Stressreaktionen, die zu Reflux (Sodbrennen) führen, sind sie häufig das Mittel der Wahl.

Im Jahr 2013 wurde in Österreich an 1.540.505 Personen auf Kassenkosten zumindest eine Packung eines PPI (Protonenpumpeninhibitoren) verschrieben.

Laut der DGVS lag die Zahl der Verordnungen in Deutschland im Jahr 2015 bei rund 3,7 Milliarden definierten Tagesdosen (DDD, daily defined dose).

Eine landesweite Studie der MedUni Wien hat nun einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Magensäureblockern und der nachfolgenden Verschreibung anti-allergischer Medikationen bestätigt.

Die Studienergebnisse wurden in dem Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlicht.

Deutlicher Zusammenhang

Im Rahmen der Studie wurden von den Forschenden aus den Jahren 2009 bis 2013 Verschreibungen von Allergiemedikamenten (Antihistaminika, Allergen-Immuntherapien) an Personen analysiert, die zuvor Rezepte für Magenschoner erhalten hatten.

Die Daten für diese wissenschaftliche Untersuchung wurden von allen Krankenversicherungsträgern Österreichs bereitgestellt.

Laut der Erstautorin Galateja Jordakieva war der Zusammenhang deutlich: „Wer magenschonende Mittel wie Protonenpumpenhemmer einnimmt, erhöht sein Risiko für behandlungsbedürftige allergische Symptome um das Zwei- bis Dreifache“

Magensäure erfüllt eine wichtige Funktion

Wie in der Mitteilung erklärt wird, erfüllt die Magensäure eine wichtige Funktion im Verdauungstrakt.

Die darin enthaltenen säureabhängigen Enzyme spalten Proteine der Nahrungsmittel auf und führen diese der Weiterverwertung zu.

Zudem dient sie als Barriere gegen Bakterien und andere Krankheitserreger. Sind diese Funktionen nun aufgrund der geblockten Magensäureproduktion reduziert, können Allergene unverarbeitet in den Darm vordringen.

Das kann Allergien auslösen und die Symptome bei Menschen, die schon unter bestehenden Allergien leiden, noch verstärken.

Vor langfristiger Einnahme wird gewarnt

„Die sogenannten ‚Magenschoner‘ sollte man nicht länger als nötig einsetzen“, warnt Studienleiterin Erika Jensen-Jarolim.

„Sie verhindern die Proteinverdauung, verändern das Mikrobiom im Magen-Darm-Trakt und erhöhen das Risiko für allergische Reaktionen. Sobald sie ihre medizinisch verordnete Aufgabe erfüllt haben, sollte man sie rasch wieder absetzen.“

Außerdem bekämpfen Magensäureblocker auch nur die Symptome und nicht die Ursache eines Leidens.

„Behandelnde Ärzte sollten daher die kürzest mögliche Einnahme eines Magenschutzes festlegen“, so Jensen-Jarolim.

Es gibt ohnehin auch natürliche Vorgehensweisen, die gegen Magenbeschwerden helfen.

„Bei der Behandlung von Stressreaktionen wie Sodbrennen empfiehlt sich eher eine Änderung des Lebensstils bzw. der Work-Life-Balance“, erklärt die Studienleiterin. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen:

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.