Studien: Ist der regelmäßige Weinkonsum gesund oder schlecht?

Die weltweite Alkoholforschung liefert kontroverse Ergebnisse

Über Alkoholkonsum und insbesondere über den Genuss von Wein wird viel geforscht. Allein in den letzten sechs Monaten sind zahlreiche große Studien über Alkohol erschienen. Das große Interesse ist nicht verwunderlich, wenn man auf die schädlichen Auswirkungen von Alkohol auf die Menschheit blickt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sind drei Millionen Todesfälle pro Jahr auf schädlichen Alkoholkonsum zurückzuführen. Dass sind 5,3 Prozent aller Todesfälle weltweit. Doch gibt es auch eine gesundheitsfördernde Komponente beim Weinkonsum?


Der Alkoholbericht der WHO zeichnet ein deutliches Bild: Der schädliche Gebrauch von Alkohol ist ein ursächlicher Faktor bei mehr als 200 Krankheiten und Beschwerdebildern. Bei den frühen Todesfälle in der Altersgruppe zwischen 20 und 39 Jahren sind sogar 13,5 Prozent aller Todesfälle auf Alkohol zurückzuführen. Dagegen steht die weit verbreitete Annahme, dass ein geringer Konsum von Wein, wie beispielsweise ein Glas Rotwein am Tag, gesundheitsfördernde Aspekte haben kann. Die Wissenschaft zeigt sich in dieser Frage gespalten, wie ein Überblick der letzten großen Alkoholstudien zeigt.

Wie so oft macht die Dosis das Gift. Gibt es eine gesundheitsfördernde Menge an Wein, die man täglich trinken sollte? Studien zu dem Thema beleuchten sowohl positive als auch negative Aspekte. (Bild: Africa Studio/fotolia.com)

Geringer und regelmäßiger Weinkonsum ist gut fürs Herz

Forschende vom University College London kamen im August 2018 in ihren Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass ein Glas Wein pro Tag das Risiko, eine Herzkrankheit zu entwickeln, um 50 Prozent senken kann. Dabei zeigte sich aber auch, dass unregelmäßiger Weinkonsum – also mal mehr und mal weniger – mit einem um 18 Prozent erhöhten Risiko für Herzkrankheiten einhergeht. Die Studie wurde in dem Fachjournal „BMC Medicine“ publiziert und umfasste Daten von 35.132 Frauen.

Alkoholkonsum erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfall

Die Experten der Vanderbilt Universität in Tennessee kamen im Juni 2018 zu dem Ergebnis, dass der Konsum von vier oder mehr alkoholischen Getränken an einem Tag zu erhöhtem Blutdruck, Blutzucker und Cholesterinspiegel führt und somit das Risiko steigert, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden. Die Studie wurde im Journal der „American Heart Association“ veröffentlicht.

Weinkonsum kann eine Demenz verhindern

Ein Forscherteam der Universität Paris-Saclay zeigte im August 2018, dass Menschen, die ein Glas Wein am Tag trinken, halb so oft an Demenz erkranken wie Menschen, die nicht trinken. Die Forschungsarbeit wurde im „British Medical Journal“ veröffentlicht und wertete Daten von 9.000 Teilnehmenden aus.

Starker Alkoholkonsum fördert die Alzheimer-Krankheit

Forschende der Universität von Illinois fanden im Juni 2018 heraus, dass starkes Trinken von Alkohol das Risiko für Alzheimer erhöht, da es die Fähigkeit des Gehirns reduziert, sich von toxischen Proteinen in den Nervenzellen zu befreien, die als Auslöser der Krankheit im Verdacht stehen. Die Ergebnisse wurden im „Journal of Neuroinflammation“ publiziert.

Wein trinken erhöht die Spermienzahl

Den Schlussfolgerungen der Wissenschaftler der Fondazione Policlinico in Mailand zufolge, haben Männer, die rund fünf Gläser Wein pro Woche trinken, eine höhere Anzahl von Spermien und eine bessere Spermienqualität, als Männer, die nicht trinken. Die Ergebnisse wurden in dem Fachjournal „Andrology“ im Juli 2018 publiziert.

Wein trinken vermindert die Schlafqualität

Forschende an der Universität von Jyväskylä in Finnland haben herausgefunden, dass das Trinken von zwei Gläsern Wein an einem Abend zu einer verminderten Schlafqualität in der folgenden Nacht führt. Dabei könne die Schlafqualität um bis zu 40 Prozent reduziert sein. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „JMIR Mental Health“ erschienen.

Wein verlangsamt das Krebwachstum

Die Antioxidantien im Rotwein können die Bildung von Proteinklumpen aufhalten, die bei rund 50 Prozent aller Krebs-Geschwüre auftreten, und somit das Wachstum und die Ausbreitung der Tumore verlangsamen. Zu diesem Ergebnis kamen Forschende der Universität von Rio de Janeiro in Brasilien im Juni 2018. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Oncotarget“ veröffentlicht.

Rotwein trägt zum Schutz vor Prostatakrebs bei

Die Forscher der Universität Wien fanden im Mai 2018 heraus, dass das Trinken eines Glases Rotwein pro Tag mit einem um zwölf Prozent verminderten Risiko für Prostatakrebs einhergeht. Dies ergab ein Analyse von 611.000 Männern. Die Ergebnisse wurden in dem Fachjournal „Clinical Epidemiology“ veröffentlicht.

Weißwein erhöht das Prostatakrebsrisiko

Dieser Effekt scheint aber nur dem Rotwein vorbehalten zu sein. Die gleichen Forschungen an der Universität Wien zeigten auch, das ein regelmäßiger und moderater Weißweinkonsum das Prostatakrebs-Risiko für Männer um 26 Prozent erhöht.

Regelmäßiger Alkoholkonsum verkürzt die Lebenserwartung

Zwei große Studien der Washington University und der University of Cambridge konnten aufzeigen, dass der Konsum von einem alkoholischen Getränk täglich das Risiko für einen vorzeitigen Tod um ein Fünftel erhöht. Regelmäßig zehn Gläser Wein pro Woche würde die Lebenserwartung um zwei Jahre verkürzen. Eine Datenanalyse von über einer Millionen Menschen führte zu diesem Ergebnis. Die Studien wurden in den Fachjournalen „Alcoholism: Clinical & Experimental Research“ und „The Lancet“ veröffentlicht. (vb)