Syphilis verbreitet sich zunehmend in Deutschland

Die Geschlechtskrankheit Syphilis nimmt in Deutschland zu. Laut dem Robert-Koch- Institut (RKI) stiegen die gemeldeten Infektionen seit 2016 um 4,2 Prozent.


7.500 Fälle von Syphilis

2017 wurden laut RKI circa 7.500 Infektionen mit Syphilis gemeldet, 4,2 % mehr als 2016. Die höchsten Raten liegen in Hamburg und Berlin.

Unter den sexuellen Krankheiten werden vermehrt Fälle von Syphilis gemeldet. Mögliche Ursache ist ein Verzicht auf Kondome; allerdings werden auch mehr Infizierte erfasst als früher. (Bild: Eigenbearbeitung/SENTELLO/nazar12/fotolia.com)

Homosexuelle Männer besonders gefährdet

Die Syphilisfälle steigen seit 2010 kontinuierlich an, nachdem sie in den 1980er Jahren sanken. Außergewöhnlich häufig infizieren sich homosexuelle Männer.

Warum verbreitet sich die Syphilis wieder?

In den 1980er Jahren sank die Syphilisrate als Folge von Safer Sex im Zuge der Angst vor Aids / HIV. Vermutlich verzichten heute viele Männer beim Sex wieder häufiger auf Kondome als in den Frühzeiten von AIDS, und dies laut Befragungen auch bei wechselnden Partnern.

Wird Syphilis häufiger erkannt?

Allerdings kann in den Anstieg der Syphilisfälle auch hineinspielen, dass diese häufiger erkannt werden als zuvor. So unterziehen sich HIV-Infizierte heute regelmäßig einem Krankheits-Screening, und gerade bei ihnen wurde Syphilis oft diagnostiziert.

Internationales Phänomen

Die Syphilisraten steigen nicht nur in Deutschland, sondern international. Laut RKI müssen deshalb Vorbeugung, Diagnose und Therapie weiter ausgebaut werden.

Wie beginnt Syphilis?

Syphilis bleibt oft unerkannt, da sie in den ersten Phasen häufig keine Symptome zeigt, und bisweilen auftretende Symptome sind unspezifisch: Bei manchen Betroffenen treten Wochen nach der Infektion schmerzlose Geschwüre auf. Ohne Behandlung folgen meist Fieber, Müdigkeit, Schmerzen in Muskeln oder Kopf, und die Lymphknoten schwellen an.

Der Schrecken kommt spät

Erst Jahre nach der Infektion kommen die ernsten Folgen: Schäden am Gehirn oder kaputte Blutgefäße.

Wie überträgt sich die Syphilis?

Die Syphilis ist eine sexuell übertragbare Krankheit. Die Infektion mit dem Bakterium Treponema pallidum läuft über Geschlechtsverkehr – vaginal, anal oder oral. Möglich, aber selten, ist eine Infektion über Blutkontakte oder durch Schwangere auf den Fötus.

Was passiert ohne Behandlung?

Ohne Behandlung heilt die Krankheit bisweilen von selbst aus, oder sie bleibt bestehen und verursacht teilweise Jahrzehnte nach der Infektion schwere Organschäden, zerstört sogar als Neurosyphilis das Gehirn und Rückenmark. Dann sind Lähmungen und irreversible psychische Störungen die Folge.

Wie erkennt der Arzt die Syphilis?

Wenn ein Betroffener mit den frühen Symptomen einen Arzt aufsucht, was häufig leider nicht der Fall ist, vermutet der Mediziner Syphilis anhand der Geschwüre im Genitalbereich und / oder den geschwollenen benachbarten Lymphknoten. Dann erkennt er den Erreger mit Blutuntersuchungen.

Meldepflicht

Syphilis ist eine meldepflichtige Krankheit. Wenn ein Labor einen Fall von Syphilis feststellt, muss er diesen dem RKI melden – ohne den Namen des Patienten zu nennen.

Therapie

Syphilis ist heilbar, und zwar mit Penicillin, bei Allergien auch mit anderen Antibiotika.

Verantwortung der Betroffenen

Wenn Sie sich mit Syphilis infiziert haben, müssen Sie unbedingt ihre Sexualpartner darüber informieren. Diese sollten sich jetzt selbst auf eine Infektion untersuchen lassen. Liegt die Infektion lange zurück, müssen Sie auch vergangene Partner informieren.

Eine globale Krankheit

Syphilis ist weltweit verbreitet mit circa 12 Millionen Neuerkrankungen pro Jahr. Zwar ging die Anzahl der Erkrankten seit dem Gebrauch von Penicilin zurück, steigt aber seit den 1990er Jahren wieder an. 90 % der Betroffenen leben in Entwicklungsländern.

Schwerpunkt Großstädte

In westlichen Ländern sind die Großstädte Hotspots, um sich mit Syphilis anzustecken. 84 % der Betroffenen infizieren sich über homosexuelle Kontakte, der Anteil der Männer unter den Infizierten stieg seit den 1950ern von 60 % auf heute über 85 %.

Rückkehr der Syphilis Krankheit

Für 2017 registrierte das RKI eine neue Höchstzahl an Infektionen, doch bereits 2014 gab es ein vorläufiges Maximum mit damals 5722 Neudiagnosen in Deutschland – 2009 betrugen diese 2742. Damit ist die Syphilis in Mitteleuropa wieder relativ häufig.

Koinfektionen

In Deutschland wie anderen Industriestaaten tritt Syphilis oft als Koinfektion bei HIV-Betroffenen auf.

HIV und Syphilis

Wer unter der Immunkrankheit HIV leidet, bei dem verläuft die Syphilis meist wesentlich schneller und bricht auch dann oft wieder aus, wenn sie Medikamente dagegen einnehmen. Die Ansteckungswege bei HIV und Syphilis sind identisch, und sexuell übertragbare Krankheiten sollten immer auf Koinfektionen untersucht werden.

Syphilis vorbeugen

Die erneute Zunahme von Syphilisinfektionen liegt mutmaßlich an einem weniger strikten Gebrauch von Kondomen als in den 1980ern, seit HIV in der öffentlichen Wahrnehmung seinen großen Schrecken verloren hat. Wer beim Geschlechtsverkehr Kondome anwendet, senkt gewaltig das Risiko, sich mit Syphilis zu infizieren. (Dr. Utz Anhalt)