Touristen verspeisen Murmeltier-Leber und versterben an der Beulenpest – Quarantäne ausgerufen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Touristen-Paar isst Fleisch vom Murmeltier – und infiziert sich mit der Beulenpest

Zwei Touristen aus Russland verspeisten in der Mongolei rohes Murmeltierfleisch. Nach einer kurzen Inkubationszeit verstarben die beiden Patienten (37 und 38 Jahre) an der gefürchteten Beulenpest. Viele Reisende stecken derzeit im Urlaubsgebiet Ölgii fest. Darunter sollen sich auch zwei Deutsche Mitreisende befinden. Das Gebiet wurde unter Quarantäne gestellt.

Zusammenfassung:

  • Werdens Eltern infizierten sich mit der Beulenpest und verstarben
  • Immer wieder kommt es zu Pest-Ausbrüchen
  • Ortschaft liegt unter Quarantäne
  • Bei rechtzeitiger Antibiotika-Therapie heilbar!

Ein russisches Touristenpaar ist nach dem Verspeisen von Murmeltier-Leber an der tödlichen Beulenpest verstorben. „Der Ehemann und seine schwangere Frau hatte sich in der mongolischen Stadt Ölgii im Westen des Landes mit der Pest infiziert“, bestätigte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums der Mongolei. Das Ehepaar hinterlässt vier Kinder zwischen 2 und 13 Jahren.

Nagetiere sind Träger des Pestbakteriums. Als sehr soziale Tiere übertragen die Präriehunde die Pest untereinander. (miraculix63/fotolia)

Komplette Stadt abgeriegelt

Wie der Sprecher betonte, habe man „die komplette Stadt unter Quarantäne gestellt“. Zur Zeit dürfen dutzende Touristen die Stadt nicht verlassen, weil auch für sie die Ausreisesperre besteht. Laut Behördenangaben sind Urlauber aus Deutschland, Schweden, den Niederlanden sowie der Schweiz und den USA unter den Reisenden. „Bis zu 21 Tage kann eine solche Quarantäne gelten“, so das örtliche Gesundheitsamt.

Die Pest zählt zu den tödlichsten Seuchen der Menschheitsgeschichte. Vor allem im Mittelalter forderte der „Schwarze Tod“, wie die Menschen die Infektionskrankheit damals nannten, Millionen von Menschenleben. Auch heute noch kommt es in manchen Regionen immer wieder zu Ausbrüchen, wie dieses aktuelle Beispiel zeigt.

Kontaktpersonen stehen unter Beobachtung

160 weitere Menschen stehen zudem unter ständiger ärztlicher Beobachtung, da diese mit dem verstorbenen Ehepaar in Kontakt getreten waren. „Die halbe Stadt ist wegen einiger pestverseuchter Murmeltiere geschlossen“, sagte eine Touristin in der russischen Zeitung „Sibirian Times“. „Wir wollten gerade Ölgii verlassen und tiefer in die Mongolei fahren. Aber alle Wege aus der Stadt heraus sind dicht und wir dürfen nicht raus. Das ist einfach nur surreal“, so die Reisende in der Zeitung.

Ein Sprecher rechtfertigte die einschränkenden Maßnahmen. „Die Pest ist eine hochansteckende bakterielle Infektionskrankheit. Wir müssen eine Ausbreitung verhindern.“ Die häufigste Form, die auftritt, ist die sogenannte Beulenpest. Sie macht sich zu Beginn mit Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und einer Entzündung der Lymphknoten im Leistenbereich bemerkbar. Häufige Überträger sind Flöhe von Nagetieren wie Murmeltieren.

Mongolei ist ein Gefahrengebiet

Die Mongolei ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes ein Gefahrengebiet. Der Staat gehört zu den wenigen Ländern, in denen die Pest immer mal wieder auftritt. Die Pest wird dabei entweder durch den direkten Kontakt mit Murmeltieren übertragen oder durch den Verzehr von nicht durchgegartem Fleisch.

Das Auswärtige Amt betont daher, dass der Kontakt mit den Tieren unterbleiben und auch kein rohes Fleisch gegessen werden sollte. Reisende sollten diese Vorsichtsmaßnahmen im Interesse der eigenen Gesundheit beachten: „Haustiere gegen Flöhe behandeln, um so eine Übertragung zu verhindern, DEET-haltige Mückensprays verhindern die Übertragung von Flöhen auf Menschen; den Kontakt mit kranken und toten Nagetieren vermeiden.“ Für normal Reisende bestehe dennoch kein erhöhtes Infektionsrisiko, so die Behörde.

Kann die Pest wieder wüten?

Kann die Pest, wie im Mittelalter, Hunderttausende das Leben kosten? Das ist in den westlichen Ländern eher unwahrscheinlich. Einzig in Colorado, New Mexiko, Nevada, Arizona und Kalifornien werden immer wieder Infektionen gemeldet. Gesundheitsvorschriften in der Luft- und Seefahrt, Rattenvernichtung auf den Schiffen, Meldepflicht für die Pest und sehr gute Hygiene machen es dem Erreger schwer, sich auszubreiten. Zudem lässt sich die Infektion schnell mit antibiotischen Medikamenten in den Griff bekommen, wenn sie rechtzeitig erkannt wird.

WHO zeigt sich besorgt

Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat ein Auge auf die tödliche Infektionskrankheit geworfen. Insbesondere in den Ländern Demokratische Republik Kongo, Madagaskar und Peru komme es immer wieder zu Todesfällen. Für weitere Informationen lesen Sie den Artikel: WHO warnt vor Rückkehr der Pest. (sb)