Studie: Übergewicht erhöht das Risiko für Darmkrebs

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs: Bestätigung für Darmkrebs

Schon seit Jahren ist bekannt, dass Übergewicht das Krebsrisiko erhöht. Doch dieser Zusammenhang gilt nicht für alle Krebsarten. Für Darmkrebs konnte er nun erneut bestätigt werden. Doch bei Gebärmutterkrebs gibt es jetzt einen Gegenbeweis.


Übergewicht begünstigt die Entstehung von Krebs

Zwar gibt es noch immer zahlreiche Krebsarten, deren Auslöser nicht bekannt sind, doch „wir kennen mittlerweile viele Faktoren, die unterschiedliche Krebserkrankungen auslösen können – aber nicht zwangsläufig müssen“, schreibt die Bayerische Krebsgesellschaft auf ihrer Webseite. Um sich vor Krebs zu schützen, ist es unter anderem empfehlenswert, Fettleibigkeit zu vermeiden. Denn durch starkes Übergewicht steigt laut einer britischen Studie das Risiko für mindestens 13 verschiedene Krebsarten, darunter Brust- und Darmkrebs. Zum Zusammenhang zwischen Übergewicht und Gebärmutterkrebs gibt es nun neue Erkenntnisse.

Übergewicht erhöht das Risiko für zahlreiche Krebsarten. Doch bei Gebärmutterkrebs muss dieser Zusammenhang nun unter neuen Vorzeichen gesehen werden. (Bild: Piotr Wawrzyniuk/fotolia.com)

Erhöhtes Darmkrebsrisiko

Gesundheitsexperten zufolge ist Übergewicht vermeiden eine der wichtigsten Regeln, um sich vor Darmkrebs zu schützen.

Wer zu dick ist, hat nach landläufiger Meinung aber nicht nur ein erhöhtes Risiko für Dickdarm- sondern auch für Gebärmutterkrebs.

Geht es nach einer neuen Studie der Medizinischen Universität Innsbruck muss dieser oft bestätigte Zusammenhang nun jedoch unter neuen Vorzeichen gesehen werden.

Die Forschenden um den Medizin-Statistiker Hanno Ulmer konnten nachweisen, dass der bei Übergewicht erhöhte und für die Insulinresistenz maßgebliche TyG (Triglyzerid-Glukose)-Index zwar das Risiko für Tumoren im Verdauungstrakt, nicht aber das Risiko für gynäkologische Krebsformen erklärt.

Der gängigen Lehrmeinung widersprechende Erkenntnis

Wie in einer Mitteilung der österreichischen Uni geschrieben wird, hat Endometriumkrebs (Gebärmutterkrebs) „nichts mit hohen Blutfett- und Zuckerwerten zu tun“.

Das ist die überraschende, der gängigen Lehrmeinung widersprechende Erkenntnis einer vor kurzem im Fachmagazin „International Journal of Epidemiology“ veröffentlichen Studie unter der Leitung von Hanno Ulmer und Josef Fritz von der Medizinischen Universität Innsbruck, die im Rahmen des europäischen Kooperationsprojektes “Me-Can” (Metabolic syndrome and Cancer) durchgeführt wurde.

Die Ergebnisse werden auch auf der Jahrestagung der amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie (ASCO 2019) Anfang Juni in Chicago vorgestellt.

Mit Übergewicht assoziierte Krebsfälle

Metabolische Faktoren wie Fettleibigkeit (Adipositas), Bluthochdruck, veränderte Blutfettwerte oder Insulinresistenz wurden mit Krebserkrankungen bereits in Zusammenhang gebracht.

So stehen beispielsweise gastrointestinale Krebsformen wie Dickdarm, Leber- und Nierenkrebs, aber auch die Entstehung gynäkologischer Tumoren mit Übergewicht und der damit assoziierten Insulinresistenz in Verbindung.

In der österreichischen Studie wurden die Daten von über 500.000 Teilnehmern aus sechs europäischen Kohorten zusammengefasst und analysiert, die durchschnittlich 17 Jahre lang im Hinblick auf deren Lebensstil und auftretende Krebserkrankungen beobachtet wurden.

In diesem Zeitraum kam es zu 16.000 bekanntermaßen mit Übergewicht assoziierten Krebsfällen, wie Darm-, Leber-, Nieren-, Pankreas- und Gallenblasenkrebs (gastrointestinale Tumoren) sowie Gebärmutter- und Eierstockkrebs und post-menopausalem Brustkrebs (gynäkologische Tumoren).

„Um mögliche kausale Zusammenhänge darstellen zu können, haben wir uns einer neuen Kennzahl bedient, dem TyG-Index“, so die federführenden Studienautoren Josef Fritz und Hanno Ulmer.

„Dieser spezielle Stoffwechsel-Marker ist das Produkt aus Triglyzeriden und Glukose und somit ein einfach verfügbares Maß für die Insulinresistenz, das zudem in hohem Maß mit dem Goldstandard zur Bestimmung der Insulinresistenz, dem Clamp-Test, übereinstimmt“, erklären die Wissenschaftler.

In Fachkreisen wird die Insulinresistenz, also die verminderte Sensitivität der Körperzellen auf das Hormon Insulin und Vorstufe von Diabetes Typ II, als Erklärung für die Verbindung von Übergewicht und Krebs diskutiert.

Denn das Wachstums-stimulierende Hormon Insulin regt die Zellteilung an und kann somit auch das Tumorwachstum begünstigen.

Bestätigung für Darmkrebs, Gegenbeweis bei Gebärmutterkrebs

Übergewicht ist oft mit erhöhten Triglyzerid- und Glukosewerten assoziiert.

„Die Ergebnisse unserer multizentrischen Kohortenstudie belegen“, so Ulmer, „dass ein hoher TyG-Index signifikant mit einem erhöhten Risiko für gastrointestinale Tumoren korreliert. Dazu kommt, dass der TyG-Index auch zu circa 25 Prozent den Einfluss von Übergewicht auf die Krebsentstehung erklärt.“

Die Forscher können somit eine nachdrückliche Bestätigung für den krebsfördernden Einfluss von Übergewicht auf Leber-, Nieren-, Pankreas- und Dickdarmkrebs erbringen.

Doch eine zweite Erkenntnis aus der Studie sorgt für Überraschung.

Entgegen der in der medizinischen Literatur vertretenen Ansicht, wonach die Wahrscheinlichkeit, ein Endometriumkarzinom (Gebärmutterkrebs) oder post-menopausalen Brustkrebs zu entwickeln, bei Frauen mit einer Insulinresistenz deutlich erhöht ist, konnte das Forscherteam diesen Zusammenhang nicht bestätigen.

„Gynäkologische Krebsarten sind zwar mit Übergewicht assoziiert, jedoch nicht mit dem TyG-Index erklärbar“, so Ulmer.

„Das heißt: erhöhte Blutfett- und Blutzuckerwerte stehen in keinem kausalen Zusammenhang mit der Entstehung gynäkologischer Tumoren. Der Einfluss der Östrogene auf das Krebsgeschehen dürfte also doch größer sein, als angenommen.“ (ad)