Übergewicht kann Depressionen auslösen

Hoher BMI als Risikofaktor für Depressionen

Ein internationales Forschungsteam erkannte im Zuge einer Studie einen starken Zusammenhang zwischen Übergewicht und Depressionen. Selbst wenn keine weiteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen vorliegen, könne ein hoher Body-Mass-Index (BMI) die Entwickelung einer Depression begünstigen.


Forschende der University of South Australia untersuchten gemeinsam mit der University of Exeter die psychologischen Auswirkungen von Übergewicht. Zwar wurde schon seit längerem beobachtet, dass unter Menschen mit Adipositas eine erhöhte Zahl von Depressionserkrankungen vorkommt, die aktuelle Studie liefert jedoch den ersten Beweis, dass ein höherer BMI als Risikofaktor für die Entwicklung einer Depression angesehen werden kann. Die Studienergebnisse wurden kürzlich in dem „International Journal of Epidemiology“ veröffentlicht.

Eine internationale Studie lieferte kürzlich den ersten Beweis, dass Übergewicht ein Risikofaktor für die Entstehung von Depressionen ist. (Bild: terovesalainen/fotolia.com)

Riesige Datenmengen lieferten den Beweis

Das Team analysierte die Daten der britischen Biobank von mehr als 48.000 Menschen mit Depressionen. Dabei konnten die Forschenden zeigen, dass ein höherer BMI auch mit einem vermehrten Auftreten von Depressionen verbunden ist. Dies war unabhängig davon, ob weitere Krankheiten vorlagen, die oft mit Fettleibigkeit einhergehen, wie beispielsweise Diabetes oder Bluthochdruck. Auch völlig gesunde Menschen mit erhöhtem BMI zeigten dem Forschungsteam zufolge eine erhöhte Anfälligkeit für Depressionen.

Hoher BMI als Risikofaktor für Depressionen

Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass ein höherer BMI unabhängig von den damit zusammenhängenden Gesundheitsproblemen als Risikofaktor für die Entwicklung einer Depression angesehen werden kann. Laut den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zeigte sich dieser Effekt noch stärker bei Frauen als bei Männern.

Zwei globale Gesundheitsprobleme ergänzen sich

„Fettleibigkeit und Depression sind beides globale Gesundheitsprobleme, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und hohe Kosten im Gesundheitswesen verursachen“, erläutert Dr. Jess Tyrrell von der University of Exeter in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen. Der Zusammenhang wurde schon lange vermutet. Es sei jedoch unklar gewesen, ob Fettleibigkeit Depressionen verursacht oder umgekehrt. Des Weiteren war unklar, ob das Übergewicht die Depressionen auslöst oder die damit verbundenen Gesundheitsprobleme, so Tyrrell.

Depression als psychologische Auswirkung von Übergewicht

„Anhand unserer robusten genetischen Analyse kommen wir zu dem Schluss, dass die psychologischen Auswirkungen von Fettleibigkeit Depressionen verursachen können“, resümiert Dr. Tyrrell. Diese Erkenntnis sei wichtig, um gezielter gegen Depressionen vorgehen zu können. Beide Krankheiten nähren sich gegenseitig, was es für Betroffene viel schwieriger mache, gesunde Lebensgewohnheiten anzunehmen.

Wie stark erhöht Übergewicht das Depressionsrisiko?

Die Gen-Analysen des Forschungsteam ergaben, dass übergewichtige Männer eine um 18 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit haben, eine Depression zu entwickeln. Bei übergewichtigen Frauen stieg das Depressionsrisiko sogar um 23 Prozent. (vb)