Unfallrisiken durch Sekundenschlaf: Anti-Allergie-Medikamente machen mitunter müde

Gefährlicher Sekundenschlaf: Vorsicht bei Medikamenten gegen Allergien

Viele Menschen, die an einer Pollenallergie leiden, nehmen Antihistaminika ein. Diese Medikamente können sehr müde machen und einen Sekundenschlaf begünstigen. Die Fahrtüchtigkeit wird daher enorm beeinträchtigt. Betroffene Autofahrer sollten sich deshalb unbedingt von einem Arzt beraten lassen, bevor sie sich ans Steuer setzen.


Manche Medikamente begünstigen Sekundenschlaf

Laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) haben bundesweit rund 16 Prozent der Bevölkerung – also etwa 13 Millionen Menschen – eine Pollenallergie. Vor allem im Frühling, wenn vermehrt Pollen durch die Luft wirbeln, stellen sich bei Betroffenen Beschwerden wie Fließschnupfen oder juckende Augen ein. Unbehandelter Heuschnupfen kann sich fatal entwickeln. Viele Allergiker nehmen daher Antihistaminika ein. Doch diese können enorm müde machen und einen Sekundenschlaf begünstigen. Die Fahrtüchtigkeit ist daher oft stark beeinträchtigt. Darauf weist der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) in einer aktuellen Mitteilung hin.

Autofahrer, die an Heuschnupfen leiden, sollten unbedingt mit einem Arzt abklären, ob die von ihnen eingenommen Medikamente die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Denn manche Arzneimittel wie Antihistaminika machen sehr müde und begünstigen einen Sekundenschlaf. (Bild: zstock/fotolia.com)

Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit

Nicht nur Antihistaminika, sondern auch viele andere Arzneimittel können einen Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit haben.

Angaben der Hersteller zufolge beeinträchtigen zwischen 15 und 20 Prozent aller zugelassenen Medikamente die Fahrtüchtigkeit.

Dazu gehören vor allem auch Antiepileptika, Psychopharmaka und einige Schmerzmittel, die häufig die kognitive Leistungsfähigkeit einschränken und latente Müdigkeit hervorrufen.

Dennoch unterschätzen viele, wie sehr sich solche Medikamente auf die Fähigkeit, ein Fahrzeug konzentriert zu führen, auswirken können.

„Ausgehend von diversen Expertenmeinungen und wissenschaftlichen Schätzungen gehen wir davon aus, dass viele Verkehrsunfälle unter der Beteiligung von Arzneimitteln, insbesondere Psychopharmaka, stattfinden“, so Dr. Hans-Günter Weeß, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), im Rahmen der Kampagne „Vorsicht Sekundenschlaf!“.

Nebenwirkungen beim Arzt abklären

Wer verschreibungspflichtige oder frei verkäufliche Arzneimittel einnimmt, sollte mögliche Einflüsse auf die eigene Fahrtüchtigkeit stets mit einem Arzt beziehungsweise einer Ärztin oder in der Apotheke abklären.

Dies ist insbesondere vor der ersten Anwendung, bei einer Dosissteigerung, bei einer Umstellung oder beim Absetzen der Medikamente wichtig.

„Auch Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sollten berücksichtigt werden, da sie mögliche Nebenwirkungen wie etwa eine verminderte Konzentration und vermehrte Schläfrigkeit noch verstärken können“, ergänzt Dr. Weeß.

Wer beim Autofahren erste Anzeichen wie häufiges Gähnen oder schwere Augenlider bemerkt, sollte unbedingt eine Pause einlegen. Diese empfiehlt sich mit etwas Bewegung zur Kreislaufaktivierung oder mit einem Kurzschlaf von zehn bis 20 Minuten zu kombinieren.

Tipps für Autofahrer

Bei Pollenallergikern ist es laut Gesundheitsexperten zudem auch möglich, Medikamente zu verschreiben, die normalerweise nicht müde machen.

Es sei ohnehin in vielen Fällen zu empfehlen, die Allergie langfristig zu behandeln, beispielsweise durch eine spezifische Immuntherapie, früher Desensibilisierung genannt.

Dabei wird dem Betroffenen das Allergen in regelmäßigen Abständen gespritzt, bis der Körper nicht mehr darauf reagiert. Medizinern zufolge geht es den meisten Patienten nach rund drei Jahren besser.

Bis es soweit ist, sollten sich Autofahrer vor Pollen schützen. Am besten werden nur PKW mit Klimaanlage genutzt und der Pollenfilter regelmäßig ausgetauscht.

Empfohlen wird zudem, währen der Fahrt die Jacke auszuziehen und im Kofferraum zu verstauen, damit die daran hängenden Pollen nicht im Innenraum des Fahrzeugs landen.

Des Weiteren sollten Fenster und Schiebedach geschlossen bleiben und die Lüftung auf Umluftbetrieb geschaltet werden.

Das Auto sollte möglichst nicht unter Bäumen geparkt werden. Helfen kann auch das regelmäßige Aussaugen des Fahrzeug-Innenraums, inklusive der Polster, Amaturenbrett und Ablagen. (ad)