Unser kognitiver Abbau beginnt schon früh – So lässt er sich bremsen!

Wie kann der kognitive Abbau verlangsamt werden?

Die kognitiven Fähigkeiten von Menschen nehmen leider im Laufe des Lebens immer weiter ab. Mediziner suchen schon lange nach Möglichkeiten, um diese Auswirkungen des Alterns zu bekämpfen. Ein regelmäßiges aerobes Training scheint dabei zu helfen, dem kognitiven Abbau entgegenzuwirken.


Die Wissenschaftler der Columbia University stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass regelmäßige sportliche Betätigung wichtige kognitive Fähigkeiten zu schützen scheint. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in dem englischsprachigen Fachblatt „Neurology“.

Sportliches aerobes Training schützt uns vor einem kognitiven Abbau. (Bild: Kzenon – fotolia)

Aerobes Training schützt exekutive Funktion des Gehirns

Bei der aktuellen Untersuchung wurde festgestellt, dass bei 132 Probanden im Alter zwischen Anfang 20 und Ende 60 eine Verbesserung der sogenannten exekutiven Funktionen des Gehirns eintritt, wenn sie ein regelmäßiges aerobes Sportprogramm absolvierten. Die exekutiven Funktion sind kognitive Fähigkeiten, die uns helfen, vorausschauend zu planen, Dinge zu klären oder komplexe Probleme zu lösen, erklärt Studienautor Dr. Yaakov Stern.

Was ist aerobes Training?

Beim aeroben Training wird der Körper ausreichend mit Sauerstoff versorgt. So kann der Körper Fette und Kohlenhydrate verstoffwechseln und es wird Laktat in solchen geringen Mengen gebildet, dass es direkt wieder abgebaut werden kann. Für ein aerobes Training bieten sich Sportarten wie beispielsweise Laufen, Radfahren oder Schwimmen an.

Fangen Sie bereits früh mit dem aeroben Training an

Unglücklicherweise erreichen die Exekutivfunktionen in einem bestimmten Alter (das Alter hängt von der Person ab) schließlich ihren Höhepunkt und nehmen dann ab. Diese natürliche Abnahme der Exekutivfunktionen scheint sich aber verlangsamen zu lassen. Erstaunlicherweise stellten die Mediziner fest, dass aerobes Training die exekutive Funktion bei Teilnehmenden ab zwanzig Jahren verbessern kann, was vor einem Abbau der Exekutivfunktionen im späteren Leben schützt. Die festgestellten Verbesserungen, welche bei der Ausübung von aerobem Training in Bezug auf die exekutiven Funktionen auftraten, sind beträchtlich genug, um auch für Menschen in den Zwanzigern von Bedeutung zu sein, sagt Studienautor Dr. Yaakov Stern.

Probanden trainierten sechs Monate lang

In der Studie ließ Stern Probanden jeden Alters sechs Monate lang viermal pro Woche trainieren. Sie haben entweder in bestimmten Herzfrequenzbereichen (etwa 75 Prozent ihrer maximalen Herzfrequenz) aerobes Training absolviert oder sie führten Dehnungs- und andere Grundübungen durch. Das Team testete dann die Exekutivfunktionen der Freiwilligen durch eine Reihe von Aufgaben im Zusammenhang mit Gedächtnis– oder Geschwindigkeitsassoziationen. Diese Tests wurde einmal nach der halben Zeit der Studie und einmal am Ende des sechsmonatigen Versuchs durchgeführt.

Es konnten statistisch signifikante Verbesserungen bei den Ergebnissen für Personen jeden Alters festgestellt werden, welche sich in der Gruppe der aeroben Übungen befanden, sogar bei den 20 Jahre alten Probanden. Bei der Überprüfung der Ergebnisse stellten die Wissenschaftler fest, dass je älter jemand war, desto drastischer fielen die Verbesserungen der Punktzahl gegenüber dem Ausgangswert aus. Die Studie zeigte, dass der Einfluss von aerober Bewegung auf die Exekutivfunktionen mit zunehmendem Alter anstieg, so dass beispielsweise ein 40-jähriger eine stärkere Verbesserung als ein 30-jähriger erfuhr.

Vorteile durch aerobes Training

Aerobe Bewegung kann für die Gehirnfunktion von Vorteil sein, da sie die Vaskularisierung im Gehirn erhöhen kann und so dazu beiträgt, dass der Blutfluss konsistenter wird. Vermutlich fördert aerobes Training auch die Plastizität, welche die Vielseitigkeit der Gehirnzellen erhält und neue Verbindungen herstellen kann. Außerdem erhöhte sich bei Teilnehmenden der aeroben Trainingsgruppe auch die sogenannte kortikale Dicke des Gehirns, der äußeren Schicht der Gehirnmasse. Diese Zunahme der Kortikalisdicke ist wichtig, weil eine kortikale Ausdünnung tatsächlich mit Erkrankungen des Alterns verbunden ist, welche sogenannte Plaques im Gehirn aufbauen, wie beispielsweise bei Demenz. Aerobes Training verbesserte auch die kortikale Dicke bei Menschen im Alter von 20 Jahren, bei denen wahrscheinlich noch keine erheblichen kognitiven Rückgänge zu verzeichnen sind. Die Daten lassen darauf schließen, dass die Einführung regelmäßiger sportlicher Übungen zu einem frühen Zeitpunkt dem Gehirn dabei helfen könnte, diese wichtigen Abwehrmechanismen aufzubauen. Mit zwanzig Jahren müssen sich Menschen wahrscheinlich noch keine Sorgen über den kognitiven Abbau machen, aber es scheint, als würden ein paar Trainingseinheiten pro Woche Menschen besser vorbereiten, um die negativen Auswirkungen des Alterns auf das Gehirn zu bekämpfen. (as)