Eine vegetarische Ernährung kann das Risiko für fünf verschiedene Krebsarten signifikant senken. Allerdings wird gleichzeitig das Risiko für Plattenepithelkarzinome der Speiseröhre erhöht. Insgesamt könnte eine vegetarische Lebensweise dennoch einen wichtigen Beitrag zur Krebsprävention leisten.
Ein Forschungsteam um Aurora Perez-Cornago von der University of Oxford hat in einer aktuellen Studie die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Ernährungsformen und dem Krebsrisiko untersucht. Die Ergebnisse sind in dem „British Journal of Cancer“ veröffentlicht.
Ernährung beeinflusst Krebsrisiko
Die Ernährung hat nachweisbar erheblichen Einfluss auf das Krebsrisiko, wobei dies in beide Richtungen gilt. Beispielsweise können hochverarbeitete Lebensmittel das Krebsrisiko signifikant erhöhen, so das Ergebnis ein großangelegten Studie aus dem Jahr 2023.
Anderseits wird insbesondere verschiedenen pflanzlichen Lebensmitteln eine krebshemmende Wirkung zugeschrieben und zum Beispiel berichteten Forschende erst letztes Jahr in dem Fachmagazin „Frontiers in Nutrition“, dass Tomaten das Risiko für Krebserkrankungen senken.
In der neuen Forschungsarbeit analysierten die Fachleute jetzt die Daten von 1,8 Millionen Frauen und Männern aus neun prospektiven Studien (in Großbritannien, USA, Taiwan, Indien), um die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Ernährungsformen und auftretenden Krebserkrankungen zu überprüfen.
Vergleich verschiedener Ernährungsformen
Unter den Teilnehmenden waren 1.645.555 Personen, die Fleisch verzehrten, 57.016 Personen, die nur Geflügelfleisch aßen, 42.910 Pescetarierinnen und Pescetarier, 63.147 vegetarisch lebende Personen sowie 8.849 Veganerinnen und Veganer.
Zu den häufigsten Krebserkrankungen innerhalb einer medianen Nachbeobachtungszeit von 16 Jahren zählten Kolorektalkrebs (30.528 Fälle), Brustkrebs (61.368 Fälle), Prostatakrebs (45.946 Fälle), Non-Hodgkin-Lymphome (11.651 Fälle) und Endometriumkarzinome (11.220 Fälle).
Außerdem waren 8.076 Erkrankungen an Eierstockkrebs, 8.030 an Bauchspeicheldrüsenkrebs, 7.193 an Nierenkrebs, 7.306 an Leukämie, 6.869 an Blasenkrebs, 4.658 an multiplen Myelomen und 4.504 Erkrankungen an Mund- und Rachenkrebs zu verzeichnen.
Darüber hinaus verzeichneten die Forschenden 3.578 Magenkrebserkrankungen, 3.077 Lungenkrebserkrankungen, 2.970 Leberkrebserkrankungen, 2.105 Erkrankungen an Adenokarzinomen der Speiseröhre und 1.308 an Plattenepithelkarzinomen der Speiseröhre.
Anschließend überprüften die Forschenden die statistischen Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Ernährungsformen und dem Auftreten der Krebserkrankungen.
Krebsrisiko bei Fleischkonsum am höchsten
Dabei zeigte sich, dass Fleischesserinnen und Fleischesser das größte Krebsrisiko hatten und beispielsweise Personen, die lediglich Geflügelfleisch aßen, ihnen gegenüber bereits ein geringeres Risiko für Prostatakrebs aufwiesen.
Pescetarierinnen und Pescetarier zeigten gegenüber den Personen mit omnivorer Ernährung sogar ein 15 Prozent geringeres Risiko für Darmkrebs, ein sieben Prozent geringeres Brustkrebsrisiko und ein 27 Prozent geringeres Risiko für Nierenkrebs.
Vegetarische Ernährung senkt Risiko am stärksten
Bei vegetarischer Ernährung waren noch deutlichere Reduzierungen des Krebsrisikos feststellbar. Hier zeigte sich im Vergleich zu den fleischessenden Teilnehmenden ein 21 Prozent geringeres Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs, ein neun Prozent geringeres Brustkrebsrisiko, ein zwölf Prozent geringeres Prostatakrebsrisiko, ein 28 Prozent geringeres Risiko für Nierenkrebs und ein 31 Prozent geringeres Risiko für multiple Myelome.
Jedoch hatten Vegetarierinnen und Vegetarier ein 93 Prozent höheres Risiko für Plattenepithelkarzinome der Speiseröhre und bei veganer Ernährung war ein um 40 Prozent erhöhtes Risiko für Darmkrebs feststellbar, so das Forschungsteam.
Trotz des erhöhten Risikos für Plattenepithelkarzinome der Speiseröhre könnte eine vegetarische Ernährung das Krebsrisiko insgesamt deutlich senken, wobei die Forschenden allerdings ausdrücklich darauf hinweisen, dass bei der Generalisierung der Studienergebnisse Vorsicht geboten ist. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Yashvee Dunneram, Jia Yi Lee, Cody Z. Watling, Izabella Lawson, Mahboubeh Parsaeian, Gary E. Fraser, Fayth M. Butler, Dorairaj Prabhakaran, Krithiga Shridhar, Dimple Kondal, Viswanathan Mohan, Mohammed K. Ali, K. M. Venkat Narayan, Nikhil Tandon, Tammy Y. N. Tong, Ruth C. Travis, Tina H. T. Chiu, Ming-Nan Lin, Chin-Lon Lin, Hsin-Chou Yang, Yu-Jen Liang, Darren C. Greenwood, Gillian K. Reeves, Keren Papier, Sarah Floud, Rashmi Sinha, Linda M. Liao, Erikka Loftfield, Janet E. Cade, Timothy J. Key & Aurora Perez-Cornago: Vegetarian diets and cancer risk: pooled analysis of 1.8 million women and men in nine prospective studies on three continents; in: British Journal of Cancer (veröffentlicht 27.02.2026), nature.com
- Kiara Chang, Marc J. Gunter, Fernanda Rauber, Renata B. Levy, Inge Huybrechts, et al.: Ultra-processed food consumption, cancer risk and cancer mortality: a large-scale prospective analysis within the UK Biobank; in: eClinicalMedicine (veröffentlicht 31.01.2023), thelancet.com
- Arghavan Balali, Kimia Fathzadeh, Kimia Fathzadeh, Gholamreza Askari, Omid Sadeghi: Dietary intake of tomato and lycopene, blood levels of lycopene, and risk of total and specific cancers in adults: a systematic review and dose–response meta-analysis of prospective cohort studies; in: Frontiers in Nutrition (veröffentlicht 12.02.2025), frontiersin.org
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.









