Wasserdampf-Behandlung bei Prostata-Vergrößerung: Beschwerden beim Wasserlassen ohne Operation lösen

Ein Mann fasst sich an den Genitalbereich

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Neues Verfahren mit Wasserdampf gegen vergrößerte Prostata

Die gutartige Vergrößerung der Prostata („Benignes Prostatasyndrom“ (BPS)) ist die häufigste urologische Erkrankung des Mannes. Gesundheitsexperten zufolge beginnt sie in der Regel ab dem 50. Lebensjahr, doch auch relativ junge Männer können betroffen sein. Bei den Patienten wird oft eine Operation nötig. Doch auch ein neues Verfahren mit Wasserdampf kann Betroffenen helfen.


„Fast jeder Mann bekommt irgendwann Probleme mit einer vergrößerten Prostata“, erklärt der Urologe Dr. Armin Secker vom Universitätsklinikum Münster (UKM) in einer Mitteilung. Denn das Organ wächst im Laufe des Lebens – verbunden mit den bekannten Beschwerden beim Wasserlassen. Die meisten Vergrößerungen sind zwar gutartig, doch Abhilfe schafft häufig nur eine Operation. Oder ein noch recht neues Verfahren mit Wasserdampf, das auch in der Klinik für Urologie am UKM angewendet wird.

Ein Mann fasst sich an den Genitalbereich
Männer mit einer vergrößerten Prostata müssen oft operiert werden. Doch zur Behandlung steht unter anderem auch ein Verfahren mit Wasserdampf zur Verfügung. (Bild: Oleksandr/fotolia.com)

Beschwerden werden oft zu einer starken Belastung

„Häufiger Harndrang, nächtliche Gänge zur Toilette und das Gefühl, dass die Blase nie ganz leer wird: Das sind typische Beschwerden bei einer gutartig vergrößerten Prostata“, erklärt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) auf dem Portal „gesundheitsinformation.de“. Zwar stellen sich viele Männer auf die Beschwerden ein und kommen ganz gut damit zurecht, doch für einige werden sie zu einer starken Belastung, weil sie so oft zur Toilette müssen, dass sie nachts nicht mehr genug Schlaf bekommen und tagsüber erschöpft sind.

„Eine gutartige Vergrößerung der Prostata kann sehr lästig sein, ist aber meist harmlos. Falls eine Behandlung nötig wird, besteht in der Regel kein Grund zur Eile. Vor der Entscheidung für eine Behandlung kann man sich in Ruhe über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten informieren. Das ist vor allem vor einer Operation sinnvoll, da ein Eingriff auch zu langfristigen Komplikationen führen kann“, schreiben die Experten.

Verschiedene Behandlungsmöglichkeiten

Wie das IQWiG erklärt, kann es bei leichten Beschwerden und ohne Komplikationen ausreichen, den Alltag umzustellen und etwa einmal im Jahr zur Kontrolluntersuchung zu gehen. Den Angaben zufolge reicht diese Strategie bei etwa 30 von 100 Männern, die wegen einer vergrößerten Prostata ärztlichen Rat einholen, aus.

Zudem gibt es verschiedene pflanzliche Arzneimittel, die BPS-Symptome lindern sollen und rezeptfrei erhältlich sind. Die meisten dieser Präparate sind aber nicht gut erforscht. Und andere haben keinen Einfluss auf Prostata-Beschwerden gezeigt. Die deutsche Gesellschaft für Urologie empfiehlt sie deshalb nicht regelhaft zur Behandlung.

Etwa 70 von 100 Männer, die wegen ihrer Beschwerden ärztlichen Rat suchen, entscheiden sich für eine medikamentöse Behandlung. Meist wird das Medikament Tamsulosin eingesetzt, das die Prostata- und Blasenmuskulatur entspannt und dadurch das Wasserlassen erleichtert.

Und als Alternative zu einer herkömmlichen Operation kann sich auch eine Dampfstrahl-Behandlung anbieten, die eine vergrößerte Prostata zeitnah schrumpfen lässt.

Auch jüngere Männer betroffen

Von einer vergrößerten Prostata sind meist ältere Personen betroffen. „Probleme mit einer vergrößerten Prostata haben aber nicht nur 70-Jährige“, so Dr. Armin Secker, Leiter der Sektion Endourologie und des Nierensteinzentrums der Klinik für Urologie und Kinderurologie am UKM. „Auch noch relativ junge Männer ab 35 Jahren können schon von einer Harnabfluss-Störung betroffen sein“.

Beim 46-jährigen Sven Hutter war das Problem bei der urologischen Untersuchung deutlich vergrößert tastbar: „Meine Prostata war gefühlte 100 Jahre alt“, sagt er in der UKM-Meldung. Er wachte vier bis fünf Mal pro Nacht auf und musste zur Toilette.

Vor wenigen Wochen hat sich Herr Hutter einem minimalinvasiven Eingriff unterzogen, der das Problem des ständigen Harndrangs endgültig beheben soll: Bei der sogenannten Wasserdampf-Ablation mit dem Rezum™- System wurde dabei per Endoskop 107 Grad Celsius heißer Wasserdampf im Gewebe der Prostata verteilt.

„Das geschieht alles endoskopisch kontrolliert durch die Harnröhre und auf Sicht, das heißt, wir können genau sehen, wo wir behandeln. Der Wasserdampf wirkt nur bis zur Kapsel der Prostata und verdampft überschüssiges Drüsengewebe. Nerven für die Erektion werden nicht betroffen“, erläutert Secker.

Das überschüssige Gewebe wird im Zeitraum von bis zu drei Monaten nach dem Eingriff abgebaut und die Drüse verkleinert sich. Damit sind unerwünschte Nebenwirkungen, die bei einer invasiven Operation im kleinen Becken drohen, quasi ausgeschlossen. Die Erektionsfähigkeit und damit die Potenz bleiben durch das minimalinvasive nervenschonende Verfahren erhalten.

Positive Ergebnisse sind gut über Studien abgesichert

„Die Wasserdampf-Ablation ist noch ein relativ junges Verfahren, aber die positiven Ergebnisse sind schon gut über Studien abgesichert“, so Dr. Fabian Queißert, Leiter der Sektion Neurourologie sowie des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums. Unabhängig davon, wie ausgeprägt der Befund ist, habe man damit erstmals ein vielversprechendes Verfahren an der Hand, das über die Einnahme von Arzneimitteln oder der Möglichkeit eines operativen Eingriffs hinausgeht.

„Junge Männer erleben nach dem Eingriff denselben Zustand wie vor ihrer Erkrankung – die Prostata bleibt oft über Jahre auf Normalgröße. Ältere Patienten mit Prostata-Hyperplasie, die eventuell auch noch Blutverdünner nehmen und bei denen eine Operation ein Risiko darstellen könnte, können wir so erfolgreich nicht-operativ behandeln“.

Den Angaben zufolge verspürt Sven Hutter sechs Wochen nach dem Eingriff nur noch ein kleines Stechen beim Wasserlassen. Die Narkose habe er ohne Probleme überstanden, die Schmerzen seien überschaubar gewesen und schon am dritten Tag nach der OP konnte er nach Hause zurück. „Alles in allem ist das Verfahren der Wasserdampf-Ablation im Vergleich zum ‚schweren Geschütz‘ einer invasiven Operation mit nicht auszuschließenden Risiken echt entspannt“, findet der Patient. Spätestens bei der letzten Nachuntersuchung im September sollte sein Problem damit kein Thema mehr sein. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen:
  • Universitätsklinikum Münster (UKM): Statt Operation: Mit Wasserdampf gegen die vergrößerte Prostata, (Abruf: 26.08.2019), Universitätsklinikum Münster (UKM)
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Gutartige Prostatavergrößerung, (Abruf: 26.08.2019), gesundheitsinformation.de

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.