Warum diese Menschen nur sehr wenig Schlaf brauchen

Junge Frau liegt schlafend im Bett

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

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Mutation führt zur vollständigen Erholung nach nur sechs Stunden Schlaf

Wenn Menschen nicht ausreichend Schlaf bekommen, wirkt sich dies negativ auf die Gesundheit der betroffenen Personen aus. Generell wird Erwachsenen daher empfohlen, dass sie wenigstens sieben Stunden pro Nacht schlafen sollten. Eine seltene genetische Mutation bewirkt, dass Menschen lediglich sechs Stunden schlafen müssen, um sich vollständig erholt zu fühlen.


Bei der aktuellen Untersuchung der University of California, San Francisco wurde jetzt festgestellt, dass eine seltene genetische Mutation dazu beiträgt, dass Betroffene nur sechs Stunden Schlaf pro Nacht benötigen, um vollständig ausgeruht zu sein. Die Ergebnisse der Studie wurden in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Neuron“ publiziert.

Junge Frau liegt schlafend im Bett
Ein gesunder Schlaf ist wichtig für den gesamten Organismus. Es wird empfohlen, dass erwachsene Menschen mindestens sieben Stunden pro Nacht schlafen. Doch laut einer aktuellen Studie brauchen nicht alle Menschen so viel Schlaf. (Bild: Drobot Dean/fotolia.com)

Mutation von DEC2 mit Einfluss auf die Wachsamkeit?

Bereits im Jahr 2009 stellten Forschende bei einer Mutter und ihrer Tochter fest, dass eine Mutation in einem Gen namens DEC2 bewirkt, dass sie sich schon nach etwa sechs Stunden Schlaf pro Nacht ausgeruht fühlten. DEC2 kodiert für ein Protein, welches dabei hilft, die Expression anderer Gene auszuschalten, einschließlich des Gens für das Hormon Orexin, das bekanntermaßen die Wachsamkeit reguliert.

Reduziertes Bedürfnis nach Schlaf

Durch die Untersuchung einer weiteren Familie, welche ebenfalls nur wenig Schlaf pro Nacht benötigte, konnten die Forschenden eine weitere Mutation feststellen. Diese kommt nach ihren Schätzungen bei nur etwa vier von 100.000 Menschen vor. Schließlich wurden Mäuse gentechnisch so verändert, dass sie eine solche Mutation in sich trugen. Die Tiere schliefen dadurch durchschnittlich eine Stunde weniger pro Nacht, verglichen mit den Mäusen aus der Kontrollgruppe, berichten die Forschenden. Diese Mutation betreffe ein Gen namens ADRB1, welches einen Rezeptor für das gemeinsame neuronale Signalmolekül Noradrenalin kodiert. In einem Teil des Hirnstamms der Mäuse waren mit diesem Rezeptor besetzte Zellen im Wachzustand aktiv und im tiefen Schlaf ruhig. Die Stimulierung dieser ADRB1-tragenden Hirnstammneuronen konnte die Tiere sofort aus dem Tiefschlaf erwecken. Die Mutation scheint diese den Wachzustand fördernden Hirnstammneuronen aktiver zu machen, was erklären könnte, warum seine menschlichen Träger zufrieden und ausgeruht sind, obwohl sie weniger schlafen, erklären die Forschenden.

Weitere Forschung ist nötig

Die Erkenntnisse können einen Ausgangspunkt weiterer Forschung bilden und in Zukunft dabei helfen, Schlafstörungen zu behandeln oder beispielsweise dazu beitragen, dass Menschen mit Schlafproblemen einfach mehr Nutzen aus ihrer kürzeren Schlafenszeit ziehen. (as)

Autor:
Alexander Stindt
Quellen:
  • Guangsen Shi, Lijuan Xing, David Wu, Bula J. Bhattacharyya, Christopher R. Jones et al.: A Rare Mutation of β1-Adrenergic Receptor Affects Sleep/Wake Behaviors, in Neuron (Abfrage: 29.08.2019), Neuron

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.