Weltweit erster Fall von auf Menschen übertragener Rattenkrankheit entdeckt

Alexander Stindt

Rattenversion von Hepatitis E wurde erstmals auf Menschen übertragen

Wenn Tiere ihre Erkrankungen auf den Menschen übertragen, kann dies zu einer großen Gefahr für die Gesundheit mit dramatischen Folgen führen. Genau dies ist jetzt in Hong Kong geschehen. Eine Rattenversion von Hepatitis E wurde dort erstmals auf einen Menschen übertragen. Diese Übertragung ist von großer Bedeutung für die öffentliche Gesundheit.


Forscher berichten jetzt erstmals von einem Fall, bei dem eine Rattenversion von Hepatitis E auf einen Menschen übertragen wurde. Die Mediziner werden den Report über diesen ungewöhnlichen Fall im Dezember im englischsprachigen Journal „Emerging Infectious Diseases“ veröffentlichen.

Ein Mann in Hong Kong wurde weltweit erstmals mit einer Rattenversion von Hepatitis-E infiziert. (Bild: kichigin19/fotolia.com)

Hepatitis E von Ratten kann auch Menschen infizeren

Bis jetzt habe es keine Beweise dafür gegeben, dass die Krankheit von Ratten auf Menschen übertragen werden könne, und der aktuelle Befund sei deswegen von großer Bedeutung für die öffentliche Gesundheit, berichten die Experten der University of Hong Kong in der „South China Morning Post“. Die aktuelle Studie beweist zum ersten Mal auf der Welt, dass Hepatitis E von Ratten auch Menschen befallen und dort eine klinische Infektion verursachen kann, fügen die Experten hinzu.

56 Jahre alter Mann wurde infiziert

Die Krankheit wurde bei einem 56-jährigen Mann festgestellt, bei dem nach einer Lebertransplantation wiederholt abnormale Leberfunktionstests auftraten. Der Erkrankte wurde zu diesem Zeitpunkt wegen der Operation mit Immunsuppressiva behandelt. Die Tests wiesen auf Probleme mit seinem Lebertransplantat hin.

Es gab Anzeichen für Rattenbefall in der Umgebung des Mannes

Es gab verschiedene Anzeichen eines Rattenbefalls außerhalb des Hauses des Patienten. Die Mediziner vermuten, dass der Betroffene möglicherweise durch die Krankheit infiziert wurde, weil er Nahrungsmittel konsumierte, welche mit Rattenkot kontaminiert waren. Der genaue Weg der Übertragung sei aber noch unklar. Tests des Kots der Nagetiere, Abstrichproben aus dem Abfluss und Boden des Müllsammelraumes und sogar Ratten in der Umgebung wurden negativ auf Rattenhepatitis E getestet. Es wurde jedoch festgestellt, dass gefrorene Proben einer Ratte, die von den Behörden für Lebensmittel- und Umwelthygiene im Bezirk bereits im Jahr 2012 gesammelt wurden, das Virus enthalten.

Betroffener wird mit Ribavirin behandelt

Der Erkrankte befindet sich mittlerweile gesundheitlich auf dem Weg der Besserung, nachdem er wegen des Virus mit einer oralen Medikation mit der Bezeichnung Ribavirin behandelt wurde.

Wodurch infizieren Menschen sich normalerweise mit Hepatitis E?

Das Ratten-Hepatitis-E-Virus ist sehr entfernt verwandt mit menschlichen Hepatitis-E-Virus-Varianten, erklären die Forscher. Die menschliche Version von Hepatitis E ist laut der Weltgesundheitsorganisation WHO eine Lebererkrankung, an der jedes Jahr weltweit 20 Millionen Menschen leiden. Normalerweise wird die Erkrankung durch verunreinigtes Trinkwasser verbreitet. Es ist bekannt, dass das Hepatitis-E-Virus über Nahrung oder Wasser übertragen wird, welches durch Fäkalien kontaminiert ist, die die Pathogene enthalten. Es ist auch möglich das Virus durch den Verzehr von nicht gegartem Fleisch von infizierten Tieren und durch Bluttransfusionen von infizierten Spendern zu bekommen. Zu den Symptomen der Krankheit gehören Fieber, Erbrechen und Gelbsucht sowie in seltenen Fällen auch akutes Leberversagen und sogar der Tod.

Hong Kong leidet unter einer Rattenplage

In den letzten Monaten sind die Probleme mit Nagetieren in Hong Kong wahrhaft eskaliert. Beamte zur Bekämpfung von Nagetieren meldeten in den letzten Monaten ein zweistelliges Wachstum der Nachfrage nach ihren Dienstleistungen. Schuld daran ist das anhaltend heiße und feuchte Wetter, erläutern die Experten. Im vergangenen Jahr lag die sogenannte Nagerbefallrate für die gesamte Stadt von Juni bis Dezember bei 3,5 Prozent, gegenüber 4 Prozent im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Beamte gaben jedoch zu, dass das die Zahlen die Situation in einzelnen Distrikten nicht vollständig widerspiegeln. (as)