Weltweite Unsportlichkeit: Ein Viertel der Menschen mit Bewegungsmangel

Alexander Stindt

Mangelnde Bewegung führt weltweit zu immer mehr Erkrankungen

Weltweit sind die Menschen im weniger körperlich aktiv. Dies schadet sowohl ihrer physischen und als auch ihrer psychischen Gesundheit, sagen Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO.


Die Wissenschaftler der Weltgesundheitsorganisation WHO haben bei einer Studie festgestellt, dass immer mehr Menschen körperlich zu inaktiv sind. Dies kann zu Schäden der physischen und psychischen Gesundheit führen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Untersuchung in der englischsprachigen Fachzeitschrift „The Lancet Global Health“.

Viele Menschen auf der Welt bewegen sich viel zu wenig. Dabei kann körperliche Aktivität vor vielen Erkrankungen schützen. (Bild: Africa Studio/fotolia.com)

Die Menschen müssen sich mehr bewegen

Ein Viertel der Weltbevölkerung ist einfach nicht körperlich aktiv genug. Gerade in wohlhabenden Ländern bewegen sich die Leute viel zu wenig, was ihrer physischen und psychischen Gesundheit schadet. Es ist dringend notwendig Menschen mehr zu Bewegung zu ermutigen, erläutern die Forscher der Weltgesundheitsorganisation WHO. Menschen überall auf der Welt müssen sich mehr bewegen und körperlich aktiver werden. Länder sollten beispielsweise den motorisierten Verkehr reduzieren und das Radfahren fördern, fordern die Experten.

Jede dritte Frau und jeder vierte Mann treiben nicht genug Sport

Rund 1,4 Milliarden Erwachsene sind körperlich nicht aktiv genug, um auch weiterhin gesund zu bleiben, erläutern die Autoren der Studie. Jede dritte Frau und jeder vierte Mann treiben nicht genug Sport oder bewegen sich zu wenig. Viele Menschen sitzen oft den ganzen Tag bei ihrer Arbeit. Auch später sitzen diese Personen oft den ganzen Abend vor dem Fernseher. Zusätzlich nutzen die meisten Menschen ihr Auto, um selbst kurze Strecken zu bewältigen. Die mangelnde Bewegung und Sesshaftigkeit führt zu einem erhöhten Risiko für Herzkrankheiten, Typ-2-Diabetes, Demenz und einige Arten von Krebs, sagen die Mediziner.

Welche Mindestmenge an Bewegung wird empfohlen?

Die von der WHO empfohlene Mindestmenge an Bewegung beträgt 150 Minuten mittlerer Intensität oder 75 Minuten intensiver körperlicher Aktivität pro Woche. Solch eine Aktivität kann beispielsweise Radfahren, das Training im Fitnessstudio oder auch körperlichen Arbeiten im Haus und Gartenarbeit umfassen.

Wie aktiv sind die Menschen?

Am höchsten ist die Inaktivität oder Sesshaftigkeit bei Erwachsenen in Kuwait (67 Prozent), Amerikanisch-Samoa (53 Prozent), Saudi-Arabien (53 Prozent) und im Irak (52 Prozent). Aber auch in Ländern wie dem Vereinigten Königreich ist die Inaktivität sehr hoch. Dort bewegen sich 40 Prozent der Frauen nicht genug, Dies trifft auch auf 32 Prozent der Männer zu. In den USA sind 48 Prozent der Frauen und 32 Prozent der Männer nicht ausreichend aktiv. Die Inaktivität hat sich in den letzten 15 Jahren in den wohlhabenderen westlichen Ländern immer weiter verschlechtert: Von 31 Prozent im Jahr 2001 auf 37 Prozent im Jahr 2016, schreiben die Experten.

Das Ausmaß an unzureichender körperlicher Aktivität nimmt zu

Im Gegensatz zu anderen globalen Gesundheitsrisiken sinkt das Ausmaß an unzureichender körperlicher Aktivität im Durchschnitt weltweit nicht, und mehr als ein Viertel aller Erwachsenen erreicht nicht das empfohlene Maß an körperlicher Aktivität für eine gute Gesundheit, so die Hauptautorin Dr. Regina Guthold der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Mehr als 1,4 Milliarden Erwachsene leiden an vermeidbaren Krankheiten

Im Jahr 2016 bewegte sich ein Viertel der Weltbevölkerung zu wenig, sagen die Forscher. Dies birgt die Gefahr, dass mehr als 1,4 Milliarden Erwachsene an Krankheiten leiden, die mit Inaktivität in Verbindung gebracht werden. Es muss eine nationale Politik umgesetzt werden, um die nichtmotorisierte Verkehrsteilnahme wie Gehen und Radfahren zu fördern und die Teilnahme an aktiver Freizeitgestaltung und Sport zu fördern. Solche Strategien sind besonders wichtig in Ländern mit rapider Urbanisierung, wie Argentinien, Brasilien und Kolumbien.

Körperliche Aktivität von Frauen muss gefördert werden

Die Autoren fordern auch mehr Möglichkeiten für sichere und zugängliche Freizeitaktivitäten für Frauen auf der ganzen Welt, um die erhebliche Kluft zwischen den Geschlechtern zu beseitigen. Was benötigt wird, sind progressive groß angelegte Interventionen auf mehreren Ebenen, insbesondere für Frauen, die sichere und kulturell akzeptable Möglichkeiten für körperliche Aktivität schaffen und alle Menschen in die Lage versetzen, sich an körperlicher Aktivität zu beteiligen, erklären die Experten. (as)