Wende zur Naturheilkunde? Über die Hälfte wünscht sich integrative Medizin

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Forsa-Befragung bestätigt: Deutsche wollen mehr Naturheilkunde

Die Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen veröffentlichte kürzlich eine Umfrage, die zeigte, dass sich die Mehrheit der Deutschen mehr integrative Medizin wünscht. Mit integrativer Medizin ist eine Kombination aus konventionellen Methoden der Schulmedizin mit alternativen Behandlungen aus der Naturheilkunde, Homöopathie und der anthroposophischen Medizin gemeint. 51 Prozent der Befragten wünschen sich so einen gemeinsamen Ansatz.


Der deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) veröffentlichte kürzlich die Ergebnisse einer aktuellen Forsa-Befragung, aus der hervorgeht, dass sich die Deutschen eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Schulmedizin und Naturheilkunde wünschen. Als Vorbild könne hier die Schweiz dienen. Hier werden seit Mitte 2017 viele alternative Behandlungen als Grundversicherung voll erstattet, vorausgesetzt sie wurden zuvor erfolgreich auf die wissenschaftliche Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit geprüft. Das Gesetz zur Erstattung der Kosten wurde in der Schweiz durch eine Volksabstimmung erwirkt.

Die Mehrheit der Deutschen wünschen sich laut einer Forsa-Umfrage, dass die Homöopathie und die Naturheilkunde stärker in die allgeimeinen Behandlungen von Krankheiten eingebunden werden. (Bild: Alexander Raths/fotolia.com)

Mehr Miteinander von Schulmedizin und Naturheilkunde

„Sind Sie der Meinung, dass die steigende Nachfrage nach Homöopathie eine Wende in der Medizin einleitet hin zu einer Integrativen Medizin, also dem Miteinander von Schul- und Naturmedizin?“ Dieser Forsa-Frage stimmten 51 Prozent der 2.000 Befragten zu, 21 Prozent enthielten sich und 28 Prozent waren nicht dieser Meinung.

Deutsche wünschen sich eine Medizinwende

„Die Bürger wollen neben einer Energiewende und Mobilitätswende auch eine Medizinwende in Deutschland“, berichtet Cornelia Bajic, die erste Vorsitzende des DZVhÄ in einer Pressemitteilung zu der Forsa-Befragung.

Homöopathie auf dem Vormarsch

Der DZVhÄ berichtet zudem, dass der Verwenderkreis der Homöopathie in Deutschland weiter wächst. Im Jahr 2010 hatten 45 Prozent der Bevölkerung angegeben, dass sie schon einmal Erfahrungen mit Homöopathie gemacht haben. In der aktuellen Befragung gaben 53 Prozent an, schon mal homöopathische Arzneimittel verwendet zu haben. „Auch die Wünsche und Werte der Patienten müssen im Kontext einer evidenzbasierten Medizin berücksichtigt werden“, so Bajic. Immerhin gehöre die ärztliche Homöopathie zu den am stärksten verbreiteten Heilmethoden nach der Schulmedizin.

Die drei Säulen der evidenzbasierten Medizin

„Das Konzept der modernen evidenzbasierten Medizin (EbM) basiert per Definition auf drei Säulen“, erläutert die Homöopathie-Expertin. Zum einen beruhe das Konzept auf der klinischen Erfahrung der Ärzte, zum anderen auf den Werten und Wünschen des Patienten sowie auf dem aktuellen Stand der klinischen Forschung. Zu jeder dieser Säulen habe die ärztliche Homöopathie Studiendaten und Evidenz zum therapeutischen Nutzen vorzuweisen.

Ist der Evidenzbegriff zu schwammig?

Kritiker der Naturheilkunde beschränken sich oft allein auf die Säule der klinischen Forschung. „Homöopathische Ärzte wehren sich gegen einen verengten Evidenzbegriff der Kritiker“, betont Bajic. Nötiger als eine Homöopathie-Debatte hat die Gesellschaft und Politik nach Ansicht von Bajic eine klare Verständigung darüber, welcher Evidenzbegriff nun allgemeine Gültigkeit habe. (vb)