Wenn das Herz stolpert: So schützt man sich vor Vorhofflimmern

Alfred Domke

Vorhofflimmern kann lebensgefährlich werden: Wie man sich schützen kann

Laut Medizinern ist Vorhofflimmern mit fast zwei Millionen Betroffenen eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen in Deutschland. Das Flimmern bleibt häufig völlig unbemerkt, kann aber lebensgefährliche Folgen haben. Gesundheitsexperten erklären, wie man sich schützen kann.


Fast zwei Millionen Menschen in Deutschland betroffen

Laut der Deutschen Herzstiftung haben über 1,8 Millionen Menschen in Deutschland Vorhofflimmern. Jedes Jahr kommen Tausende dazu. Den Experten zufolge steigt das Risiko, Vorhofflimmern zu bekommen, mit dem Alter an. Die Häufigkeit liegt demnach bei den über 60-Jährigen bei rund fünf Prozent, bei den über 80-Jährigen sind es sogar rund 15 Prozent. In einer Mitteilung informiert die Herzstiftung über Ursachen, Symptome und medizinische Maßnahmen, die vor den Gefahren des Vorhofflimmerns wie Herzschwäche und Schlaganfall schützen.

Über 1,8 Millionen Menschen in Deutschland haben Vorhofflimmern. Die Herzrhythmusstörung kann unbehandelt lebensbedrohlich werden. Experten erklären, wie sich Betroffene schützen können. (Bild: Sonja Calovini/fotolia.com)

Ernst zu nehmende Herzrhythmusstörung

„Vorhofflimmern ist eine ernst zu nehmende Herzrhythmusstörung, die unbemerkt und unbehandelt lebensbedrohlich für Herz und Gehirn werden kann, bis hin zu Herzschwäche und Schlaganfall“, erklärt Prof. Dr. med. Dietrich Andresen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

„Das zu verhindern, muss Vorhofflimmern frühzeitig vom Arzt diagnostiziert und konsequent behandelt werden“, so der Experte.

Es stehen diverse wirksame Therapieansätze zur Verfügung.

Ab wann man zum Arzt sollte

„Viele Patienten klagen über einen erheblichen Verlust an Lebensqualität. Besonders dann, wenn sie nur zwischenzeitlich für ein paar Stunden oder Tage Vorhofflimmern haben und daher wissen, wie schön ein regelmäßiger Herzrhythmus ist“, erläutert Andresen.

Bei Vorhofflimmern ist das Herz meist völlig außer Takt. Der erste Anfall kann mit heftigen Schlägen bis in den Hals hinauf, Druckgefühl im Brustkorb und einer ungewohnten Luftnot bei leichten Tätigkeiten wie Treppensteigen auftreten.

Betroffene verspüren eine plötzliche Unruhe, wenn das Herz völlig unregelmäßig und schnell mit einem Puls von bis zu 160 Schlägen pro Minute rast, in seltenen Fällen auch schneller.

Die chaotische Herzschlagfolge kann allerdings auch mit einer normalen Herzfrequenz einhergehen (normal sind 60-100 Schläge pro Minute).

„Oft sind Herzstolpern und Herzrasen verbunden mit innerer Unruhe, Angst, einer Neigung zu schwitzen, Atemnot und Leistungsschwäche“, erklärt der Kardiologe.

„Allerdings sind bei Herzpatienten, deren angeschlagenes Herz die Rhythmusstörung schlechter verträgt, Atemnot, Brustschmerzen und Schwindel besonders häufig. Bei diesen Symptomen sollte man sofort den Arzt aufzusuchen!“

Dieser kann mit einem EKG, Langzeit-EKG oder Ereignis-Rekorder klären, ob das Herzstolpern eine harmlose Unregelmäßigkeit des Herzschlags ist oder ob Vorhofflimmern vorliegt, das zum Schlaganfall führen kann.

Vorhofflimmern kann tödlichen Schlaganfall auslösen

„Der Schlaganfall ist die größte Gefahr, die vom Vorhofflimmern ausgeht. Ein besonders hohes Risiko haben Alte und herzkranke Patienten“, so Andresen.

„Um sie vor Schlaganfall zu schützen, müssen daher konsequent gerinnungshemmende Medikamente – ,Blutverdünner‘ – gegeben werden.“

Tückisch ist jedoch, dass Vorhofflimmern bei über der Hälfte aller Patienten ohne Symptome oder Beschwerden auftritt und dadurch lange Zeit unbemerkt bleibt und daher selten zeitnah erkannt wird.

Häufig werden Patienten mit einer Herzschwäche oder einem Schlaganfall stationär aufgenommen und erfahren zum ersten Mal, dass Vorhofflimmern dafür verantwortlich ist.

Dies gilt verstärkt für ältere Patienten, bei denen Vorhofflimmern oftmals erst per Zufallsbefund festgestellt wird.

„Schlaganfälle, die durch Vorhofflimmern ausgelöst werden, haben einen besonders schwerwiegenden Verlauf“, warnt Andresen.

Deshalb sollte jede Möglichkeit genutzt werden, den unregelmäßigen Herzschlag festzustellen: wiederholt den eigenen Puls tasten, die Anzeige am Blutdruckmessgerät beachten, vielleicht sogar eine App aufs Handy laden, die Pulsunregelmäßigkeiten festzustellen hilft.

„Aber die App darf nicht als alleiniges Diagnoseinstrument angesehen werden, nur der Arzt kann eine sichere Diagnose stellen.“

Die Deutsche Herzstiftung rät: Besonders Herzkranke und Personen ab 60 sollten bei Routinekontrollen beim Arzt den Herzschlag durch Pulsmessung prüfen lassen.

Ursachen des Vorhofflimmerns behandeln

Wenn die Diagnose Vorhofflimmern feststeht, besprechen Kardiologe und Patient die Therapiemöglichkeiten.

„Oft ist es sinnvoll, Vorhofflimmern bei seltenen Anfällen, die nur ein- bis dreimal im Monat auftreten und nur wenige Sekunden andauern, zunächst nicht zu behandeln, sondern zunächst nur die Grunderkrankung, die die Rhythmusstörung verursacht hat“, sagt Prof. Dr. med. Andreas Götte vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

Aufgabe des Kardiologen ist es, mit Hilfe von Untersuchungen die Grunderkrankung der Rhythmusstörung aufzudecken und diese konsequent zu behandeln.

Am häufigsten: Bluthochdruck liegt bei ca. 70 Prozent aller Patienten mit Vorhofflimmern vor.

Weitere Ursachen können beispielsweise koronare Herzkrankheit (KHK), Herzschwäche (Herzinsuffizienz), Klappenerkrankungen, Übergewicht, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) und Schlafstörungen (Schlafapnoe-Syndrom) sein.

„Diese Grunderkrankungen sind konsequent mit Medikamenten und einem gesunden Lebensstil zu behandeln: mit Ausdauertraining je 20-30 Minuten 3- bis 5-mal die Woche, Abnehmen bei Übergewicht, gesunder Ernährung und Rauchverzicht.“

Starkes Rauchen, chronischer Alkoholmissbrauch und eine erbliche Neigung gehen ebenfalls mit Vorhofflimmern einher. Vor allem bei Herzkranken, aber auch bei Gesunden gibt es Reize („Trigger“), die Vorhofflimmern auslösen können: Alkohol, Schlafentzug, extremer Stress, Rauchen, starker Koffeinkonsum und opulente Mahlzeiten.

Und auch Störungen des Salzhaushalts (Elektrolyte) mit einem Mangel von Kalium und Magnesium können Vorhofflimmern begünstigen. „Dann müssen Kalium und Magnesium zugeführt werden.“

Operative Behandlung

Wenn bei Patienten trotz der Behandlung mit Rhythmusmedikamenten (Antiarrhythmika) erhebliche Beschwerden wie Atemnot, Herzrasen, Leistungsschwäche fortbestehen, ist laut der Herzstiftung eine Katheterablation sinnvoll.

Mit dem Standardverfahren können erfahrene Ärzte bei ungefähr 70 Prozent der Patienten anfallsweises Vorhofflimmern beseitigen. Bei anhaltendem Vorhofflimmern liegt die Erfolgsrate bei etwa 50 Prozent.

Bei manchen Patienten kann nach dem ersten Eingriff allerdings eine erneute Behandlung notwendig sein.

„Die Patienten gewinnen erheblich an Lebensqualität. Allerdings sollten nur dafür ausgewiesene Spezialkliniken die Behandlung durchführen“, sagt Prof. Dr. med. Gerhard Hindricks vom Wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung.

„Die Katheterablation gilt in erfahrenen Zentren als sicheres Verfahren: Bei rund 95 % der Patienten treten keine wesentlichen Komplikationen auf. Aber der Eingriff ist nicht ohne Risiken“, so Hindricks.

Mögliche Komplikationen sind unter anderem Gefäßverletzungen, Blutung in den Herzbeutel und Schlaganfall.

Vorhofflimmern kann das Herz schwächen

Ein lange Zeit bestehendes Vorhofflimmern kann auch zu einer Herzschwäche führen, die bei Betroffenen die Leistungsfähigkeit erheblich einschränkt und die Lebensqualität mindert.

Neben der Behandlung mit Elektroschock (Kardioversion) und Rhythmusmedikamenten (Arrhythmika) sehen neueste Studien in der Katheterablation ein vielversprechendes Verfahren, das bei gleichzeitiger Herzschwäche einen positiven Einfluss auf die Lebenserwartung haben und die Beschwerden lindern kann.

Doch auch der operative Eingriff zur Behandlung von Vorhofflimmern kann hier ein erfolgversprechender Therapieansatz sein. (ad)