Zahl der Diabetes-Fälle wird in den nächsten Jahren deutschlandweit auf bis zu zwölf Millionen ansteigen

Patient mit Diabetes misst Blutzucker

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Extreme Zunahme der Diabetes-Fälle in Deutschland prognostiziert

Immer mehr Menschen hierzulande erkranken an Diabetes. Aktuellen Hochrechnungen zufolge wird die Anzahl der Menschen mit Typ-2-Diabetes in Deutschland bis zum Jahr 2040 auf bis zu zwölf Millionen ansteigen.


Immer mehr Menschen erkranken an Diabetes

Vor einigen Jahren prognostizierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass die Zahl der erwachsenen Diabetiker im Jahr 2025 weltweit voraussichtlich 700 Millionen übertreffen wird. Und erst kürzlich veröffentlichten Forscher aus Großbritannien eine Studie, die zu dem Ergebnis kam, dass im Jahr 2045 einer von acht Menschen an Typ-2-Diabetes erkrankt sein wird. Auch hierzulande steigt die Zahl der Diabetes-Patienten immer weiter. Wissenschaftler gehen von einem enormen Anstieg der Erkrankungsfälle in den kommenden Jahren aus.

Die Zahl der Menschen mit Typ-2-Diabetes in Deutschland könnte laut Hochrechnungen bis zum Jahr 2040 auf bis zu zwölf Millionen ansteigen. (Bild: Printemps/fotolia.com)

Hochrechnungen zur künftigen Zahl der Typ-2-Diabetes-Fälle

Basierend auf den Daten von rund 65 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland und des Statistischen Bundesamtes veröffentlichten Wissenschaftler des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) zusammen mit ihren Kollegen vom Robert-Koch-Institut (RKI) zum ersten Mal umfangreiche Hochrechnungen zur künftigen Zahl der Typ-2-Diabetes-Fälle in Deutschland für alle Altersgruppen.

Den Angaben zufolge wurden in ihren Berechnungen zur Entwicklung der Fallzahlen zwischen 2015 und 2040 aktuelle Entwicklungen hinsichtlich neu auftretender Fälle, steigender Lebenserwartung und abnehmender Mortalitätsrate durch medizinischen Fortschritt mit einbezogen.

Dadurch konnten die Experten die Fallzahlen exakter als in früheren Projektionsstudien berechnen.

„In vorherigen Prognosen wurden entweder nur bestimmte Altersgruppen berücksichtigt oder zeitliche Entwicklungen zur Sterberate sowie zu neu auftretenden Fällen nicht mit eingerechnet“, erklärt Dr. Ralph Brinks, Leiter der Studie am DDZ, in einer Mitteilung.

Die Berechnungen wurden im Rahmen des vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Aufbaus einer nationalen Diabetes-Surveillance durchgeführt und vor kurzem in der Fachzeitschrift „Diabetic Medicine“ veröffentlicht.

Nicht nur die Alterung der Bevölkerung beeinflusst zukünftige Fallzahlen

In der Kalkulation ergab die einfache Projektion der altersspezifischen Krankheitshäufigkeit in 2015 auf die wahrscheinliche Altersstruktur der Bevölkerung in 2040 einen Anstieg der Diabetes-Fälle um 21 Prozent auf 8,3 Millionen.

Laut den Autoren reiche es nicht aus, die Entwicklung der Altersstruktur allein zu berücksichtigen.

Es müsse zusätzlich berücksichtigt werden, wie sich die Sterberate (Mortalitätsrate) bei Menschen mit und ohne Typ-2-Diabetes sowie die Neuerkrankungsrate (Inzidenzrate), über die Zeit verändert.

Deswegen wurden zur Berechnung der Zahl künftiger Diabetes-Fälle erstmalig folgende drei Größen miteinander in Beziehung gesetzt:

Prävalenz: Die Krankheitshäufigkeit sagt aus, welcher Anteil der Menschen in Deutschland zu einem bestimmten Zeitpunkt an Diabetes erkrankt ist.

Inzidenzrate: Die Inzidenzrate gibt die Anzahl neu auftretender Diabetes-Fälle in Deutschland während einer bestimmten Zeit an; beispielsweise in einem Jahr.

Mortalitätsrate: Die Sterblichkeit für Menschen mit und ohne Diabetes.

Diabetesbezogene Übersterblichkeit: Verhältnis der Sterberaten bei Menschen mit im Vergleich zu Menschen ohne Diabetes.

Bessere Behandlungsmöglichkeiten

Derzeit sind die Sterberaten bei Menschen mit Diabetes auch in Deutschland noch etwa doppelt so hoch wie bei Menschen ohne Diabetes.

Aufgrund des medizinischen Fortschritts mit besseren Behandlungsmöglichkeiten des Diabetes und seinen Folgeerkrankungen vermuten die Wissenschaftler, dass künftig weniger Menschen mit Diabetes frühzeitig sterben als das bislang der Fall war.

Solche Trends sind auch schon in anderen Ländern beobachtet worden.

Ganz entscheidend ist die zukünftige Entwicklung der Neuerkrankungsraten, die auch durch die Entwicklung wichtiger Diabetes-Risikofaktoren, wie etwa Bewegungsmangel, Fehlernährung und Adipositas in der Bevölkerung bestimmt wird.

Vor allem die Zahl der älteren Patienten wird zunehmen

Die Wissenschaftler am DDZ errechneten unter Einbeziehung dieser drei Größen und einer steigenden Lebenserwartung mit unterschiedlichen Annahmen für die Entwicklung der Neuerkrankungsrate und der diabetesbezogenen Übersterblichkeit eine relative Zunahme der Typ-2-Diabetes-Fälle um 54 Prozent (+3,8 Millionen Fälle) bis 77 Prozent (+5,4 Millionen Fälle) von 2015-2040.

Das bedeutet: Im Jahr 2040 werden ihren Prognosen zufolge 10,7 bis 12,3 Millionen Menschen von einer Typ-2-Diabetes-Erkrankung betroffen sein. Besonders stark nimmt die Zahl der älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes zu.

„Nach diesen Berechnungen des DDZ- und RKI-Expertenteams müssen sich Praxen und Kliniken noch mehr als bisher angenommen auf die Behandlung von älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes einstellen“, so Prof. Michael Roden, Vorstand des DDZ und Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf.

Diese Prognose erfordere mehr Expertenschulungen und die Einrichtung spezialisierter Zentren.

Am stärksten, so das Fazit der Wissenschaftler von DDZ und RKI, hängt die künftige Fallzahl davon ab, wie viele Menschen in den nächsten zwei Jahrzehnten tatsächlich neu an Diabetes erkranken werden.

Das sei eine Größe, die durch Präventions- und Schulungsmaßnahmen positiv beeinflusst werden könne. (ad)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.