Zöliakie: Neues Mittel gegen Glutenunverträglichkeit

Neues Mittel kann Symptome von Zöliakie lindern oder gar vollständig beseitigen

Gesundheitsexperten zufolge leiden etwa ein bis zwei Prozent der deutschen Bevölkerung an einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie). Betroffene müssen streng auf ihre Ernährung achten, da sich beim Verzehr von glutenhaltigen Nahrungsmitteln zahlreiche Beschwerden einstellen können. Forscher haben nun jedoch ein Mittel entwickelt, das die Symptome von Zöliakie lindern oder sogar vollständig beseitigen kann.


Strikte Vermeidung von Gluten

Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) ist eine recht häufige Erkrankung – etwa ein bis zwei Prozent der europäischen Bevölkerung leiden darunter. Sie äußert sich in einer Überempfindlichkeit gegenüber Gluten, einem Protein, das in Getreidesorten wie Weizen, Gerste oder Roggen vorkommt. Betroffene müssen streng auf ihre Ernährung achten. Wenn sie glutenhaltige Nahrungsmittel essen, treten die typischen Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen und Fettstuhl auf. Österreichische Forschers haben nun jedoch ein Medizinprodukt entwickelt, das die Symptome von Zöliakie lindern oder sogar vollständig beseitigen kann.

Bei Menschen, die an Zöliakie leiden, stellen sich nach dem Verzehr von glutenhaltigen Lebensmitteln zahlreiche Beschwerden ein. Diese Symptome könnten künftig mit einem neu entwickelten Präparat gelindert oder gar beseitigt werden. (Bild: Africa Studio/fotolia/com)

Lebenslang bestehende Unverträglichkeit

Bei Zöliakie handelt es sich um eine chronische Erkrankung des Dünndarms, die durch eine lebenslang bestehende Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten hervorgerufen wird.

Die genauen Ursachen, die zu dieser Unverträglichkeit führen können, sind noch immer unbekannt.

Eine Therapie steht bislang nicht zur Verfügung. Helfen kann nur eine strikte Vermeidung des Klebereiweißes, welches sich in vielen Getreidearten wie Weizen, Dinkel und Roggen befindet.

Produkt soll in wenigen Jahren im Handel sein

Es gibt allerdings Bestrebungen, Zöliakie zu behandeln. Die vorgeschlagenen Medikamente greifen jedoch ins Immunsystem ein, berichtet die Technische Universität (TU) Wien in einer Mitteilung. Daher müssen mögliche Nebenwirkungen sehr sorgfältig untersucht werden.

Den Angaben zufolge laufen zwar erste klinische Studien, sie werden aber in den nächsten Jahren noch nicht zu einem markttauglichen Produkt führen.

An der TU Wien ging man daher einen anderen Weg und entwickelte kein Medikament, das ins Immunsystem eingreift, sondern ein simples Medizinprodukt, das die Gluten-Moleküle direkt attackiert und unschädlich macht.

Dadurch ist das Zulassungsverfahren deutlich einfacher, schon 2021 soll das Produkt in gewöhnlichen Apotheken erhältlich sein.

Antigene werden durch Immunreaktion unschädlich gemacht

„Unser Körper produziert Antikörper, die genau zu eindringenden Antigenen passen, wie ein Schlüssel zum Schloss – durch diese Immunreaktion werden diese Antigene unschädlich gemacht“, erklärt Prof. Oliver Spadiut, Leiter der Forschungsgruppe Integrierte Bioprozessentwicklung an der TU Wien.

„Wenn man nun ein neuartiges Antikörpern-Fragment findet und herstellt, das an das eindringende Gluten-Molekül andockt und es blockiert, ohne aber das Immunsystem anzuregen, dann kann man die Symptome der Zöliakie unterdrücken.“

Das Ziel des Forschungsprojekts war deshalb, einen Komplex aus zwei solchen neuartigen Antikörper-Fragmenten herzustellen, die das Gluten-Molekül gewissermaßen molekular umklammern, sodass es keine weiteren Auswirkungen im Darm mehr haben kann.

Dazu muss man bestimmte Bakterien so umprogrammieren, dass sie genau das gewünschte Antikörper-Fragment herstellen.

„Die Bildung solcher Proteine in einem Bakterium ist ein höchst komplizierter Prozess“, erläutert Oliver Spadiut. „Da kann es leicht passieren, dass die Proteine nicht exakt auf die gewünschte Weise gefaltet werden.“

Gut reproduzierbares Verfahren

Statt der gewünschten Antikörper-Fragmente entstehen dann sogenannte „Einschlusskörperchen“ – kleine Partikel, die aus fehlerhaft gefalteten Proteinen bestehen.

Man musste daher einen Prozess entwickeln, diese Einschlusskörperchen wieder aufzufalten und aus ihnen die gewünschten Proteine zu gewinnen.

Solche Prozesse, bei denen die Faltung von Proteinen gezielt geändert wird, sind bisher nicht sehr gut studiert und daher nicht sehr effizient.

„Man muss die chemischen Abläufe bei diesem Prozess sehr genau verstehen, und auf komplizierte Weise steuernd eingreifen“, so Spadiut.

„Daher hat es eine Weile gedauert – aber nun haben wir ein Verfahren entwickelt, das gut reproduzierbar ist, auf industriellen Maßstab skaliert werden kann und eine sehr gute Ausbeute des gewünschten Produkts liefert.“

Präparat zusammen mit glutenhaltigen Lebensmitteln einnehmen

„Es wird sich um ein Präparat handeln, das Zöliakie-Patienten zusammen mit glutenhaltigen Lebensmitteln einnehmen können, um die Zöliakie-Symptome zu lindern“, erklärt Spadiut.

„Ob die Symptome dadurch ganz zum Verschwinden gebracht werden oder nur abgeschwächt werden, muss sich erst zeigen – das ist wohl auch von Person zu Person unterschiedlich“, so der Experte.

„Wir rechnen jedenfalls fest damit, dass das Produkt bereits im Jahr 2021 in gewöhnlichen Apotheken zu haben sein wird.“ (ad)